Zwei Oberländer Love-Mobiles an der Street Parade

An der grössten Technoparty der Schweiz fahren zwei Oberländer Love-Mobiles mit. Die Raver aus Hinwil und Greifensee wollen das Zürcher Publikum erobern.

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Ein Schiff auf Rädern – das hat es selbst an der grössten Technoparty der Schweiz noch nie gegeben. Die Pirates-Bar aus Hinwil wird mit diesem Schiff an der Street Parade ihre Premiere feiern. Und wie es die Piratenmanier vorschreibt, stechen die Kapitäne mutig und furchtlos in die raue und stürmische See. Die Vorbereitungen sind nebst Vorfreude auch von Anspannung und Ungewissen geprägt. «Es ist sehr schwierig, abzuschätzen, ob und wie unser Wagen ankommen wird. Aber eines war von Anfang an klar: Wenn wir an die Street Parade gehen, dann muss es mit einem Schiff sein», sagt der Mitinhaber des Pirates, Patrick Hofstetter.

Anlass als Publicity-Plattform

Wie die Bar soll auch der Wagen an der Street Parade durch und durch im Piratenlook daherkommen. Eine Schreinerei liefert die Holzverkleidung, Papierfetzen schiessende Kanonen sowie ein Feuerspucker sollen dem Publikum zusätzlich einheizen. «Wir sehen das ganze als Gag – wir haben schon immer eher extravagante Dinge gemacht, wieso nicht auch mal als Piraten an die Street Parade?», fragt Hofstetter. Wenn sich der gewünschte Erfolg nicht einstelle, hätten sie zumindest Spass gehabt, ihr Lokal einem breiten Publikum zu präsentieren.

Aus diesem Grund ist die Street Parade marketingtechnisch ein Glücksfall. «Das Beste wäre ja, wenn wir mit unserem Schiff in den Nachrichten kämen», sagt Hofstetter lachend. Auch der Geschäftsführer Patrick Egg ist positiv eingestellt und freut sich auf die bevorstehende Parade: «Für uns ist es gute Werbung. Wenn wir dabei noch Spass haben, umso besser.»

Wer als Gast mit auf dem Wagen fahren will, muss sich selbstverständlich als Pirat verkleiden – und sich wägen lassen. Das Ticket kostet nämlich 2.50 Franken pro Kilogramm Körpergewicht. Ein bisschen harzig sei der Vorverkauf der Tickets jedoch schon verlaufen, wird eingeräumt. «Es ist halt schwierig, die sonst Rockmusik hörenden Besucher an eine Technoparade zu locken», sagt Hofstetter. Doch auch hier ist er zuversichtlich: «Wir werden bis zum letzten Tag vor der Parade Tickets verkaufen, so wird der Wagen bestimmt voll.» Und damit es für die Gäste nicht allzu fremd klingt, werden auf dem Wagen Technoversionen von Rockliedern gespielt.

Ganz anders zu und her geht es auf dem zweiten Oberländer Love-Mobile, das aus Greifensee kommt. Seine Organisatoren sind zum fünften Mal an der Parade. Angefangen hat alles, als vor fünf Jahren kurzfristig ein Platz in der Wagenschlange frei wurde. Die Technobegeisterten aus dem Städtchen nutzten die Chance und organisierten in nur zwei Wochen einen Lastwagen, schmückten ihn, buchten DJs und boten Gäste auf.

Zum dritten Mal ist dieses Jahr Simone Untersee Chefin des Wagens. Die 25-jährige Greifenseerin ist die einzige Frau überhaupt, die Chefin eines Love-Mobile an der Street Parade ist. Probleme damit hat sie aber nicht: «Klar ist es nicht immer einfach, sich gegen die Männer durchzusetzen. Aber eine Frau zu sein, kann durchaus auch Vorteile haben», sagt Untersee und lacht. Obwohl sie die Organisation mit viel Eifer und Freude vorantreibt, sei es trotzdem kein Zuckerschlecken. Ungefähr hundert Stunden Arbeit steckt sie in die Vorbereitungen, die seit März laufen. Und alles wird in der Freizeit erledigt, da sie und ihr Mitorganisator Christian Pfister aus Greifensee beide auch noch voll arbeiten. «Wir tun es aus Leidenschaft. Wenn wir nicht selber begeistert von der Street Parade wären, würden wir das nicht durchstehen», sagt Untersee. Profit daraus schlagen werden sie nicht, im Gegenteil, es sei mit einem Verlust zu rechnen. Doch auch hier zahle sich die Erfahrung aus, jedes Jahr werde das Minus etwas kleiner und der Lastwagen ein bisschen grösser. «Da man uns jetzt schon kennt, kommen jedes Jahr mehr Leute auf unseren Wagen», erzählt Untersee.

Warten auf den Start

Doch wie bei den Piraten aus Hinwil sind auch die Greifenseer eher Exoten an der Parade. Schliesslich spielen sie nicht die gewohnte Technomusik, sonder eine Unterart aus England namens UK Garage. Diese Art von Musik ist nicht sehr weit verbreitet in der Schweiz, die Anhängerschaft nicht so gross. Auch für diesen Wagen sind noch Tickets erhältlich. «Wir haben aber jedes Jahr unsere Stammgäste», erzählt die Wagenchefin. Diesen werden dann besondere Leckerbissen geboten – jedes Jahr fliegen die Greifenseer die bekanntesten und besten DJs der Szene eigens für die Street Parade ein. Trotz immensem Aufwand freuen sich Simone Untersee und Christian Pfister auf die Parade. Simone Untersee: «Sobald sich der Wagen bewegt und die Musik aus den Boxen dröhnt und es endlich losgeht, weiss man, dass sich jeder Aufwand gelohnt hat.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.08.2008, 09:09 Uhr

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