Clinton liefert ihre zweite Bomben-Story
Aktualisiert am 20.10.2009 18 Kommentare
Ein Wahrzeichen von Belfast: Das Hotel «Europa», in dem auch das Ehepaar Clinton logierte.
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«Hillary Clinton hat wieder ‹gebombt›», schrieb die Zeitung «Belfast Telegraph». Und auch die britische «Times» findet auf ihrer Webseite deutliche Worte: Die Aussenministerin habe einen «Versprecher-Rückfall erlitten». In der vergangenen Woche hatte Clinton sich in ihrer Rede vor den Abgeordneten von Nordirland an das Hotel «Europa» erinnert: Es sei von einem Bombenanschlag zerstört gewesen, viele Türen und Fenster mit Brettern vernagelt, als sie dort zum ersten Mal mit ihrem Mann zu Gast gewesen sei – jaja, damals, 1995.
Recherchen zeigen eindeutig, dass die spannende Story nicht stimmt. Der letzte Terroranschlag auf das Hotel wurde im Jahr 1993 verübt, wie die Zeitungen berichten, und die Schäden wurden bereits im Januar 1994 repariert – ein fast normaler Vorgang im «Europa», das seinerzeit als meistbombardierte Herberge der Welt galt und den Spitznamen «Hardboard-Hotel» trug (Holzfaserplatten-Hotel). Hatte diese Wortschöpfung vielleicht die Phantasie der Ausseministerin beflügelt?
Deutliches Dementi des Rezeptionisten
Um ganz sicherzugehen, befragte der «Belfast Telegraph» auch Martin Mullholland, den damaligen Rezeptionisten des Hotels, der sich an solche Zustände im Jahr 1995 nicht erinnern kann. «Da waren keine Holzbretter oder so etwas, als sie kamen», erklärte Mullholland, «die einzigen Bretter, die aufgestellt wurden, waren die vom Geheimdienst-Team von Bill Clinton».
Anekdoten aus der eigenen Phantasie
Übertreibungen solcher Art drohen mittlerweile zum Markenzeichen von Hillary Clinton zu werden. Schon im amerikanischen Vorwahlkampf gegen Barack Obama gab sie eine Auch-ich-war-an-der-Front-Geschichte zum Besten – damals allerdings aus Bosnien. «Ich erinnere mich an die Landung, als Heckenschützen auf uns schossen», sagte sie damals. Zwar hätte eine Begrüssungszeremonie auf dem Flughafen stattfinden sollen, «aber wir rannten mit herunter gezogenen Köpfen in die Fahrzeuge, um zu unserer Basis zu kommen».
Die angebliche Flucht im Kugelhagel wurde von Journalisten mit einem kurzen Griff ins Archiv als Lüge entlarvt: Filmaufnahmen von jener Landung zeigten Clinton und ihre Tochter Chelsea, wie sie in aller Ruhe aus dem Flugzeug spazierten. Später entschuldigte sich die Präsidentschaftskandidatin – und zog als Erklärung ihre Erschöpfung heran. «Dies war eine sehr lange Kampagne», wurde sie von der «Times» zitiert.
Gewundene Worte aus dem Ministerium
Nach der Münchhausen-Geschichte von Belfast erklärte ihr Sprecher in Washington, dass die Aussenministerin versucht habe, einen Kontrast hervorzuheben. Nämlich zwischen der zeitgenössischen Stadt Belfast und jenem Belfast, das sie in dunkleren Tagen erlebt hatte – gewissermassen ein Appell, der Aussenministerin bitte ein wenig dichterische Freiheit zuzugestehen.
Man darf gespannt sein, was die ehemalige First Lady dereinst von ihrem jüngsten Besuch in der Stadt Zürich erzählen wird. (raa)
Erstellt: 20.10.2009, 16:56 Uhr
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18 Kommentare
Die Fischer fangen nur sooo grosse Fische, die Jäger schiessen nur 12-Ender, die Yuppies trinken nur x-100-SFR- Weine - so hat jeder seine Märchenstunde. Warum soll Frau Clinton nicht auch etwas angeben wollen! Viel schlimmer bei zahlreichen Mitgliedern der Regierung Obama ist die Gesinnung und die Korruption. Buchtip:"Culture of Corruption" (Michelle Malkin), wo obige Dame auch vorkommt. Antworten
Ob nun storytelling oder gedrängter Terminplan oder Redenschreiber - es läuft immer darauf hinaus, dass hier eine mächtige Person es sich offenbar leisten kann, ihre Zuhörer nicht ernst zu nehmen. Macht korrumpiert - sind wir froh um unsere demokratischen Systeme, in denen Macht regelmässig gebrochen werden kann, ja muss. Antworten
Tun wir doch bitte nicht so scheinheilig. In den Managementdisziplinen boomt seit einigen Jahren die Methode des "Storytelling". Es gib inzwischen reihenweise Märchenbücher für Manager. Es geht da nicht mehr um Realität und Wahrheit, sondern um Botschaften. Man schaue mal nach im Google, wieviele Kursangebote es da gibt. Warum regt sich denn da niemand auf? Antworten
@Peter Zimmerli: Es hat tatsächlich etwas US-Typisches an sich - aber es scheint mir aus helvetischer Geschichte (in etwa seit der Ära Calmy Rey) ebenfalls nicht unbekannt zu sein. Verallgemeinern würde ich das Phänomen nicht über den Begriff "amerikanisch", sondern "demokratisch". Die Namen Kennedy, Carter, Clinton rechtfertigen meine Version - und über Demokraten im Amt äussere ich mich nicht! Antworten
Auch wenn Frau Clinton besser hätte recherchieren sollen, was ja bekanntlich danach sicher andere für sie übernehmen und korrigieren gemacht wird, nur eines: Sie kommt aus dem Land von Disneyland und Disneyworld und viel Illussionen. Da vergessen doch glatt auch die mindestens 30 Millionen Armen, dass sie katastrophal leben. Hauptsache ist man ist ein freies Land. Alles ist eben relative vage. Antworten
@Zimmerli: ganz ein schlauer Amerikakenner sind sie. Haben wohl "Wag the Dog" gesehen und mal ein Buch von Chomsky gelesen? Und Michael Moore natürlich! Ich frage mich, können SIE zwischen Realität und Fiktion unterscheiden? *zweifel* Ich finde schade dass nicht Hilary Präsidentin wurde, sie wäre berechenbar und angriffiger gegen die Nuklear-Mullahs gewesen als dieser redenhaltende Traumtänzer. Antworten
Nur wer arbeitet macht manchmal (kleinste) Fehler. Diese Frau arbeit sehr hart und erfolgreich. Ob es sinnvoll ist, sie wegen so etwas lang und breit auszuspotten? Mir wäre lieber, man würde ihren Mut und ihre Leistungen loben. Macht doch ihr einmal ein Zehntel dessen nach, was sie leistet, und dann reden wir wieder. Antworten



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Albert Inglin
Tom Meier@: Wie intelligent sind sie denn, wenn sie jemanden über ein Ereignis, das 15 Jahre zurückliegt, beurteilen? Ich hoffe, sie haben ein besseres Gedächtnis. Und Sabrina Meier@: Und wenn sie den Unterschied nicht kennt? Na und. Viele Leute in America (Nord und Süd) "verwechseln" die Schweiz mit Schweden. Und: Es gibt Schweizer, die Costa Rica in der Karibik (Puerto Rico) vermuten. Antworten