Wie heiss ist der Güselpreis?

Adliswil hat die Abfallentsorgung zu einem Preis vergeben, der weit unter dem bisherigen liegt. Dem ortsansässigen Anbieter Bohli bleibt nur das Nachsehen.

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Wer für die nächsten sieben Jahre Adliswils Mist beziehungsweise Abfall karrt, ist nun klar: Die Arge Abfalltransporte Bezirk Horgen stellt künftig die Güselmänner, es sei denn, es gäbe bis zum Montag noch eine Einsprache. Interessant ist, zu welchem Preis. Die Offerte der Arge, der Arbeitsgemeinschaft der Lenz Transporte AG in Horgen und der Stadler Transporte AG in Langnau, liegt mit rund 676'000 Franken nur gerade 26'000 Franken über dem Angebot der Firma Steiner AG, die bei der ersten Submission von der Stadt Adliswil ausgeschlossen worden war. Grund: Die Offerte sei zu billig und könne unmöglich kostendeckend sein. Für den Ausschluss wurde die Stadt 2007 denn auch vom Bundesgericht gemassregelt.

«Man darf die beiden Zahlen nicht vergleichen», sagt Stadtrat Heinz Spälti (FDP), Gesundheits- und Umweltvorsteher. Die Stadt hätte nach dem Entscheid des Bundesgerichts die Vergabe völlig neu angegangen und den Unternehmern weniger Vorgaben gemacht. Zudem hat die Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) die Submission begleitet.

Auch wurde bei der Vergabe ganz neu gewertet: Der Preis erhielt mit neu 70 Prozent verglichen mit den 40 Prozent bei der ersten Vergabe deutlich mehr Gewicht. So sei es offensichtlicher, dass man auf das billigste Angebot einschlage. «Wir haben nämlich auch Offerten von über einer Million Franken erhalten», sagt Spälti. Ob die Rechnung für die Arge aufgehe, könne und müsse der Stadt nun egal sein. «Hauptsache, sie machen aus Adliswil kein Neapel. Wir werden aber sehr genau darauf achten, dass die Aufträge einwandfrei durchgeführt werden.» Bei der Arge will man «zu den Zahlen keine Auskunft geben».

«Wir kochen doch alle mit Wasser»

Dass mit der Vergabe an die Arge der bisherige Adliswiler Anbieter Ernst Bohli, der den Kehricht für 825'000 Franken entsorgt hat, leer ausgeht, bedauert Heinz Spälti. Man werde ihm sicher Hand bieten, wo es nötig sei. Spälti räumt aber ein, dass diese Übergangsphase die Stadt viel Geld gekostet habe.

Für Ernst Bohli sind noch einige Fragen offen. Wenn sich diese befriedigend beantworten lassen, will er den Entscheid nicht anfechten. «Ich will ja nicht partout streiten», sagt Bohli. Über den neuen Preis macht er sich jedoch Gedanken, zumal der Diesel massiv teurer geworden sei. «Wir kochen ja alle mit Wasser. Deshalb fragt sich, wo hier gespart werden kann.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.08.2008, 08:12 Uhr

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