Der Bier-Gipfel steigt auf Obamas Rasen
Aktualisiert am 30.07.2009 6 Kommentare
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Ein kühles Bier zur Abkühlung der Gemüter, ein Gespräch unter Männern: ein angesehener schwarzer Gelehrter, der sich als Opfer rassistischer Vorurteile sieht, ein weisser Polizeibeamter, der sich zu Unrecht kritisiert fühlt, und Barack Obama. Dass der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten mittels Biertisch-Diplomatie die beiden Streithähne zu versöhnen versucht, straft die Hoffnung Lügen, dass die Rassenfrage in den USA von heute keine grosse Rolle mehr spielt.
Präsident, Professor und Polizist wollten sich am Donnerstagabend um 18 Uhr Ortszeit zusammensetzen - wenn es das Wetter erlaubt, an einem Gartentisch direkt vor dem Oval Office. Der Streit erreichte die höchste Ebene und wurde zum öffentlichen Thema, als Obama sich vorige Woche einschaltete und - etwas voreilig vielleicht - Stellung bezog. Ganz im Gegensatz dazu hatte er noch im Wahlkampf grossen Wert darauf gelegt, das Thema Rasse herunterzuspielen. Zudem lenkt die Affäre von seinem momentanen Hauptproblem ab, eine Gesundheitsreform durchzusetzen.
«Dumm» gelaufen
Anlass des Ganzen ist die Festnahme des Harvard-Professors Henry Louis Gates Jr. in seinem eigenen Haus durch Sergeant James Crowley, der den Verdacht eines Einbruchs in Gates' Haus überprüfen sollte. Auf einer Pressekonferenz vorige Woche sagte Obama dazu, die Polizei von Cambridge habe sich seinem Freund Gates gegenüber «dumm verhalten». Die Vorwürfe wurden rasch fallen gelassen, doch Obamas Bemerkung fachte die Diskussion dermassen an, dass er zurückrudern und einräumen musste, er hätte sich anders ausdrücken sollen. Zugleich lud er die beiden Kontrahenten ins Weisse Haus ein, um sich bei einem Bierchen von Mann zu Mann auszusprechen.
Es fing damit an, dass Crowley zu Gates' Haus geschickt wurde, weil eine Zeugin gemeldet hatte, dass zwei Männer gewaltsam die Haustür zu öffnen versuchten. Gates war gerade von einer Auslandsreise zurückgekehrt und hatte festgestellt, dass die Türe klemmte. Mit Hilfe seines Fahrers war es ihm gelungen, ins Haus zu kommen, als Crowley eintraf. Der Polizist forderte ihn auf sich auszuweisen, um zu belegen, dass er da wohnt. Ein Streit entbrannte, und offenbar fielen hitzige Worte, als Gates mit Crowley auf die Veranda trat. Der Polizist legte daraufhin den Professor in Handschellen und brachte ihn wegen Ruhestörung aufs Revier.
Rassenvorurteile schlichte Tatsache
Eine erregte Debatte über Rassenvorurteile bei den Strafverfolgungsbehörden entbrannte. Tatsächlich ist quer durch die USA aktenkundig, dass Schwarze und Latinos mit unverhältnismässig hoher Wahrscheinlichkeit mit der Polizei aneinandergeraten oder festgenommen werden. Wer sich mit Rassenbeziehungen beschäftigt, sieht darin das Ergebnis von Vorurteilen, die Polizisten bewusst oder unbewusst zu der Annahme verleiten, dass Schwarze und Latinos eher gegen das Gesetz verstossen als Weisse.
«Ganz abgesehen von diesem Vorfall wissen wir doch, dass in diesem Land von jeher Afroamerikaner und Latinos unverhältnismässig oft von der Polizei angehalten werden», sagte Obama auf seiner Pressekonferenz. «Das ist einfach eine Tatsache.» Dieser Unterschied erinnere daran, dass «Rasse immer noch ein gesellschaftlicher Faktor ist».
Hautfarbe nicht erwähnt
Crowley beteuert, er habe den Professor nur festgenommen, weil er ihn laut und unbeherrscht «fortwährend angeschrien hat, mich rassistischer Vorurteile beschuldigt und mir wiederholt angekündigt hat, dass ich noch von ihm hören werde». Gates hält dem entgegen, der Polizist habe sich mehrfach geweigert, seinen Namen und seine Dienstnummer zu nennen.
Zusätzlich kompliziert wird die Geschichte noch durch die zunächst falsche Darstellung der Einbruchsmeldung durch die Polizei. Zunächst hiess es, die Anruferin habe «zwei schwarze Männer mit Rucksäcken auf der Veranda» gemeldet, von denen einer «mit der Schulter gegen die Tür drückt, als ob er sie aufstemmen will». Die Aufzeichnung des Anrufs zeigte später jedoch, dass die Zeugin gar keine Hautfarbe erwähnt hatte. Auf Drängen des Beamten am Telefon, die Rasse der Männer zu beschreiben, sagte sie, einer könne vielleicht Latino sein. (se/ap)
Erstellt: 30.07.2009, 14:15 Uhr
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6 Kommentare
Barak Obama wird damit seinem Ruf des genialen Brückenbauers einmal mehr gerecht. Damit verbindet er differenzierte Weltanschauungen und stiftet Frieden im eigenen Lande. Chapeau! Nun wäre es doch schön, wenn die USA mit dieser Fähigkeit auch in der nicht amerikanischen "Welt" auftrumpften.... Antworten
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