80 Minuten lang sagte er kein Wort
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Nach einem sechsstündigen Kreuzverhör im Kongress haben sich US-Politiker unzufrieden mit der Auskunftsbereitschaft von BP-Chef Tony Hayward gezeigt. Dieser habe in der Anhörung am Donnerstag in Washington die ganze Zeit «gemauert», sagte der Vorsitzende des Energieausschusses Henry Waxman.
Hayward habe nicht eine Frage richtig beantworten wollen und klare Detailangaben zu den Auslösern der Katastrophe vermieden, sagte der demokratische Abgeordnete. «Bei allem Respekt, ich glaube, Sie wollen sich aus der Affäre ziehen, Mr. Hayward», konstatierte der Republikaner Phil Gringrey während der Sitzung.
«Extreme Risiken in Kauf genommen»
Der BP-Chef müsse schlimmstenfalls mit einem «goldenen Handschlag daheim in England» rechnen, sagte Sitzungspräsident Bart Stupak. «Wir in Amerika hingegen müssen mit den schrecklichen Folgen der Missachtung leben, die BP gegenüber Sicherheitsbestimmungen gezeigt hat.» Der Abgeordnete Henry Waxman warf Hayward vor, an der Sicherheit gespart zu haben. «Unter ihrer Führung hat BP extreme Risiken in Kauf genommen», sagte er zu Hayward.
Tony Hayward sass die ersten achtzig Minuten mit rotem Kopf regungslos da, während die Mitglieder des Ausschusses ihn mit zahlreichen Vorwürfen eindeckten. Der BP-Konzernchef betonte danach mehrfach, es sei zu früh, um aus dem Sinken der Bohrinsel «Deepwater Horizon» vor acht Wochen Schlussfolgerungen zu ziehen, da die Untersuchungen des Vorfalls noch liefen. Er könne keine Auskünfte darüber machen, was auf der Plattform vor dem Unfall passierte, weil er damals an den Entscheidungen nicht beteiligt gewesen sei. Es gebe jedoch keine Beweise, dass BP leichtsinnig gehandelt habe, sagte der Brite.
Es war Haywards erster Auftritt vor dem Kongress seit Beginn der Ölpest im Golf von Mexiko. Er nutze ihn, um sich zu entschuldigen. «Ich war persönlich absolut erschüttert», sagte er. Die Sicherheit bei Tiefseebohrungen müsste deutlich verbessert werden. «Ich kann nicht abstreiten, dass es noch viel zu tun gibt.»
Mitglieder im Ausschuss des Repräsentantenhauses warfen Hayward in scharfen Worten vor, Berichte über Sicherheitsprobleme auf der Bohrinsel ignoriert zu haben. Ausserdem habe BP falsche Angaben über das Ausmass des Ölaustritts ins Wasser gemacht.
Republikaner vergriff sich im Ton
Für einen öffentlichen Aufschrei sorgte der Abgeordnete Joe Barton, als er sich bei Hayward für die «Politisierung der Krise» entschuldigte. Er sei «beschämt» darüber gewesen, wie US-Präsident Barack Obama die BP-Führungsriege am Vortag zu einem Treffen zitiert hätte, sagte der Republikaner. Nach massiver Kritik aus dem Weissen Haus nahm Barton seine Aussage zurück.
Zeitgleich zur Anhörung konnte BP Fortschritte beim Kampf gegen die Ölpest vermelden. Die beiden Entlastungsbohrungen, mit denen das Austreten des Öls vermutlich im August gestoppt werden kann, kämen schneller voran als gedacht.
Die erste Bohrung könne bereits in drei bis vier Wochen abgeschlossen sein, sagte der Küstenwachen-Admiral Thad Allen. Dann könne der Konzern beginnen, Schlamm in die Quelle zu leiten, um sie zu verschliessen. Allerdings sei die Operation sehr schwierig. (jak/sda)
Erstellt: 18.06.2010, 06:26 Uhr
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