Ausland

«Darth Vader» reitet wieder

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 25.03.2009

Der unpopulärste Vizepräsident der amerikanischen Geschichte, Dick Cheney, zettelt gegen Barack Obama einen Kleinkrieg an. Insider kennen sein Motiv.

Ihm droht Ungemach: Dick Cheney.

Ihm droht Ungemach: Dick Cheney. (Bild: Keystone)

Er gilt als unpopulärster Vizepräsident der amerikanischen Geschichte, über weite Strecken der Bush-Präsidentschaft aber blieb Dick Cheney unsichtbar, da er sich nach 9/11 zumeist an einem geheimgehaltenen Ort aufhielt. Trat er ins Rampenlicht, zeigte der Vize nicht selten, warum er den Beinamen «Darth Vader» trug: Sauertöpfisch und verbissen verkörperte der Mann aus Wyoming die harte Linie, sei es beim Foltern oder bei der Entscheidung zum Einmarsch im Irak.

Nun aber, da er privatisiert, zettelte der vormals Unsichtbare einen Kleinkrieg gegen Barack Obama an – und erzürnt damit seine republikanischen Amigos, die ihn am liebsten auf den Mond schiessen würden. Bereits vor Wochenfrist schoss sich Cheney, stets ein Aficionado politischen Jiu Jitsus, mit einer Breitseite auf den demokratischen Präsidenten ein und warf Obama in einem TV-Interview vor, seine Politik erhöhe die Gefahr neuerlicher Terroranschläge in den Vereinigten Staaten.

Bush: Obama «verdient mein Schweigen»

Überhaupt murrte Cheney über dies und das, weshalb ihn Obama am vergangenen Sonntag öffentlich abkanzelte: Er sei «grundsätzlich anderer Meinung» als Cheney, sagte der Präsident im Fernsehen und mäkelte seinerseits an Cheney herum. Die Parteifreunde des hartgesottenen Vizes waren unterdessen entsetzt über seinen Auftritt. «Er war so unpopulär, als er im Weissen Haus war, dass es für uns politisch wahrscheinlich besser wäre, wenn er nicht so an die Öffentlichkeit ginge», lamentierte der republikanische Abgeordnete John Duncan stellvertretend für viele Republikaner.

In Washington wird jetzt gerätselt, warum Cheney derart vorpreschte - dies um so mehr, als sich George W. Bush bislang standhaft geweigert hat, Obama an den Karren zu fahren. Der neue Präsident, so Bush unlängst, «verdient mein Schweigen». Insider vermuten, Cheney wolle womöglich die Flucht nach vorne antreten, da ihm wegen seiner Folter-Politik bald Ungemach drohen könnte. Sowohl im Kongress als auch bei der CIA wird in der Sache ermittelt, überdies stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich eine «nationale Wahrheitskommssion» mit der Folter von Terrorverdächtigen in amerikanischen Gewahrsam befassen und sowohl Cheney und auch dessen Mitarbeiter an den Pranger stellen wird.

In der Fremde droht die Festnahme

Das Schicksal des chilenischen Autokraten Augusto Pinochet vor Augen, sollte sich der Vize in diesem Fall tunlichst vor Auslandsreisen hüten. Wie einst dem Caudillo aus Santiago könnte auch dem Vize aus Wyoming in der Fremde die Festnahme blühen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.03.2009, 13:43 Uhr

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