Watt erhält erste Null-Energie-Siedlung im Unterland

Die Dächer der neuen Siedlung Sunny Watt werden statt mit Ziegeln mit Solarzellen bestückt. Das Projekt ist einmalig für die Region. Gestern war Spatenstich.

Projektleiterin Nadja Grischott und Architekt Beat Kämpfen mit einem Gebäudemodell vor dem Bauplatz in Watt.

Projektleiterin Nadja Grischott und Architekt Beat Kämpfen mit einem Gebäudemodell vor dem Bauplatz in Watt. Bild: Daniel Kellenberger

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In Watt wird die erste Null-Energie-Siedlung im Unterland gebaut. «Null-Heizenergie», präzisiert der Zürcher Architekt und Bauherr, Beat Kämpfen. Das bedeute, dass die zukünftigen Bewohner von Sunny Watt fürs Heizen, Lüften und für Warmwasser keine externe Energie brauchen. Möglich machen dies die Solaranlagen, die auf den Mehrfamilienhäusern installiert werden. «Jedes hat ein kleines Kraftwerk auf dem Dach.»

Anstelle von Ziegeln werden die nach Süden geneigten Dächer der Siedlung aus Solarzellen bestehen. Das Umwandeln von Sonnenstrahlen in elektrische Energie nennt sich Photovoltaik. Im Sommer produziert die «Solarsiedlung» mehr Energie als benötigt, sagt der Architekt. Die überschüssige Energie wird automatisch ins Netz eingespeist. Im Winter, wenn auch im Furttal die Sonnenstunden gezählt sind, kann der zusätzlich benötigte Strom aus dem Netz bezogen werden. Das ergibt unter dem Strich die Null-Energie-Bilanz.

Die Kraft der Sonne wird noch durch zwei andere Verfahren genutzt. Thermische Sonnenkollektoren heizen mit den eingefangenen Sonnenstrahlen die Warmwassertanks auf. Und dann ist da noch die passive solare Architektur. Durch die grossen Glasfronten dringt das Licht in die Wohnungen und wärmt die Räume auf.

Das Architekturbüro von Beat Kämpfen ist seit Jahren auf energieeffizientes Bauen spezialisiert. Ein vor rund einem Jahr in Kemptthal fertiggestelltes Bürogebäude war das erste Null-Energie-Bürogebäude der Schweiz. Das Gebäude der Mövenpick-Tochter Marché International hat den Schweizer Solarpreis 2007 gewonnen und erhielt beim weltweit ausgeschriebenen Energy Globe 2008 den National Award Switzerland.

Sunny Watt sei auch einzigartig, sagt Kämpfen. «Ziel ist es, die ideale Siedlung zu bauen.» Der Architekt und Bauherr hat zwei Leidenschaften: die Solarenergie und den Holzbau. Er sei vor vielen Jahren mit dem Solarvirus infiziert worden, als er zu Studienzwecken in den USA weilte.

Zwei Drittel schon verkauft

Gestern war der Spatenstich für das nach den Prinzipien der Solararchitektur geplante Projekt Sunny Watt. Mit den ersten zwölf Käufern wurde beim Bauplatz auf das gute Gelingen angestossen.

Zwei Drittel der Wohnungen sind bereits verkauft. Baubeginn ist in zehn Tagen. Gebaut werden 7 Reiheneinfamilienhäuser sowie 12 Attika- und Etagenwohnungen. Preisspanne: 800'000 bis 1,1 Millionen Franken. Das sei «etwas teurer» als vergleichbare Wohnungen in herkömmlicher Bauweise, sagt der Architekt. Dafür werde ein Mehrwert geboten, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen dürfte.

Die Solarsiedlung gilt nicht nur als Null-Energie-Siedlung, sie wird auch mit dem Label Minergie-P-Eco zertifiziert. Minergie-P steht für einen sehr tiefen Energieverbrauch, der bei 15 Prozent eines konventionellen Gebäudes liegt.

Die grösste Herausforderung bei einem solchen Bauvorhaben sei die Gebäudehülle, sagt Projektleiterin Nadja Grischott. Es dürfen keine «Wärmebrücken» entstehen, wo die Wärme entweichen könne.

Das «Hauptgeheimnis» seien die relativ dicken Wände, verrät der Architekt. Darin verbirgt sich eine mehr als 40 Zentimeter starke Isolationsschicht. Um das Minergie-Eco-Label zu erhalten, ist eine gesunde und ökologische Bauweise erforderlich. Mit Ausnahme des Untergeschosses bestehen die Gebäude aus vorfabrizierten Holzelementen. «Alles aus der Schweiz», sagt Kämpfen. Es würden möglichst natürliche Materialien verwendet, mit geringem Leimanteil. So könne vermieden werden, dass die Luftqualität in den Räumen durch giftige Dämpfe beeinträchtigt werde.

Auf Nachfragen erklärt der Architekt, dass auch bei der «idealen» Siedlung gewisse Kompromisse nicht zu vermeiden seien. So stammt der schwarze Schiefer für die Böden nicht aus Glarus, da «unbezahlbar», und nicht aus Portugal, da «Oberfläche nicht optimal» - sondern aus Brasilien. Immerhin, fügt die Projektleiterin an, «spannen die Frachtschiffe aber Segel vor den Bug, um Treibstoff zu sparen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2008, 07:46 Uhr

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