«Bullshit. Ich glaube, wir machen einen Fehler»
Quelle: ABC / Youtube.
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«Die killen mich, die killen mich», schrie der Pilot des Wasserflugzeugs am Nachmittag des 20. April 2001 ins Funkgerät. Was zuvor geschah, ist ein unglaublicher und fataler Irrtum innerhalb einer Anti-Drogen-Operation in Peru bei der die lokalen Behörden mit dem CIA zusammenarbeiteten.
In dem Flugzeug sass die amerikanische Familie Bowers, Mutter Veronica, Vater Jim sowie die beiden Kinder Cory (6) und die erst wenige Monate alte Charity. Sie waren auf dem Heimweg von Brasilien nach Peru, als sie auf den Radarschirmen der CIA erschienen. Wie jetzt aufgetauchte und vom US-Sender ABC ausgestrahlte Videoaufnahmen der CIA-Luftüberwachung zeigen, wurde die Maschine minutenlang verfolgt und in der Folge als verdächtig eingestuft.
Nicht auf der gleichen Frequenz
In dem Video ist gleichzeitig der Funkverkehr zu hören. Einerseits vom Wasserflugzeug und gleichzeitig auch derjenige zwischen den CIA-Leuten und den peruanischen Kampfjetpiloten. Wie sich später herausstellen sollte, hatten der Privatpilot und der Militärpilot nicht die gleiche Frequenz eingestellt.
«Wir werden euch abschiessen», funkte ein Kampfjetpilot. Der fatale Funkspruch erreichte sein Ziel aber nicht. Die CIA-Leute, welche die Operation aus einem Flugzeug überwachten, hätten es in der Hand gehabt, den Beschuss zu stoppen. Mehrmals äusserten sie auch gegenüber den Militärpiloten den Verdacht, es könnte sich beim beobachteten Flieger um einen Gegner handeln.
Tödlich getroffen
«Diese Typen passen nicht in unser Feindschema», funkten die Amerikaner. Doch die Peruaner liessen sich nicht von ihren Plänen abbringen. Nochmals versuchte es der zweifelnde CIA-Agent: «Seid ihr sicher, dass das Banditen sind? Seid ihr sicher?» Zurück kam, «Yes, ok». Die US-Agenten schienen sich ganz sicher, dass es sich beim beobachteten Flieger nicht um einen «Feind» handelte. «Bullshit. Ich glaube, wir machen einen Fehler», flüsterte ein CIA-Mann zu seinem Kollegen. «Ich stimme dir zu», tönt es zurück.
Eineinhalb Minuten später feuern die Kampfjets auf das Wasserflugzeug. Der Pilot wird am Bein verletzt, Veronica Bowers und ihr Baby tödlich getroffen. Die Maschine raucht, der Pilot schafft es gerade noch zu landen, auf dem Wasser. Nach den ersten Schüssen wiesen die CIA-Leute die Bodenkontrolle an, ihre Piloten zum Einstellen des Feuers zu bewegen. Doch das kam zu spät. «Gott», tönte es aus der CIA-Maschine.
Die untröstliche Mutter
Lange hatte der US-Geheimdienst geschwiegen. Gestern nun nahmen die Leute vom CIA Stellung, nach angeblich jahrelanger Untersuchung des Vorfalls. Grundsätzlich sei man nicht verantwortlich für den Abschuss des Privatflugzeugs. Die Amerikaner schieben den Ball den peruanischen Behörden zu. Trotzdem hat es für 16 CIA-Leute einen Verweis gegeben. Darüber berichtete ABC gestern.
Wenn auch die CIA sämtliche Vorwürfe zurückweist, Kritik muss sie dennoch einstecken. «Wenn es ein grosses Beispiel für verschleppte Justiz und abgelehnte Verantwortung braucht, das ist der Fall», sagte Senator Pete Hoekstra. Er macht die US-Regierung und ihre Behörden für den gewaltsamen Tod zweier Amerikaner verantwortlich. Untröstlich zeigte sich auch die Mutter von Veronica Bowers. «Ich will jemanden, der hinsteht und sagt, ‹ich bin verantwortlich›. Ich will, dass er weiss, was das Herz einer Mutter fühlt», so Gloria Bowers gegenüber ABC. (cpm)
Erstellt: 04.02.2010, 16:18 Uhr
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