Streit um Parkplätze beim Helvetiaplatz

Das neue Parkierungskonzept der Stadt am Helvetiaplatz stösst bei bürgerlichen Parteien und Gewerbetreibenden auf heftige Kritik. Am 28. September entscheidet das Volk.

Molkenstrasse: Parkplätze sollen ins Amtshaus-Parkhaus verlegt werden. – Flaniermeile: So soll die Molkenstrasse nach der Aufwertung aussehen.

Molkenstrasse: Parkplätze sollen ins Amtshaus-Parkhaus verlegt werden. – Flaniermeile: So soll die Molkenstrasse nach der Aufwertung aussehen.

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«Kunden- und gewerbefeindlich», nennt Erich Burri, Präsident des Gewerbevereins Zürich 4, die stadträtliche Vorlage zur Aufwertung des Helvetiaplatzes in Aussersihl. Der Bürger werde für dumm verkauft, und das nehme man nicht einfach hin: Ende Monat wird deshalb eine Plakatkampagne gestartet, die für ein Nein an der Urne sorgen soll.

Projekt kostet fünf Millionen

Grund für Burris Groll: Der Stadtrat möchte 66 oberirdische Parkplätze beim Helvetiaplatz aufheben und dafür im bisher nur von der Stadtverwaltung und Privatmietern genutzten Parkhaus unter dem Amtshaus gleich viele öffentliche Parkplätze einrichten (siehe Grafik). Auf diese Weise soll Raum frei werden für die Aufwertung der Molkenstrasse zur Flanierzone mit Baumallee und grosszügigen Trottoirs. Dazu, so der Stadtrat, verpflichte ihn eine vom Gemeinderat 2002 überwiesene SP-Motion. Kostenpunkt für den Parkhaus-Umbau und die Aufwertung: fünf Millionen Franken. Realisiert werden soll das Ganze 2014 im Zug der Sanierung des Amtshauses, das heute als Reserve bei verwaltungsinternen Rochaden dient.

«Mehr Parkplatzsuchverkehr»

Laut Gewerbevereinspräsident Burri geht die Aufhebung der «intensiv genutzten» oberirdischen Parkplätze an der Molkenstrasse voll zu Lasten der dort ansässigen Läden, der Helvetia-Post und der Kunden. Betroffen seien auch Kunden des zweimal pro Woche stattfindenden Marktes, die im Auto beruflich unterwegs seien und die oberirdischen Parkierungsmöglichkeiten nutzten, um rasch ihren Einkauf zu tätigen. Der Parkplatzsuchverkehr werde unweigerlich zunehmen, prophezeit Burri. Zudem seien unterirdische Parkplätze viel weniger kundenfreundlich.

FDP-Geschäftsführerin Claudia Simon kritisiert den Abbau oberirdischer Parkplätze ebenfalls. Dieser bringe weniger eine Aufwertung zur Flanier- und Begegnungsmeile als Einbussen für Gewerbe und Kunden. Gewachsene Strukturen würden ohne Not zerstört. Zudem moniert Simon eine «unzulässige Verschärfung» des kommunalen Verkehrsplans: Obwohl der Helvetiaplatz gemäss diesem Plan gar nicht dem historischen Verkehrskompromiss unterliegt, werde hier die Aufhebung von oberirdischen Parkplätzen im Verhältnis 1:1 gemäss diesem Kompromiss angeordnet.

Die jetzige Situation beibehalten will auch SVP-Fraktionschef Mauro Tuena. Er erinnert ans oft schlecht ausgelastete Gessnerallee-Parkhaus, das zeige, dass Kunden ihre Einkäufe «nicht noch in weit entfernte Tiefgaragen schleppen wollen».

Unbehagen regt sich auch in linken Kreisen. «Da wird etwas übers Knie gebrochen», sagt AL-Gemeinderat Niklaus Scherr aus dem Kreis 4. Er hält die Aufhebung der Parkplätze bei der Helvetia-Post für fragwürdig: «Es ist eine Illusion zu glauben, dort kämen künftig alle mit dem Velo.» Zudem steige die Gefahr der Wildparkiererei. In autoarmen Zonen, so Scherr weiter, drohe auch die soziale Kontrolle abzunehmen. Auf jeden Fall hätte die künftige Nutzung des Amtshauses Helvetiaplatz ins Projekt miteinbezogen werden müssen, findet Scherr. Diese habe wesentlichen Einfluss auf die Platzgestaltung.

Der Stadtrat weist die Kritik zurück. Die Vorlage verbessere das Parkplatzangebot, schreibt er in der soeben veröffentlichten Abstimmungszeitung. Mit der Bündelung von Parkplätzen im Parkhaus werde der Suchverkehr «eher abnehmen». Die Marktfahrer seien heute oft gezwungen, die Parkplätze in der Molkenstrasse zu benutzen. Damit blockierten sie Parkplätze für die Kundschaft. Mit der Öffnung des Parkhauses und der neuen Gestaltung der Molkenstrasse würden die Marktfahrenden genügend oberirdische Abstellmöglichkeiten haben, ohne dabei Parkfelder belegen zu müssen. Insgesamt, so der Stadtrat, sei das neue Parkplatzangebot besser auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten als das heutige. Im Parkhaus könne ganztags länger als zwei Stunden parkiert werden, was auf den Strassenparkplätzen bisher nur nachts möglich sei. In der Molkenstrasse blieben zudem oberirdisch 14 Kurzzeitparkplätze bestehen.

SP: «Hysterische Reaktion»

Auch SP-Gemeinderätin Beatrice Reimann betont: «Wir bekommen eine Aufwertung für den Kreis 4 und mehr Verkehrssicherheit.» Das Referendum (siehe Kasten) bezeichnet sie als «hysterische Reaktion», denn das Projekt sei alles andere als gewerbefeindlich: Die Zahl der Parkplätze bleibe gleich, es gebe weniger Suchverkehr und erst noch eine Verschönerung. Bedenken wegen nachlassender sozialer Kontrolle hält Reimann für unbegründet: «Für eine Belebung braucht es keine Blechlawine, sondern attraktive Fussgänger- und Velozonen.» Nicht gelten lässt sie auch den Einwand, Parkplätze im Untergrund seien wenig kundenfreundlich: Andere Parkhäuser zeigten, dass mit baulichen Massnahmen höchstmögliche Sicherheit erreicht werden könne.

Für CVP-Fraktionschef Christian Traber sind die Befürchtungen des Gewerbes «nicht ganz von der Hand zu weisen». Dennoch sieht er die Vorlage als kleinen Schritt zur Aufwertung des Langstrassenquartiers, welche die CVP immer unterstützt habe.

Im Quartierverein Aussersihl sind die Meinungen geteilt, wie Präsidentin Renata Taiana sagt. Man begrüsse zwar die Verschönerung und hoffe auf eine Reduktion des Freierverkehrs, habe aber auch Verständnis für die Ängste des Gewerbes. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2008, 08:09 Uhr

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