Attacke auf den Greenback – USA wittern Verschwörung

Der jüngste Angriff aus Peking auf den Dollar als Weltleitwährung weckt in den USA bizarre Ängste. Bei den kolportierten Verschwörungstheorien kommt auch der Schweiz eine Rolle zu.

Dollar nicht mehr Weltleitwährung: Für US-Amerikaner unvorstellbar.

Dollar nicht mehr Weltleitwährung: Für US-Amerikaner unvorstellbar.

Der Aufruhr begann mit dem lauten Nachdenken des chinesischen Notenbankchefs: Man müsse erwägen, so Xiaochuan Zhou am vorletzten Montag, ob der Dollar als internationale Reservewährung nicht abgelöst werden solle durch eine neue Reserveeinheit, die auf den Sonderziehungsrechten des IWF basiere – was Gefahren für die wirtschaftliche Vormachtstellung der Vereinigten Staaten bedeuten würde. Der Vorstoss des roten Bankers sorgte in Washington umgehend für Unruhe, besonders bei der Republikanischen Partei.

Wer spricht da von Abschaffung?

Obschon Präsident Obama Zhous Idee ablehnte, legte die republikanische Kongressabgeordnete Michelle Bachmann sofort einen Verfassungszusatz vor: «Der Präsident», heisst es darin, «darf keinen Vertrag und keine internationale Vereinbarung unterzeichnen, welche die Vereinigten Staaten verpflichten würde, eine von einer anderen Organisation ausgegebene Währung einzuführen».

Inzwischen unterstützen bereits 30 republikanische Abgeordnete den Antrag, wenngleich weder Zhou noch sonst jemand jemals die Abschaffung des Dollars als amerikanisches Zahlungsmittel befürwortet hat. Bevor sie ihre Vorlage einbrachte, hatte Bachmann sowohl von Finanzminister Tim Geithner als auch Zentralbankchef Ben Bernanke bei einer Anhörung im Kongress ein Bekenntnis zum Dollar verlangt – und erhalten.

Goldreserven und die Schweiz

Dabei werden innerhalb der amerkanischen Nachrichtendienste durchaus Szenarien diskutiert, wie feindliche Mächte den Dollar vor dem Hintergrund der schweren Weltwirtschaftskrise aus den Angeln heben und dadurch der amerikanischen Wirtschaft schwerste Schäden zufügen könnten.

So präsentierte etwa der renommierte Finanz- und Sicherheitsexperte James Rickards beim «Unrestricted Warfare Symposium» der Johns Hopkins Universität vergangene Woche ein Papier, das den Zuhörern, darunter Mitarbeiter von US-Diensten, den Schweiss auf die Stirn trieb. Rickards zeichnete ein Szenario, bei dem Russland, gestützt auf in die Schweiz transportierte Goldreserven, über Nacht einen «Reservedollar» ins Leben rufe, dessen Ziel es sei, den Wert der amerikanischen Währung um 75 Prozent zu mindern, um die US-Wirtschaft ins Chaos zu stürzen.

«Eine Grosse Depression»

Rickards ist beileibe kein Spinner: Er hat eine lange und illustre Wallstreet-Karriere hinter sich und arbeitet beim angesehenen Omnis-Forschungsinstitut als Experte für die Verknüpfung von Finanz und Wirtschaft mit Fragen der nationalen Sicherheit – weshalb er unter anderem den Chef aller amerikanischen Dienste, Admiral Dennis Blair, berät.

Bereits im Dezember hatte Rickards bei einem Vortrag vor Pentagon-Grössen vor einer politische motivierten Attacke auf den Dollar gewarnt: Stiegen Zentralbanken und Investoren weltweit auf Grund einer neuen internationalen Reservewährung aus dem Dollar aus, drohe den USA «eine Grosse Depression oder noch Schlimmeres.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.04.2009, 10:58 Uhr

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