Ausland

Der Bohrer ist unterwegs in die Tiefe

Aktualisiert am 31.08.2010

In Chile haben die Rettungskräfte damit begonnen, einen Rettungsschacht für die verschütteten Bergarbeiter zu bohren.

1/47 Zur Rettungsaktion ist auch Chiles Präsident Sebastian Pinera (in der roten Jacke) angereist.
Bild: Reuters

   

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Die seit Tagen immer wieder verschobene Bohrung eines Rettungsschachtes für die 33 in einer chilenischen Kupfer- und Goldmine eingeschlossenen Bergleute hat am Dienstagmorgen Schweizer Zeit begonnen. Das teilte ein Sprecher der chilenischen Regierung mit.

Der Spezialbohrer Strata 950 werde ein 15 Meter tiefes Loch bohren. Dann solle ein neuer, kurz zuvor aus Deutschland eingetroffener Bohrkopf installiert und die Arbeit fortgesetzt werden, sagte der Sprecher bei der Mine San José in der Atacama-Wüste.

Lange Zeit in der Erde

Nach Einschätzung von Experten wird es bis zu vier Monate dauern, bis der 66 Zentimeter breite Schacht fertig ist und die Eingeschlossenen gerettet werden können. Angehörige reagierten mit Erleichterung auf die Nachricht vom Beginn der Bohrung.

Den Verschütteten, die über eine enge Röhre mit dem Nötigsten versorgt werden, ging es den Umständen entsprechend gut. Sorgen bereitet den Rettern die extrem lange Zeit, die sie unter Tage werden aushalten müssen.

Personelle Konsequenzen

Nach dem Grubenunglück gab es erste personelle Konsequenzen. Raúl Martínez, der für die Region Atacama zuständige Vertreter des Gesundheitsministeriums, erklärte am Montag seinen Rücktritt. Er hatte erst am 28. Juli die Wiedereröffnung der Unglücksmine genehmigt, nachdem sie wegen eines schweren Arbeitsunfalls geschlossen worden war. Dabei hatte ein Arbeiter im Juli durch Steinschlag ein Bein verloren.

Schon 2007 war die Kupfer- und Goldmine im Norden des Landes wegen mehrerer Arbeitsunfälle und genereller Sicherheitsmängel geschlossen worden. Ein Jahr später hatte die Aufsichtsbehörde den Betrieb jedoch wieder zugelassen.

Dabei habe man sich auf den «guten Willen» der Eigentümer verlassen, sagte der frühere Vizedirektor der Behörde, Exequiel Yanes. Die Aufsichtsbehörde ist in dem neoliberal geprägten Chile sehr klein: Nur 18 Fachkräfte sollen die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften in der gesamten Bergbaubranche überprüfen.

Angst vor Lohneinbussen

Die Unternehmen sind ihrerseits sehr einflussreich, weil sie mehr als die Hälfte der Devisen des Landes erwirtschaften. Die Regierung kündigte nach dem Unglück in San José am Wochenende die Schaffung einer neuen Aufsichtsbehörde an.

Die Forderung der Gewerkschaften, die Gehaltszahlungen für alle bisherigen Arbeiter der Mine San José bis zur Rettung der Eingeschlossenen zu übernehmen, lehnte die Regierung ab.

Die Arbeiter befürchten, dass das Minen-Unternehmen San Esteban die Löhne ab September nicht mehr bezahlen werde. Minenminister Golborne sagte lediglich zu, die Regierung werde bei der Vermittlung der Arbeiter an andere Unternehmen helfen. (oku/sda)

Erstellt: 31.08.2010, 06:23 Uhr

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