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Bolivianer lehnen vierte Amtszeit für Morales ab

Gemäss Hochrechnungen wird Evo Morales auf eine weitere Amtszeit verzichten müssen. Der volksnahe bolivianische Präsident war zuletzt durch Skandale aufgefallen.

Wechsel an Boliviens Regierungsspitze in Sicht: Ein Aymara-Indianer wirft seinen Stimmzettel in die Urne. (Jesus de Machaca, Bolivien, am 21. Februar 2016)

Wechsel an Boliviens Regierungsspitze in Sicht: Ein Aymara-Indianer wirft seinen Stimmzettel in die Urne. (Jesus de Machaca, Bolivien, am 21. Februar 2016) Bild: Juan Karita/AP/Keystone

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Boliviens Präsident Evo Morales hat ein Referendum um die Möglichkeit einer weiteren Amtszeit laut ersten Prognosen verloren. Nach Auszählung von 23 Prozent der Wahlstationen hatten in der Nacht zum Montag 67 Prozent der Wähler den Vorstoss zurückgewiesen.

Der Chef der Beobachtermission der Organisation Amerikanischer Staaten und frühere Präsident der Dominikanischen Republik, Leonel Fernández, sagte, das Verfassungsreferendum sei «normal und friedlich» verlaufen.

Erster indigener Präsident Boliviens

Rund sechs Millionen Einwohner des südamerikanischen Landes waren zu der Abstimmung aufgerufen. Sie sollten entscheiden, ob Morales im Jahr 2019 für eine vierte Amtszeit kandidieren darf.

Morales kam 2006 als erster indigener Politiker an die Spitze des Andenstaats und wurde anschliessend zwei Mal im Amt bestätigt. Für ein weiteres Mandat ist eine Verfassungsänderung erforderlich, bislang sieht die Verfassung nur zwei Amtszeiten vor. Morales' erste Wahlperiode wird nicht mitgezählt, weil die Verfassung damals in der aktuellen Form noch nicht in Kraft war.

Begünstigung und Brandanschlag

Morales machte sich in der Bevölkerung zuletzt durch diverse Affären unbeliebt. Der 56-jährige Präsident soll seine Ex-Freundin, die 28-jährige Gabriela Zapata, begünstigt haben. Zapata gehört zur Führungsriege des chinesischen Unternehmens CAMC, das mit der Regierung Boliviens Verträge in einem Wert von mehr als 500 Millionen Euro abgeschlossen hat.

Probleme bereitete ihm zudem auch ein tödlicher Brandanschlag auf das oppositionell regierte Rathaus von El Alto, für den Anhänger seiner Partei verantwortlich gemacht wurden.

Ruf als unbestechlicher Kämpfer

Bisher war Morales sehr beliebt. Bei seiner Wiederwahl im Jahr 2014 bekam der erste indigene Regierungschef Boliviens etwa 60 Prozent der Stimmen. Noch vor wenigen Wochen schien das Referendum daher reine Formsache zu sein. Die Enthüllungen um die einstige Affäre könnten Morales nun aber einen Strich durch die Rechnung machen. Denn seinen politischen Erfolg hatte er ganz wesentlich seinem Ruf als unbestechlicher Kämpfer für die Rechte der Armen zu verdanken. Dass auch er in Mauscheleien verstrickt sein könnte, ist für viele Bolivianer ein Schock.

Inoffizielle, stichprobenartige Auswertungen zweier Marktforschungsunternehmen prognostizierten ein am Ende äusserst knappes Rennen. Ipsos-Apoyo zufolge stimmten 52 Prozent gegen Morales' Vorstoss und 48 dafür. Die Firma hatte dafür die abgegebenen Stimmzettel in jeder 15. Wahlstation ausgewertet. Das Institut Equipos Mori sagte eine Niederlage von Morales mit 49 zu 51 Prozent voraus. (chi/AFP)

(Erstellt: 22.02.2016, 07:27 Uhr)

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