Ausland

8 Tage unter Trümmern – Bub in Haiti lebend geborgen

Aktualisiert am 22.01.2010

In der von Erdbeben verwüsteten Stadt Port-au-Prince geschehen immer noch kleine Wunder. Und nicht nur ein 5-jähriger Junge hatte grosses Glück.

1/39 Bei der Verteilung von Lebensmitteln gibts chaotische Szenen.
Bild: Keystone

   

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Glückskette organisiert Sammeltag

Die Glückskette hat am Donnerstag einen nationalen Sammeltag zugunsten der Opfer des Erdbebens auf Haiti gestartet. Seit 6 Uhr früh bis Mitternacht können über die Gratis-Telefonnummer 0800 87 07 07 Spenden angemeldet werden.

Spenden sind auch über das Internet, auf das Postkonto 10-15000-6 (Vermerk «Haiti») oder per SMS möglich. Innerhalb einer Stunde erhielt die Glückskette am Donnerstagmorgen bereits Spendezusagen von knapp 1,2 Millionen Franken.

Glückskette-Sprecher Roland Jeanneret äusserte sich in einer ersten Reaktion erfreut über die Spendebereitschaft der Schweizerinnen und Schweizer: Die Aktion sei gut angelaufen, sagte er gegenüber Radio DRS.

Der Spendenaufruf geschieht in enger Zusammenarbeit mit 16 Partnerhilfswerken, wie die Glückskette mitteilte. Diese seien zum Teil seit Jahren vor Ort tätig und könnten nun mit ihren lokalen Partnern schnell reagieren.

Wie die US-Hilfsorganisation International Medical Corps (IMC) mitteilte, wurde der Junge nach der Rettung am Mittwoch von Helfern der Organisation versorgt. Er habe an Austrocknung gelitten, sei aber sonst unverletzt, sagte eine Sprecherin, Margaret Aguirre.

Ein Onkel des Jungen habe Ärzten und Schwestern der Organisation berichtet, dass Verwandte den Fünfjährigen nach einwöchiger Suche in den Trümmern seines Elternhauses gefunden hätten, sagte Aguirre. Die Verwandten des Jungen wollten demzufolge einen Toten aus den Trümmern bergen. Plötzlich hätten sie jemanden «hier bin ich, hier bin ich» rufen gehört.

Weitere Bergungen

Auch ein elfjähriges Mädchen wurde noch lebend gefunden. «Es ist ein wahres Wunder, sie kommt Stück für Stück zurück ins Leben», sagte die Ärztin Dominique Jean. «Ihre Nieren funktionieren, sie bekommt Salzwasser gegen die Dehydrierung und langsam wieder ein wenig zu essen», sagte sie. Erst am Mittwoch wurden zwei Frauen und ein Baby lebend aus den Trümmern geborgen.

Die Hoffnung, weitere Überlebende in den Trümmern eingestürzter Gebäude zu finden, schwindet jedoch immer mehr, wenngleich die vielen internationalen Rettungsteams auch in der Nacht zum Donnerstag die Suche mit Spürhunden und Detektoren fortsetzten.

Starkes Nachbeben

Ein starkes Nachbeben hat am Mittwochmorgen die Menschen im Katastrophengebiet in Panik gestürzt und das Elend noch vergrössert. Tausende rannten schreiend ins Freie, zahlreiche zerstörte Gebäude stürzten endgültig ein.

Ob dem Nachbeben weitere Menschen zum Opfer fielen, war zunächst unklar. Bei dem Beben der Stärke 7,0 vom 12. Januar kamen bis zu 200'000 Menschen ums Leben, rund 250'000 wurden verletzt, 1,5 Millionen obdachlos.

Bis zu 16'000 US-Militärs

Die USA schicken unterdessen weitere 2000 Soldaten nach Haiti. Drei Schiffe voller Soldaten, die am Montag Richtung Afrika in See gestochen waren, seien nach Haiti umgeleitet worden, teilte die US-Marine am Mittwoch mit. Die Schiffe sollten auf dem Weg in den Karibikstaat weitere Soldaten an Bord nehmen, so dass letztlich 2000 Marineinfanteristen und 2000 Matrosen nach Haiti fahren würden. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums befinden sich derzeit bereits 11'500 US-Militärbedienstete in Haiti oder auf Schiffen vor der Küste des Karibikstaats. Ihre Zahl solle bis Ende der Woche auf 16'000 steigen. (cpm/ddp)

Erstellt: 22.01.2010, 09:43 Uhr

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