«Totengräber für das Gewerbe»

Die Helvetiaplatz-Vorlage sei kunden- und gewerbefeindlich, klagen FDP und Gewerbeverein Zürich 4. Jetzt haben sie eine Nein-Kampagne lanciert.

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«Diese Vorlage geht ans Lebendige», sagte Andrea Müller, Inhaber der Papeterie Gartmann an der Molkenstrasse, gestern an der Medienkonferenz des Nein-Komitees. Dieses wehrt sich mit Plakaten und Flyern gegen das neue Parkierungs- und Aufwertungskonzept für den Helvetiaplatz, das am 28. September vors Volk kommt. Die Stadt plant, im Bereich Helvetiaplatz 66 oberirdische Parkfelder aufzuheben und dafür im Parkhaus unter dem Amtshaus gleich viele unterirdische Parkplätze anzubieten. Gleichzeitig soll die Molkenstrasse mit neuen Bäumen und breiteren Trottoirs aufgewertet werden. Kostenpunkt: 5 Millionen Franken.

Für Ladenbesitzer Müller geht die Aufhebung der oberirdischen Parkplätze «voll zulasten der Kunden, Gewerbetreibenden und Läden, der Helvetia-Post und der Marktfahrer». Dem ansässigen Gewerbe drohten «beträchtliche Einnahmeneinbussen», weil viele Kunden nicht mehr kämen, wenn sie unterirdisch parkieren müssen. Auch Erich Burri, Präsident des Gewerbevereins Zürich 4, wehrt sich gegen jeglichen weiteren Parkplatzabbau im Kreis 4, weil dieser letztlich zu einer weiteren Abwanderung gesunder Gewerbebetriebe führe. Der wirtschaftliche Wert eines Parkplatzes am Helvetiaplatz betrage rund 50 Prozent des Werts eines Parkplatzes in der Innenstadt, was rund 230'ooo Franken entspreche. «Grotesk» ist es für Burri, dass die Stadt mit dem Langstrassenkredit Geld fürs Gewerbe im Kreis 4 ausgibt, mit der Helvetiaplatz-Vorlage aber «zum Totengräber für dieses Gewerbe» werde.

«Eher Abwertung als Aufwertung»

Auch die FDP, die zusammen mit der SVP das Behördenreferendum ergriffen hat, hält die Vorlage für «äusserst kunden- und gewerbefeindlich», wie Gemeinderätin Doris Weber sagte. Viele Autofahrende, vor allem Frauen, würden das Parkhaus meiden, der Parkplatzsuchverkehr werde zunehmen. Zudem bezweifelt die FDP, dass es zur geplanten Aufwertung kommt. Weber: «Mit ein paar Bäumen und einem breiteren Trottoir wird diese Gegend nicht attraktiver.» Die Aufhebung oberirdischer Parkplätze an der Molkenstrasse bedeute eher eine Abwertung. Hinzu komme die Gefahr, dass eine parkplatzfreie und verkehrsberuhigte Zone vermehrt Randständige und Dealer anlocke, ähnlich wie das Plätzchen mit Bäumen vor der Langstrassenunterführung. Erich Burri: «Ein gewisses Leben auf der Strasse, dazu gehört auch der Verkehr, erhöht die Sicherheit.» Und für Gewerbler Müller steht fest: «Mit dem Geld würde die Stadt gescheiter die Dealer an der Molkenstrassse vertreiben.»

FDP-Präsident Urs Egger kritisierte die «schleichende Ausweitung» des historischen Verkehrskompromisses auf die ganze Stadt. Der Kompromiss verlange nur in der City eine Aufhebung oberirdischer Parkplätze im Verhältnis 1:1, nicht aber in anderen Quartieren. Künftig werde die FDP vermehrt gegen Vorlagen des Stadtrates antreten, die in Richtung Verkehrsbehinderung gehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2008, 16:06 Uhr

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