Das Erdbeben als Strafe Gottes
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 15.01.2010
Der berühmte amerikansiche TV-Prediger Pat Robertson bewarb sich 1988 in der Republikanischen Partei um die Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten.
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Nicht überall darf das geschundene Haiti mit Sympathien rechnen: Während die Regierung Obama umfassende Hilfsmassnahmen für Haiti organisiert, melden sich die Extremisten der amerikanischen Politszene mit hässlichen Bemerkungen zur haitianischen Naturkatastrophe.
Der berühmte TV-Prediger und ehemalige republikanische Präsidentschaftsbewerber Pat Robertson etwa vertritt die Ansicht, das Erdbeben sei die Folge eines haitianischen «Pakts mit dem Teufel». Vor langer Zeit habe sich etwas in Haiti zugetragen, worüber die Menschen nicht sprechen wollten, sagte Robertson im Fernsehen. Die Haitianer seien «unter der Knute Napoleons III.» gewesen, «und sie haben sich zusammengetan und einen Pakt mit dem Teufel geschmiedet und ihm gesagt, wir werden dir dienen, wenn du uns von den Franzosen befreist». Es handle sich dabei, so der Prediger weiter, um «eine wahre Geschichte», und der Teufel – Gottseibeiuns – habe den Deal angenommen.
Tatsächlich hätten die Haitianer die Franzosen «hinausgeworfen», jedoch laste seitdem ein Fluch auf ihnen, belehrte Robertson sein TV-Publikum: Die ebenfalls auf der Insel Hispaniola befindliche Dominikanische Republik blühe, sei «gesund» und voller «Hotelanlagen» für Touristen, indes Haiti «verzweifelt arm» sei. Robertson bezieht sich anscheinend auf ein umstrittenes Ereignis der haitianischen Geschichte, wonach sich Gegner der französischen Kolonialherrschaft 1791 nahe Bois Caiman zu einer Voodoo-Zeremonie versammelten, die nach Ansicht einiger haitianischer Historiker den Beginn des schwarzen Widerstands gegen die französische Herrschaft markierte.
9/11 wegen «Heidentums»
Der Prediger, der nebenbei auch eine christliche Universität gründete, ist bekannt für seine waghalsigen Interpretation grosser Ereignisse: Unter anderem befand er, dass 9/11 eine göttliche Strafe gewesen sei für «Heidentum und Abtreiber und Feministen und Schwule und Lesben». Bereits 1998 hatte Robertson gewarnt, dass die wachsende Akzeptanz von Homosexuellen zu Wirbelstürmen, Erdbeben, Tornados, Bombenanschlägen «und wahrscheinlich einem Meteor» führen werde.
Weniger biblisch, doch geradeso eklig wie Robertson reagierte der konservative und der Republikanischen Partei nahe stehende Radio-Talker Rush Limbaugh auf die Tragödie in Haiti. Seinem Millionenpublikum versicherte Limbaugh, das haitianische Erdbeben spiele «direkt in die Hände Obamas». Denn der Präsident könne sich nun als «Humanitarier und mitfühlend» darstellen: «Sie werden das dazu benützen, um seine Glaubwürdigkeit bei der schwarzen Gemeinschaft zu polieren, sowohl bei der hellhäutigen als auch bei der dunkelhäutigen schwarzen Gemeinschaft», sagte Limbaugh. Weder er noch Robertson haben sich bislang für ihre Bemerkungen entschuldigt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.01.2010, 08:49 Uhr

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