Zolliker Schüler kommen unter die Haube

Schulklassen machen bei einer Studie zum Bewegungsverhalten mit. Dafür lassen sie sich gründlich untersuchen und tragen einen Bewegungsmesser.

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Sabrina ist mutig. Vor allen Schaulustigen legt sie sich auf den Schragen und lässt sich ohne Widerrede eine grosse durchsichtige Plastikhaube aufsetzen. «Ist dir wohl?», fragt der Kamermann der lokalen Fernsehstation. «Nicht so», antwortet Sabrina durch den Plastik, mag aber noch lächeln.

Die Szene spielt sich nicht etwa in einem Krankenhaus ab, sondern in einem sieben Meter langen Lastwagenanhänger, der auf dem Pausenplatz des Zolliker Schulhauses Buchholz parkiert worden ist. Der mit hochmodernen Mess- und Trainingsgeräten ausgestattete Anhänger ist das Herzstück eines Projektes zur Förderung der Bewegungslust und zur Prävention von Übergewicht bei Schulkindern. Das vom Pädiatrisch-Endokrinologischen Zentrum Zürich (PEZZ) entwickelte Mobil wurde gestern in Zollikon erstmals der Öffentlichkeit präsentiert – mit der Assistenz von Schülerin Sabrina. Selbst das Fernsehen ist vor Ort.

Die Ausgangslage ist folgende: Kinderarzt Urs Eiholzer, Leiter des PEZZ, und sein Team forschen seit Jahren in den Bereichen Wachstums- und Pubertätsentwicklung, Appetitregulation sowie in Fragen des Leistungssports bei Kindern und Jugendlichen. «Ich vertrete die These, dass Menschen, die mit gezieltem Krafttraining stimuliert werden, sich auch in der übrigen Freizeit mehr bewegen», sagt Eiholzer und nennt die Begriffe Spontanbewegung und Bewegungslust.

Schon Tests mit Eishockeyspielern

In Anbetracht des gesellschaftlichen Problems der zunehmenden Übergewichtigkeit und Bewegungsarmut der Bevölkerung – nicht nur der Kinder – ist dies ein interessanter Ansatz. Eiholzer hat bereits mit Junioren der Eishockeyvereine ZSC und GCK Lions Untersuchungen zur Erhärtung seiner These angestellt. Nun sind die Zolliker Schulkinder dran.

Im Projekt, das nächsten Montag anläuft, werden zunächst im Bewegungsmobil die Schüler des Schulhauses Buchholz auf ihre Fitness geprüft. Unter anderem wird mit Kraftübungen die Muskelkraft gemessen, mit einem Hightech-Scanner die Zusammensetzung des Körpers, respektive die Anteile an Fett und Muskulatur, ermittelt. Und mit der Glocke, die sich Sabrina bei der Präsentation übergezogen hat, wird der Sauerstoff- und daraus der Energieverbrauch gemessen.

Danach wird die Schülerschaft in zwei Gruppen eingeteilt. Bei der einen wird der Turnunterricht mit spezifischem und auf jedes Kind zugeschnittenem Muskelaufbautraining ergänzt. Bei der anderen Hälfte bleibt die Gymnastik diesselbe. Und dies während einer Zeitspanne von drei Monaten. Um den Versuch messbar zu machen, werden die Kinder am Anfang und am Ende des Projekts mit einer Art Schrittzähler ausgestattet. Einem Gerät, welches sie vom Aufstehen bis zum Zu- Bett-Gehen umgeschnallt haben und das alle ihre Bewegungen im Alltag misst.

Schrittmesser, Körper-Scan

Ist die Versuchszeit abgelaufen, kehrt das Bewegungsmobil auf den Zolliker Pausenplatz zurück, und die Kinder müssen im Lastwagenanhänger noch einmal auf den Prüfstand. Jedes Kind erhält dann eine eigene Trainingsbilanz aus den Werten vor und nach dem Projekt. «Die gesamte Studie wird von einem Ethikrat begleitet, und die Kinder nehmen nur mit Einwilligung der Eltern teil», stellt Eiholzer klar.

Der Forscher und sein Team sind überzeugt: Die Kinder mit angepasstem Turnunterricht werden sich auch in der Freizeit mehr bewegt haben. «Der Beweis wäre einerseits wissenschaftlich hochinteressant, andererseits würde er praktische Handlungsansätze aufzeigen», erklärt Eiholzer. So müsste zum Beispiel der Turnunterricht neu konzipiert werden. Zollikon ist die erste Gemeinde, in der das Bewegungsmobil des PEZZ haltmacht. Noch sind keine weiteren Stationen vorgesehen, doch Eiholzer ist zuversichtlich, dass noch weitere Partnerschaften mit Schulen entstehen werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2008, 14:05 Uhr

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