BP finanziell am Anschlag
Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 09.06.2010
Die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko kommt den britischen Ölkonzern teuer zu stehen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass die Aufräumarbeiten und die Entschädigungszahlungen sich auf 33 Milliarden Dollar summieren werden. Die Kosten dürften über mindestens zehn Jahre hinweg anfallen, aber kurzfristig werden sie wohl die finanziellen Reserven des Konzerns sprengen und ihn dazu zwingen, die Dividende in den kommenden zwei Quartalen auszusetzen und anschliessend um knapp 30 Prozent zu senken.
BP (BPAM 5.073 -0.47%) wird auch am stärksten von den absehbar verschärften Vorschriften über Tiefseebohrungen in den USA betroffen. Der Konzern hält zwölf Prozent seiner Reserven im Golf von Mexiko, während die anderen europäischen Ölfirmen weniger als vier Prozent ihrer Vorräte vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana fördern.
Busse an Fischer
Die Schätzung von Goldman Sachs entspricht in etwa jener der Credit Suisse, die zu einem früheren Zeitpunkt bereits davon ausging, dass BP mit Aufräumkosten von 23 Milliarden Dollar und zusätzlich 15 Milliarden an Bussen sowie Entschädigungsforderungen von Fischern und der Fremdenverkehrsindustrie rechnen muss.
Das Beispiel von Exxon allerdings zeigt, dass die Bussen kaum abzuschätzen sind. Für das Auslaufen von 40'000 Tonnen Rohöl aus dem Tanker Exxon Valdez, der 1989 vor Alaska leckschlug, wurde der US-Konzern zunächst mit 5 Milliarden Dollar gebüsst. Doch Exxon erzwang auf dem Gerichtsweg schliesslich eine Reduktion der Busse auf noch 507,5 Millionen Dollar. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.06.2010, 23:44 Uhr
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