Will keiner Kandidat sein, müssen alle mit einer Wahl rechnen

In vier Unterländer Gemeinden finden am 28. September Ersatzwahlen statt, für die es keine Kandidaten gibt. In Dänikon-Hüttikon und in Schleinikon droht jetzt der Amtszwang.

Kandidatenmangel: In der Primarschulpflege Dänikon, im Gemeinderat Schleinikon und in der Kirchenpflege Oberglatt.

Kandidatenmangel: In der Primarschulpflege Dänikon, im Gemeinderat Schleinikon und in der Kirchenpflege Oberglatt. Bild: David Baer

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Die reformierten Kirchenpflegen von Oberglatt und Rafz, die Primarschulpflege Dänikon-Hüttikon und der Gemeinderat Schleinikon haben eines gemeinsam: In allen vier Gremien sollen am 28. September neue Behördenmitglieder gewählt werden - doch niemand stellt sich als Kandidat dafür zur Verfügung.

Am grössten ist das Problem in der Primarschulpflege von Dänikon-Hüttikon, wo seit einem Jahr ein Mitglied fehlt. Bei der Ersatzwahl Anfang Juni erreichte niemand das absolute Mehr von nur 13 Stimmen. Nun wird eine Wahl mit leeren Stimmzetteln durchgeführt, bei welcher das absolute Mehr nicht mehr nötig ist: Wer am meisten Stimmen erhält, ist gewählt.

Amtszwang ist möglich

Und wer gewählt ist, muss sein Amt gemäss dem Gesetz über politische Rechte antreten: «Es besteht ein Amtszwang», erklärt Roland Wetli vom kantonalen Gemeindeamt. «Nur wer über 60 Jahre alt ist, bereits ein Amt innehat oder wichtige Gründe, etwa eine Krankheit, anführt, kann die Wahl ablehnen.» Laut Wetli kommt es aber nur selten vor, dass jemand gegen seinen Willen gewählt wird: «Schlussendlich wurden in der Vergangenheit immer alle Gemeindebehörden besetzt.»

Auch in Schleinikon sucht man einen Freiwilligen für den Gemeinderat. «Es gibt noch keinen Kandidaten», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Nicole Wildemann. Sie hofft, dass im Dorf Gespräche laufen, die noch nicht bis in die Gemeindeverwaltung gedrungen seien: «Wir lassen uns überraschen.» Immerhin bleibt der zurücktretende Gemeinderat Konrad Walder im Amt, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Anders sieht es bei den Kirchenpflegen aus: Für Ämter der Kirchgemeinde existiert gemäss Gesetz kein Amtszwang. Trotzdem hoffen aber die reformierten Kirchenpflegen von Oberglatt und Rafz, dass sie bei der bevorstehenden Wahl ihr Gremium wieder vervollständigen können. Bei beiden Gemeinden hat sich jedoch bis heute niemand zur Verfügung gestellt. Vor allem in Oberglatt dürfte sich die Wahl schwierig gestalten: Zum einen muss das seit Anfang Jahr verwaiste Präsidium wieder besetzt werden, zum anderen sucht man ein neues Mitglied für die Kirchenpflege, welche erst Ende 2007 von sieben auf fünf Mitglieder verkleinert worden war.

Gründe für die Kandidatenflaute, unter der vor allem kleinere Gemeinde leiden, untersuchte 2005 eine bei allen Schweizer Gemeindeschreibern durchgeführte Umfrage: Demnach spielen vor allem die geringe Entschädigung, die zunehmende zeitliche Belastung und das gesunkene Prestige in einem öffentlichen Amt eine Rolle. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.09.2008, 08:12 Uhr

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