Unterländer Werke geben Preiserhöhung weiter

Die neuen Tarifstrukturen in der Stromversorgung führen bei den lokalen Werkbetreibern zu roten Köpfen. Auch im Unterland steigen die Preise beträchtlich – trotz Rückgriff auf Reserven.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Völlig unübersichtlich», «unheimlich kompliziert», «bringt überhaupt nichts» – die Geschäftsführer von Unterländer Stromversorgern haben wenig dafür übrig, als Prügelknaben für den Wandel im Schweizer Strommarkt herzuhalten. Die kleinen Anbieter etwa aus Wallisellen, Rümlang und Otelfingen kommen aber genauso wenig darum herum, ihren Kunden höhere Strompreise zu verrechnen wie die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), die derzeit das Gros der Unterländer Gemeinden mit Strom beliefern.

Grund dafür ist das neue Stromversorgungsgesetz der Schweiz. Es schreibt vor, dass der Strommarkt ab 1. Januar 2009 liberalisiert wird. Grosskunden sollen ab diesem Datum frei auswählen können, wer ihr Stromlieferant ist. Und frühstens 2014 sollen auch Privatkunden von dieser Marktöffnung profitieren können. Das neue Stromversorgungsgesetz sieht aber auch vor, dass alle Energielieferanten Abgaben von 1,35 Rappen pro Kilowattstunde Strom für den Unterhalt des Höchstspannungsnetzes an die Netzdienstleisterin Swissgrid und für die Förderung erneuerbarer Energien an den Bund zu entrichten haben. Das ganze Paket verkompliziert die Arbeit der Stromanbieter. Und es hat zur Folge, dass Strom teurer wird.

Verwirrende Post

Dennoch haben sowohl die EKZ als auch die Werke Wallisellen ihren Kunden mitgeteilt, dass «das Preisniveau in der Summe gleich bleibt» oder «Strom im 1:1-Vergleich günstiger wird». Dies, obwohl beide Stromversorger ihre Tarife unter dem Strich ja erhöhen: Die EKZ verlangen von einem durchschnittlichen Privathaushalt rund 10 Prozent mehr, die Werke Wallisellen schlagen um 5 Prozent auf. Streuen die Werke ihren Abnehmern also Sand in die Augen?

Nein, lautet die Antwort von Markus Attinger, Geschäftsführer der Walliseller Werke: Der Energie- und der Netzpreis, den alle Werke zukünftig einzeln und damit transparenter verrechnen müssen, werde in Wallisellen tatsächlich günstiger. «Wir müssen unseren Kunden aber die beiden neuen Abgaben weiterverrechnen, die einen Preisaufschlag von 10 Prozent ausmachen würden», sagt Attinger. Um diesen Aufschlag nicht vollständig auf die Kunden abzuwälzen, habe man den Energie- und Netzpreis gesenkt.

Möglich wird dies in Wallisellen dank Rückstellungen von «ein paar Millionen Franken», die man in Voraussicht auf die Marktöffnung getätigt hat. Ebenso greifen auch die EKZ auf ihre Reserven zurück: Sie gewähren den Kunden einen Bonus von 15 Prozent und verzichten dadurch auf mehr Gewinn.

Beträchtliche Preisunterschiede

Fraglich ist fürs erste auch, ob die Strommarktöffnung zu grösserer Transparenz führt. Selbst im lokalen Massstab sind die Tarife uneinheitlich gestaltet. Wo sich die Preise vergleichen lassen, zeigen sich dann aber rasch erhebliche Preisunterschiede. So verlangen etwa die Elektrizitätswerke Rümlang als Gebühr für die Nutzung ihres Stromnetzes von den Privathaushalten 2,85 Rappen pro Kilowattstunde zum Niedertarif und 9,45 Rappen pro Kilowattstunde zum Hochtarif. Kunden der Elektrizitätsgenossenschaft Otelfingen bezahlen für die gleiche Dienstleistung 4,20, respektive 10,50 Rappen. Das ergibt Preisdifferenzen von bis zu 47 Prozent.

Noch können sich die Werke solche Unterschiede offenbar leisten. Wenn die Marktöffnung aber auch für Privatkunden wirksam wird, was frühestens 2014 der Fall sein soll, dürfte sich das ändern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2008, 11:54 Uhr

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen. Flexibel und jederzeit kündbar
Neu nur CHF 18.- pro Monat

Blogs

Sweet Home Die perfekte Villa

History Reloaded Der Sound der Schweiz

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Männchen machen für einen Heiligen: Auf den Hinterbeinen bahnen sich Pferd und Reiter ihren Weg durch die Menschenmenge in Ciutadella auf der spanischen Insel Menorca. Das ist Brauch während des San-Juan-Fests – und wer die Brust des Tieres streicheln kann, soll vom Glück gesegnet werden. (23. Juni 2017)
(Bild: Jaime Reina) Mehr...