Wärme aus der Erde statt aus dem Öltank

Immer mehr Zürcher heizen mit Erdwärme statt mit Öl. Der Grüninger Walter Weber bohrte neben seinem Einfamilienhaus 225 Meter tief.

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Das Dröhnen der Bohrmaschine ist laut im Grüninger Ortsteil Binzikon. Eine grosse Bohrmaschine ist in der Gasse installiert - mit allem Zubehör. Einfamilienhausbesitzer Walter Weber arbeitet seit Montag zusammen mit zwei jüngeren Kollegen intensiv. Rohr um Rohr setzen sie auf, der Bohrkern arbeitet sich Zentimeter um Zentimeter in die Tiefe. Mit Zugabe von Wasser wird das Mergelmaterial direkt aus dem Boden in einen Tank gepumpt. Gemäss Walter Webers Berechnungen würden 175 Meter für seine Erdsonde bestimmt genügen.

Weber hat vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) die Bewilligung, bis in 300 Meter Tiefe zu bohren (siehe Kasten). Doch gestern stoppte er die Bohrung bei 225 Metern. «Wir haben die optimale Tiefe erreicht und die Erdsonde bereits eingebaut», freute er sich. Weber möchte mit seiner künftigen Heizung experimentieren, sie verschiedenen Tests unterwerfen. Die Ölheizung im älteren Einfamilienhaus ersetzt er durch eine Wärmepumpe, sobald der Öltank leer ist.

Für Niedertemperaturen geeignet

Weber bohrt und sprengt seit Jahrzehnten beruflich. Seit zwei, drei Jahren befasst er sich jetzt auch mit Erdsonden, beruflich wie privat. «Ein komplexes Gebiet», wie er festgestellt hat. Eine Erdwärmeheizung müsse gesamthaft intelligent konzipiert werden, sagt er. «Entscheidend ist eine möglichst geringe Temperaturdifferenz zwischen der Flüssigkeit in der Sonde, die man aus dem Boden pumpt und dem Wasser im Heizungssystem. Eine Bodenheizung mit 35 Grad Wassertemperatur ist deshalb für das System geeigneter als alte Radiatoren, die auf 60 Grad Celsius aufgeheizt werden. Auch die optimale Isolation des Gebäudes spielt eine positive Rolle. Je nach Situation lassen sich auch noch Sonnenkollektoren einbeziehen.

Theoretisch müsste die Bodentemperatur in 300 Meter Tiefe nahezu 20 Grad betragen. Das wäre gemäss Weber ein sehr günstiger Wert. Das Bohrloch hat einen Durchmesser von 130 Millimetern. In den oberen Erdschichten wird zusätzlich ein grösseres Schutzrohr eingetrieben, damit es nicht zusammenfällt. Ist die nötige Tiefe erreicht, werden die Rohre wieder aus dem Boden gezogen und zwei Rohrschleifen in das Loch hinuntergelassen.

Die Rohre aus Polyaethylen weisen einen Querschnitt von 32 Millimeter auf. Durch sie zirkuliert dann das Wasser, welches einen Frostschutzanteil von 10 bis 20 Prozent enthält. Durch ein fünftes Rohr wird eine flüssige Mörtelmischung in den Bohrkern geblasen, welche die Erdwärme gut leitet. «Zwischen den Rohren darf es keine Luftblasen haben, sonst fällt der Wirkungsgrad ab», weiss Weber.

1500 Franken jährlich sparen

Die Erdsonden werden im Keller des Einfamilienhauses dann mit einer Wärmepumpe verbunden. Sie entzieht dem Wasser/Frostschutz-Gemisch 3 Grad Temperatur und speist sie in den Heizungskreislauf ein. Der Wirkungsgrad der Wärmepumpe drückt sich in der Leistungszahl aus. Sehr gut ist ein Wert von 4. Er besagt, dass mit dem Einsatz von einer Einheit Strom für die Wärmepumpe vier Einheiten Wärme gewonnen werden können. Walter Weber hofft für seine neue Heizung sogar auf eine Leistungszahl zwischen 4 und 5.

Der Einbau einer Erdsonde für ein Einfamilienhaus lässt sich in einer Woche bewerkstelligen. In einer weiteren Woche kann die Wärmepumpe installiert und das System betriebsbereit gemacht werden. Weber glaubt, dass er beim Heizen seines Einfamilienhauses künftig im jährlichen Verbrauch gegen 1500 Franken einsparen kann. Das würde es ihm erlauben, die Investition für die Erdsonde und die Wärmepumpe innert 10 bis 15 Jahren zu amortisieren. Die Lebensdauer einer Erdsondenheizung beträgt laut Hersteller rund 50 Jahre.

Weg von den fossilen Energieträgern

Walter Weber hat sich für eine Erdsonde entschieden, weil er weg möchte von den Bocksprüngen des Heizölpreises. «Längerfristig wird der Ölpreis bestimmt ansteigen», glaubt der Grüninger. Kommt hinzu, dass er den raschen Verbrauch der fossilen Energieträger Öl und Gas mit Skepsis betrachtet: «So wie wir die Rohstoffe unserer Kugel plündern - das kann auf die Dauer nicht gut gehen», ist Walter Weber überzeugt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2008, 07:41 Uhr

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