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Das masslose Privileg der USA

Im Währungsgeschäft herrscht Umbruchstimmung. Verliert der schwache Dollar seine Position als globale Leitwährung?

Leidet unter einer strukturellen Schwäche: Der US-Dollar.

Leidet unter einer strukturellen Schwäche: Der US-Dollar. Bild: Keystone

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Diese Woche treffen sich die Finanzminister und Notenbanker der G-20 in Paris. Zuoberst auf der Traktandenliste steht dabei Grundsätzliches: Hat der Dollar als globale Leitwährung ausgedient? Oder ist es an der Zeit, dass die Amerikaner dieses «masslose Privileg» verlieren, wie es der ehemalige französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing einst formulierte?

Das masslose Privileg der USA besteht eigentlich aus drei Unterprivilegien. Das erste ist die sogenannte Seigniorage. Die Herstellung einer 100-Dollar-Note kostet die US-Notenbank ein paar Cents, doch alle anderen müssen dafür den gesamten Gegenwert in Gütern oder Dienstleistungen aufbringen. Derzeit zirkulieren Dollarnoten im Wert von rund 500 Milliarden ausserhalb von Nordamerika, für die der entsprechende Gegenwert geleistet werden musste. Bei einer 14-Billionen-Dollar schweren Volkswirtschaft ist das aber bloss ein netter Zustupf, mehr nicht. Das zweite Teilprivileg besteht darin, dass sich die USA billig verschulden können, weil ihre Staatsanleihen von den Notenbanken dieser Welt als Reserve gehalten werden. Schliesslich können sich amerikanische Unternehmen teure Absicherungsgeschäfte ersparen, weil die meisten Rohstoffe und Handelsgüter in Dollar abgerechnet werden und Währungsschwankungen deshalb kaum von Bedeutung sind.

Qualitäts- für Finanzprodukte

Als Gegenleistung für ihr Privileg stellen die USA den anderen Ländern einen liquiden und sicheren Finanzmarkt zu Verfügung. Dollar und US-Staatsanleihen kann man jederzeit und ohne Einschränkungen tauschen und handeln. Der Markt ist zudem so riesig, dass ihn niemand manipulieren kann. Schliesslich waren die Amerikaner bisher immer vorbildliche Schuldner, die ihren Verpflichtungen nachgekommen sind. Der Finanzprofessor Barry Eichengreen bezeichnet in seinem Buch «Exorbitant Privileg» den Deal der USA mit dem Rest der Welt wie folgt: «Sie verkaufen uns Qualitätsprodukte, wir verkaufen ihnen qualitativ hochstehende Finanzprodukte.» Lange waren beide Seiten mit dem Deal zufrieden, doch die Finanzkrise hat dies verändert. Jetzt heisst es, zumindest auf China bezogen: «Sie verkaufen uns giftiges Spielzeug, und wir geben ihnen dafür giftige Wertpapiere.»

Nicht nur die Finanzkrise hat dem Dollar als Leitwährung zugesetzt, er leidet auch unter einer strukturellen Schwäche, dem «Triffin-Dilemma». Der Ökonom Robert Triffin hat schon 1947 in einer berühmten Studie gewarnt, dass jede Leitwährung früher oder später in Schwierigkeiten gerät. Die Notenbank des herausgebenden Staates muss die Welt mit ihrer Währung überschwemmen, um so die Wirtschaft anzukurbeln. Genau diese Geldflut führt jedoch dazu, dass das Vertrauen in diese Währung schwindet. Zum ersten Mal wurde der Dollar 1971 vom Triffin-Dilemma getroffen, als der damalige Präsident Richard Nixon sich weigerte, weiterhin Dollars zu einem fixen Kurs gegen Gold einzutauschen. Jetzt ist der Greenback wieder in Nöten. Die Geldschwemme der US-Notenbank hat zu einem massiven Kurssturz des Dollar und zu einem Vertrauenseinbruch geführt.

Es wird noch eine Weile dauern

Hauptsächlich die Chinesen sind unglücklich. Sie sitzen auf einem Berg an Dollarreserven von unglaublichen 2850 Milliarden und verlieren mit der Entwertung der US-Währung Unsummen. Wie die Franzosen in den Sechzigerjahren beklagen sie sich über das Dollarprivileg der Amerikaner. Die Chinesen sind sogar im Begriff, ihren Renminbi Schritt für Schritt zu einer Leitwährung auszubauen. Sie kaufen Staatsanleihen von Defizitsündern wie Portugal und Griechenland, und auf dem Finanzplatz Hongkong werden Tests durchgeführt, wie man die chinesische Währung frei umtauschbar machen könnte. Bis China jedoch einen liquiden Markt wie die USA anbieten kann, wird es noch eine Weile dauern. Allen Unkenrufen zum Trotz wird der Dollar nicht so schnell seine Position als Leitwährung verlieren. Auch der Euro, ein weiterer Anwärter, befindet sich derzeit ja in einem schweren Formtief. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 16.02.2011, 11:22 Uhr)

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