Clinton liefert ihre zweite Bomben-Story

Was nur denkt sich die US-Aussenministerin? Hillary Clinton hat sich bei einer Rede in Nordirland blamiert – mit düsteren Erinnerungen an das Hotel «Europa», die nicht stimmen können.

Würdiger Rahmen, phantasievolle Garnierung: Clinton bei ihrer Rede am 12. Oktober in Belfast.

Würdiger Rahmen, phantasievolle Garnierung: Clinton bei ihrer Rede am 12. Oktober in Belfast.
Bild: Keystone

Ein Wahrzeichen von Belfast: Das Hotel «Europa», in dem auch das Ehepaar Clinton logierte.

Ein Wahrzeichen von Belfast: Das Hotel «Europa», in dem auch das Ehepaar Clinton logierte.

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«Hillary Clinton hat wieder ‹gebombt›», schrieb die Zeitung «Belfast Telegraph». Und auch die britische «Times» findet auf ihrer Webseite deutliche Worte: Die Aussenministerin habe einen «Versprecher-Rückfall erlitten». In der vergangenen Woche hatte Clinton sich in ihrer Rede vor den Abgeordneten von Nordirland an das Hotel «Europa» erinnert: Es sei von einem Bombenanschlag zerstört gewesen, viele Türen und Fenster mit Brettern vernagelt, als sie dort zum ersten Mal mit ihrem Mann zu Gast gewesen sei – jaja, damals, 1995.

Recherchen zeigen eindeutig, dass die spannende Story nicht stimmt. Der letzte Terroranschlag auf das Hotel wurde im Jahr 1993 verübt, wie die Zeitungen berichten, und die Schäden wurden bereits im Januar 1994 repariert – ein fast normaler Vorgang im «Europa», das seinerzeit als meistbombardierte Herberge der Welt galt und den Spitznamen «Hardboard-Hotel» trug (Holzfaserplatten-Hotel). Hatte diese Wortschöpfung vielleicht die Phantasie der Ausseministerin beflügelt?

Deutliches Dementi des Rezeptionisten

Um ganz sicherzugehen, befragte der «Belfast Telegraph» auch Martin Mullholland, den damaligen Rezeptionisten des Hotels, der sich an solche Zustände im Jahr 1995 nicht erinnern kann. «Da waren keine Holzbretter oder so etwas, als sie kamen», erklärte Mullholland, «die einzigen Bretter, die aufgestellt wurden, waren die vom Geheimdienst-Team von Bill Clinton».

Anekdoten aus der eigenen Phantasie

Übertreibungen solcher Art drohen mittlerweile zum Markenzeichen von Hillary Clinton zu werden. Schon im amerikanischen Vorwahlkampf gegen Barack Obama gab sie eine Auch-ich-war-an-der-Front-Geschichte zum Besten – damals allerdings aus Bosnien. «Ich erinnere mich an die Landung, als Heckenschützen auf uns schossen», sagte sie damals. Zwar hätte eine Begrüssungszeremonie auf dem Flughafen stattfinden sollen, «aber wir rannten mit herunter gezogenen Köpfen in die Fahrzeuge, um zu unserer Basis zu kommen».

Die angebliche Flucht im Kugelhagel wurde von Journalisten mit einem kurzen Griff ins Archiv als Lüge entlarvt: Filmaufnahmen von jener Landung zeigten Clinton und ihre Tochter Chelsea, wie sie in aller Ruhe aus dem Flugzeug spazierten. Später entschuldigte sich die Präsidentschaftskandidatin – und zog als Erklärung ihre Erschöpfung heran. «Dies war eine sehr lange Kampagne», wurde sie von der «Times» zitiert.

Gewundene Worte aus dem Ministerium

Nach der Münchhausen-Geschichte von Belfast erklärte ihr Sprecher in Washington, dass die Aussenministerin versucht habe, einen Kontrast hervorzuheben. Nämlich zwischen der zeitgenössischen Stadt Belfast und jenem Belfast, das sie in dunkleren Tagen erlebt hatte – gewissermassen ein Appell, der Aussenministerin bitte ein wenig dichterische Freiheit zuzugestehen.

Man darf gespannt sein, was die ehemalige First Lady dereinst von ihrem jüngsten Besuch in der Stadt Zürich erzählen wird. (raa)

Erstellt: 20.10.2009, 16:56 Uhr

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18 Kommentare

Albert Inglin

20.10.2009, 22:59 Uhr
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Tom Meier@: Wie intelligent sind sie denn, wenn sie jemanden über ein Ereignis, das 15 Jahre zurückliegt, beurteilen? Ich hoffe, sie haben ein besseres Gedächtnis. Und Sabrina Meier@: Und wenn sie den Unterschied nicht kennt? Na und. Viele Leute in America (Nord und Süd) "verwechseln" die Schweiz mit Schweden. Und: Es gibt Schweizer, die Costa Rica in der Karibik (Puerto Rico) vermuten. Antworten


Tom Meier

20.10.2009, 16:07 Uhr
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Hillary Clinton wiederspiegelt einmal mehr öffentlich die Intelligenz der Amis. Was kann man mehr erwarten ? Gegenüber ihren Landsleuten ist sie anscheinend hochintelligent, sonst wäre sie kaum in diesem Amt. Antworten


Heinrich Schibli

20.10.2009, 16:04 Uhr
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Die Fischer fangen nur sooo grosse Fische, die Jäger schiessen nur 12-Ender, die Yuppies trinken nur x-100-SFR- Weine - so hat jeder seine Märchenstunde. Warum soll Frau Clinton nicht auch etwas angeben wollen! Viel schlimmer bei zahlreichen Mitgliedern der Regierung Obama ist die Gesinnung und die Korruption. Buchtip:"Culture of Corruption" (Michelle Malkin), wo obige Dame auch vorkommt. Antworten


Sabrina Meier

20.10.2009, 15:41 Uhr
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Hillary ist eine Machtmensch sondergleichen. Trotz des Besuches in der Schweiz, dürfte sie den Unterschied zwischen Sweden und Switzerland immer noch nicht kennen... Antworten


Peter Zimmerli

20.10.2009, 15:35 Uhr
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@Roland Strasser: Nein, da liegen sie falsch. Wie von Herrn Reto Lippold geschrîeben geht es da um's "Storytelling". Das erfahre ich auch in der Berufswelt. Antworten


Ronnie König

20.10.2009, 15:04 Uhr
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@Sophie Clerc: Geben sie mir so ein Job und sie würden staunen! Herr Zimmerli hat recht, wenn man nüchtern diese Amis und ihre rauchenden Colts ansieht, hat man oft das Gefühl im falschen Film zu sein. Warum sollten sie denn anders schwatzen? Antworten


Max Affolter

20.10.2009, 14:38 Uhr
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Ob nun storytelling oder gedrängter Terminplan oder Redenschreiber - es läuft immer darauf hinaus, dass hier eine mächtige Person es sich offenbar leisten kann, ihre Zuhörer nicht ernst zu nehmen. Macht korrumpiert - sind wir froh um unsere demokratischen Systeme, in denen Macht regelmässig gebrochen werden kann, ja muss. Antworten


Reto Lippold

20.10.2009, 13:56 Uhr
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Tun wir doch bitte nicht so scheinheilig. In den Managementdisziplinen boomt seit einigen Jahren die Methode des "Storytelling". Es gib inzwischen reihenweise Märchenbücher für Manager. Es geht da nicht mehr um Realität und Wahrheit, sondern um Botschaften. Man schaue mal nach im Google, wieviele Kursangebote es da gibt. Warum regt sich denn da niemand auf? Antworten


Stef Baumann

20.10.2009, 13:53 Uhr
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Dass es die Clintons mit der Wahrheit noch nie so genau genommen haben, ist ja geradezu deren Markenzeichen. Antworten


Franz Brunner

20.10.2009, 13:41 Uhr
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wie ihr "alter", einfach auf leicht andere weise Antworten


Thomi Horath

20.10.2009, 13:35 Uhr
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Ein Mensch hat Freude an seiner Wohltätigkeit; und ein Armer ist besser denn ein Lügner. (Sprüche 19:22) Antworten


Wöllner Andy

20.10.2009, 13:33 Uhr
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@Peter Zimmerli: Es hat tatsächlich etwas US-Typisches an sich - aber es scheint mir aus helvetischer Geschichte (in etwa seit der Ära Calmy Rey) ebenfalls nicht unbekannt zu sein. Verallgemeinern würde ich das Phänomen nicht über den Begriff "amerikanisch", sondern "demokratisch". Die Namen Kennedy, Carter, Clinton rechtfertigen meine Version - und über Demokraten im Amt äussere ich mich nicht! Antworten


M Sold

20.10.2009, 13:23 Uhr
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Auch wenn Frau Clinton besser hätte recherchieren sollen, was ja bekanntlich danach sicher andere für sie übernehmen und korrigieren gemacht wird, nur eines: Sie kommt aus dem Land von Disneyland und Disneyworld und viel Illussionen. Da vergessen doch glatt auch die mindestens 30 Millionen Armen, dass sie katastrophal leben. Hauptsache ist man ist ein freies Land. Alles ist eben relative vage. Antworten


Roland Strasser

20.10.2009, 13:18 Uhr
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@Zimmerli: ganz ein schlauer Amerikakenner sind sie. Haben wohl "Wag the Dog" gesehen und mal ein Buch von Chomsky gelesen? Und Michael Moore natürlich! Ich frage mich, können SIE zwischen Realität und Fiktion unterscheiden? *zweifel* Ich finde schade dass nicht Hilary Präsidentin wurde, sie wäre berechenbar und angriffiger gegen die Nuklear-Mullahs gewesen als dieser redenhaltende Traumtänzer. Antworten


Dante Eggenberger

20.10.2009, 13:11 Uhr
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Vielleicht sollte sich Miss Clinton eine/n neue/n Redeschreiber/-in suchen, eine, die das Schummelhandwerk beherrscht - wie alle andern Redeschreiber auch,,, Antworten


Simon Schnauz

20.10.2009, 12:53 Uhr
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@zimmerli: was soll da bitte generell amerikanisch sein? das ist wohl eher ein menschliches phänomen. ich glaube jedes land und ihre politiker schreiben ihre geschichten zu ihren gunsten nieder. Antworten


Sophie Clerc

20.10.2009, 12:47 Uhr
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Nur wer arbeitet macht manchmal (kleinste) Fehler. Diese Frau arbeit sehr hart und erfolgreich. Ob es sinnvoll ist, sie wegen so etwas lang und breit auszuspotten? Mir wäre lieber, man würde ihren Mut und ihre Leistungen loben. Macht doch ihr einmal ein Zehntel dessen nach, was sie leistet, und dann reden wir wieder. Antworten


Peter Zimmerli

20.10.2009, 12:35 Uhr
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... das ist ein generell amerikanisches Phänomen - die Vermischung von Realität und Phantasie, was auch gerade so gut hätte sein können und einem für die eigene Argumentation nützlich ist... Antworten



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