Winkelwiese: Rekurs droht

Der geplante Neubau von Frank Binder an der Winkelwiese 10 verstosse gegen die Bau- und Zonenordnung der Stadt, sagen die Gegner. Bei einem Ja seien Rekurse programmiert.

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In der Altstadt hängen sie massenweise: die Transparente der Gegner der Winkelwiese-Vorlage. Sie zeigen das Neubauprojekt von Millionär Frank Binder als Monster mit leuchtend roten Augen - eine Bedrohung für das Quartier. Das überparteiliche Komitee «Winkelwiese so nicht» kritisierte an einer Medienkonferenz am Dienstag vor allem die Stadt. Diese habe diverse Vorgaben verletzt, um die Winkelwiese 10 im Baurecht an Binder abgeben zu können. So habe dieser im Gegensatz zu allen anderen Bewerbern kein Vorprojekt eingereicht - und dennoch gleich als Meistbietender den Zuschlag erhalten. Auch danach hätten für Binder eigene Regeln gegolten. So dürfe er das denkmalgeschützte Gartenhaus aufstocken, einen Zufahrtsweg durch den Garten bauen und bekomme plötzlich auch noch eine neben dem Grundstück liegende Wegparzelle zugesprochen.

Alt-Kantonsrat Jürg Peyer (FDP) setzte zudem ein grosses Fragezeichen hinter die Bewilligungsfähigkeit von Binders Projekt. Er zitierte hierzu einen Entscheid des Verwaltungsgerichts vom Februar, dass bei Ersatzbauten in der Altstadt das bisherige Gebäudeprofil eingehalten werden müsse - im Falle Binders also dasjenige der Villa Landolt. Der geplante Neubau hingegen sprenge diesen Rahmen deutlich; bei einem Ja zur Vorlage seien Rekurse programmiert. Mit grossen Erfolgschancen, wie Peyer glaubt: «Die Bestimmungen lassen keine Ausnahme im Interesse der Staatskasse oder zugunsten eines guten Steuerzahlers zu.»

Das Binder-Projekt stehe zudem in krassem Widerspruch zum stadträtlichen Legislaturziel «Nachhaltige Stadt Zürich», argumentierte Andreas Kyriacou, Kopräsident der Grünen im Kreis 1. Nachhaltig sei das Binder-Projekt in keiner Weise. Die für zwei Personen geplante Villa mit 1400 Quadratmeter Bruttogeschossfläche beanspruche allein für den Wellnessbereich 400 Quadratmeter. Der Energieverbrauch pro Kopf sei riesig. «Es ist nicht Aufgabe der Stadt, derart masslose Projekte auf ihrem eigenen Grund und Boden zu ermöglichen und aktiv zu fördern», sagte Kyriacou.

Gemeinderätin Jacqueline Badran (SP) zeigte sich «befremdet und abgestossen» von der «Mass- und Rücksichtslosigkeit» von Binders Projekt. In Frage stellte sie auch das Argument der Befürworter, dass mit der Vergabe des Baurechts an Binder Steuereinnahmen gesichert würden. Binder stelle vielmehr ein Klumpenrisiko dar, da er einfach wegziehen könne. Der Bau eines Vierfamilienhauses im gehobenen Segment hingegen würde mehrere gute Steuerzahler anziehen, das Risiko minimieren und besser ins Quartier passen. Abgestimmt wird am 28. September. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2008, 16:09 Uhr

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