Tibetergemeinschaft betete für Dalai Lama

In Bülach haben Tibeter und Schweizer dem Dalai Lama ein langes Leben gewünscht. Weil der Stargast fehlte, blieben in der Stadthalle etliche Stühle leer.

Kelsang Gyaltsen, Gesandter des Dalai Lama, betet in einer Langlebenszeremonie für sein geistliches Oberhaupt. (Bild: Yvon Baumann/TA)

Kelsang Gyaltsen, Gesandter des Dalai Lama, betet in einer Langlebenszeremonie für sein geistliches Oberhaupt. (Bild: Yvon Baumann/TA)

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Bunte Gebetsfahnen verbreiten am Donnerstag eine religiös-feierliche Atmosphäre vor der Stadthalle Bülach. Auf die Wimpel sind Gebete geschrieben, die der Wind in alle Richtungen tragen und der Welt den Frieden verkünden soll.^

Gerne hätten das Tibet-Institut Rikon und die Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF) ihre Botschaft durch den Dalai Lama verbreitet. Doch die 40-Jahr- respektive 25-Jahr-Jubiläen der beiden Organisationen finden aus gesundheitlichen Gründen ohne ihr geistliches Oberhaupt statt. Und so ist auch die Stadthalle nicht voll besetzt.

Im Vorverkauf hatten sich Mitglieder und Gönner der beiden Tibet-Organisationen um die Tickets der privaten Veranstaltung gerissen. Die 1800 Plätze waren schnell ausverkauft. Nach der Absage des Dalai Lama schickte aber ein Fünftel seine Tickets zurück.

«Ich habe auch kurz überlegt, ob ich zu Hause bleiben soll», sagt eine junge Toggenburgerin vor dem Eingang. Statt den Dalai Lama zu sehen, will sie nun Mitglieder anderer GSTF-Sektionen treffen. Auch Bülachs Stadtpräsident Walter Bosshard und der Präsident des Bülacher Parlaments, Stefan Schnegg, erscheinen und nehmen wie der Zürcher SP-Nationalrat Mario Fehr in der ersten Reihe Platz. Dort haben sie einen guten Blick auf den ersten Akt der Jubiläumsfeier, die Langlebenszeremonie für den Dalai Lama.

Die Zuschauer gehen in sich

16 Mönche betreten die Bühne und lassen sich im Schneidersitz auf roten Kissen nieder. Je acht sitzen sich gegenüber, vor ihnen ein Pültchen mit Texten und Glocken. Mit tiefer Stimme beginnt einer der Mönche zu singen, die anderen folgen ihm, auch Zuschauer stimmen in das Gebet ein.

Nach zehn Minuten greift ein Teil der Mönche zu Trommeln, Cinellen, Glocken, Flöten und weissen Muscheln. Die Musik hört sich ein wenig an wie das Spiel einer Gugge, die in einen Alpaufzug mit bimmelnden Kuhglocken geraten ist.

Die Musik stoppt, das Gebet wird fortgesetzt. Gesandte des Dalai Lama und Vertreter der Tibet-Organisationen betreten nacheinander die Bühne und werfen sich vor einem Podest nieder, auf dem ein Foto des Dalai Lama steht. Umrahmt von Kerzen segnen sie Buddha-Statuen, Schriftrollen und weitere religiöse Symbole und legen eine Glücksschleife über den Altar.

Die Zuschauer staunen Richtung Bühne. Andere gehen in sich, sitzen nach vorne gebeugt auf ihren Stühlen, die Augen geschlossen. Tibeter wie Schweizer.

Die Solidarität mit dem Tibet hat Tradition in der Schweiz. Seit der Bundesrat in den frühen 60er-Jahren 2000 Flüchtlinge einreisen liess, wohnen fast 4000 Tibeter in unserem Land, sagt Rudolf Högger, Präsident des Tibet-Instituts in Rikon. Nur in Indien, Kanada und den USA leben mehr Exil-Tibeter.

Eine religiöse Heimat bieten

Im Institut in Rikon steht das einzige buddhistische Kloster Europas, das von einer tibetischen Mönchsgemeinschaft geführt wird. Das Institut will den Tibetern vor allem eine religiöse Heimat bieten. Die Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft betreibt dagegen politisches Lobbying, organisiert Veranstaltungen und Demonstrationen. Doch davon ist in der Stadthalle wenig zu spüren.

Nach 40 Minuten werden die Bassstimmen leiser und leiser. Wie das Summen einer grossen Maschine, die heruntergefahren wird. Die Zeremonie ist zu Ende. Referate über den Buddhismus, den Dialog zwischen Ost und West und die Präsentation des Buches «Tibetisches Juwel» wechseln sich mit musikalischen und tänzerischen Einlagen ab.

Nach einem Apéro verlassen die Besucher um 19 Uhr die Stadthalle. Zwar ohne ihr geistliches Oberhaupt gesehen zu haben. Aber mit einem Ticket, auf dem immerhin «Jubiläumsfeier mit dem Dalai Lama» geschrieben steht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2008, 08:41 Uhr

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