Unterländer Schiessanlagen rüsten ihre Kugelfänge um

Immer mehr Gemeinden im Unterland versehen ihre Schiessanlagen mit künstlichen Kugelfängen. Eine regionale Zusammenarbeit wird dabei allerdings noch nicht gesucht.

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Der Schützenverein Regensberg hat knapp 20 aktive Mitglieder. 10'000 Schuss werden jährlich auf der Schiessanlage des Vereins abgefeuert. Nun soll ein künstlicher Kugelfang für die sechs Scheiben gebaut werden. Das Bauprojekt liegt derzeit bei der Gemeindeverwaltung auf. Mit einem künstlichen Kugelfang werden die Geschosse aufgefangen. Die Einrichtung sieht aus wie eine grosse Kiste, die regelmässig geleert werden muss. So bohren sich Blei und Antimon – ein weiterer giftiger Stoff von Gewehrkugeln – nicht mehr in den Boden. Der neue Kugelfang für die sechs Regensberger Stände kostet 35'000 Franken. Teurer käme es, wenn der Schützenverein bei der Einrichtung nicht Fronarbeit leisten würde. Der Verein ist in der Gemeinde gut verankert und hat die Unterstützung des Gemeinderates. Gemeindepräsident Fritz Kilchenmann ist selbst ein passionierter und langjähriger Schütze. Zudem gibt es neben dem Schützenverein in Regensberg nur noch einen weiteren Verein.

Der hohen Investitionskosten für die Schiessanlagen sei man sich im Schützenverein bewusst, erklärt dessen Präsidentin Monika Schwenk. «Eine Fusion mit einem anderen Schützenverein steht bei uns derzeit aber nicht zur Debatte. Es ist uns jedoch klar, dass langfristig wohl in regionalen Anlagen geschossen wird.»

Kooperation kam nicht zustande

Auch in der Gemeinde Weiach ist diesen Sommer ein Kredit von 43 000 Franken für einen künstlichen Kugelfang genehmigt worden. Obwohl die Bewilligung dieses Kredites eigentlich in der Kompetenz des Gemeinderates liegt, hat dieser das Geschäft der Gemeindeversammlung vorgelegt. «Wir wollten wissen, ob die Bevölkerung gewillt ist, diese Kosten und die zukünftig notwendigen Investitionen zu tragen», sagt Gemeindepräsident Gregor Trachsel. In den nächsten Jahren müssen nochmals rund 180'000 Franken in die Hand genommen werden, um die Schiessanlage weiterführen zu können. Ein Steuerprozent entspricht in Weiach rund 25'000 Franken.

Der Gemeinderat hatte noch vor der besagten Gemeindeversammlung versucht, mit den Schiessvereinen Fisibach und Kaiserstuhl zu verhandeln, um so eine gemeinsame, kostengünstigere Lösung zu finden. «Die Idee wäre gewesen, dass nur noch auf einer Anlage geschossen wird», so Trachsel. Eine Einigung hat es aber nicht gegeben. Die Weiacher Anlage wird nun für 17 Aktivschützen und gut 25 Personen, die dort ihre obligatorische Bundesübung schiessen, mit künstlichen Kugelfängen ausgerüstet.

Die derzeitige Fülle an Baugesuchen für die neuen Kugelfänge erklärt sich aus dem Stichtag 1. November 2008. Wird ab dann kein Schuss mehr in den Boden versenkt, werden 40 Prozent der Kosten einer zukünftigen Sanierung des Geländes aus einem Bundesfonds beglichen. Der Stichtag könnte aber noch in weitere Zukunft rücken. Eine parlamentarische Initiative fordert eine Fristverlängerung bis 2012.

Für den Präsidenten des Dielsdorfer Bezirksschützenverbandes Manfred von Allmen besteht Handlungsbedarf, damit die Böden nicht weiter kontaminiert werden. Gleichzeitig spricht er sich aber für das Weiterbestehen von möglichst vielen Vereinen aus. «Damit sie in Zukunft genug Mitglieder haben, braucht es Nachwuchsförderung», sagt er. Die Nachwuchsförderung nennt er mit als einen Grund, warum die Investitionen in die Schiessanlagen ihre Berechtigung hätten. Zudem würden viele andere Vereine auch durch die Allgemeinheit mitfinanziert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.08.2008, 08:50 Uhr

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