Bizarrer Streit um Obamas Geburtsurkunde
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 24.02.2009 11 Kommentare
Die Paranoia der republikanischen Gaga-Fraktion geht weit, sehr weit. Barack Obama erfülle nicht einmal das Verfassungsgebot, wonach ein Präsident in den Vereinigten Staaten geboren sein müsse. Ausserdem sei der Mann ein verkappter Sozialist, ja womöglich trotz aller gegenteiligen Beweise ein Muslim, der Terroristen Tür und Tor öffne.
Den Reigen eröffnete vergangene Woche der erzkonservative schwarze Republikaner Alan Keyes, der 2004 das Senatsrennen in Illinois gegen Obama verloren hatte. Ihm wie anderen Rechten war die Verabschiedung von Obamas massivem Konjunkturpaket schwer auf den Magen geschlagen. Der Präsident, ereiferte sich Keyes, sei «ein radikaler Kommunist», der «das Land zerstören» werde. «Entweder stoppen wir ihn oder es wird die Vereinigten Staaten von Amerika bald nicht mehr geben», blies er zum Halali.
Gar nicht im Land geboren
Überhaupt habe Obama kein Recht, sich im Weissen Haus auszubreiten, da er ja nicht im Lande geboren sei, befand der rabiate Keyes und wiederholte damit Unsinn aus dem Wahlkampf, wonach Obama in Kenya auf die Welt gekommen und deshalb für das Amt nicht qualifiziert sei. Dass der vermeintliche Usurpator bereits vor Monaten seine Geburtsurkunde publizierte, aus der hervorgeht, dass er das Licht der Welt in Hawaii erblickte, wird ignoriert. Der republikanische Senator Richard Shelby aus Alabama äusserte kürzlich Zweifel an der hawaiianischen Geburt des Präsidenten.
Und hatte der konservative TV-Talker Sean Hannity des Präsidenten Konjunkturprogramm bereits vor Wochen als Euro-Sozialismus verdammt, so sinnierte am Wochenende auch South Carolinas republikanischer Gouverneur Mark Sanford düster über die Ära Obama als Wiederauflage von Sowjets und Weimarer Republik.
Heraufziehender Bürgerkrieg
Um den kommenden Volksaufstand unter Führung zorniger weisser Männer gegen Obama auszuloten, liess TV-Moderator Glenn Beck, wie Hannity ein Schwafler bei Rupert Murdochs Fox-TV, einen Ex-Armeeangehörigen sowie einen ehemaligen CIA-Mann zu Wort kommen. Und prompt tropfte denen Apokalyptisches von den Lippen. Von Beck dazu angestiftet, befasste sich das letzte Häuflein der Aufrechten im Rahmen eines «Kriegsspiels» gar mit dem heraufziehenden amerikanischen Bürgerkrieg.
«Wir sind bereits auf den Weg dahin», intonierte Beck, den Sieg beim zweiten amerikanischen Bürgerkrieg werde freilich das «Volk» davontragen: Gewiss werde sich die amerikanische Armee Obamas Befehl, den Aufstand niederzuschlagen, widersetzen und die Seite des «Volks» ergreifen, tröstete Beck sich und die Seinen. Wow! (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.02.2009, 10:40 Uhr
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11 Kommentare
Es reicht nicht, solche Spinner lächerlich zu machen. Was die herumposaunen, meinen sie mit Sicherheit ernst. Deshalb sollte man sie unter ständiger Beobachtung halten und den Präsidenten umsichtig vor ihnen schützen. Potenziell noch höhere Gefahr droht ihm vermutlich von Kreisen, die seine Massnahmen nicht billigen, ihre Ansichten und Pläne aber nicht im Fernsehen ausbreiten. Antworten
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