Barack Obama riskiert Eiszeit mit China

Aktualisiert am 18.02.2010 5 Kommentare

Trotz heftiger Kritik aus China hat US-Präsident Obama den Dalai Lama im Weissen Haus empfangen. Der Dalai Lama hat nach dem Treffen China eine «kindische» Tibet-Politik vorgeworfen.

Der Dalai Lama vor dem Weissen Haus: Trotz des Drucks aus China empfing Barack Obama das geistliche Oberhaupt der Tibeter.

Der Dalai Lama vor dem Weissen Haus: Trotz des Drucks aus China empfing Barack Obama das geistliche Oberhaupt der Tibeter.
Bild: Keystone

Der Dalai Lama hat China nach seinem Treffen mit US-Präsident Barack Obama eine «kindische» Tibet-Politik vorgeworfen. Auch die Reaktion Pekings auf tibetische Forderungen nach mehr Autonomie innerhalb Chinas kritisierte er am Donnerstag in Washington vor Journalisten als «begrenzt». Er erwarte eine negative Reaktion Pekings auf sein Treffen mit Obama im Weissen Haus, fügte er hinzu.

Mit dem Empfang des im Exil lebenden geistlichen Oberhaupts der Tibeter im Weissen Haus empfangen riskierte Obama eine Eiszeit in den derzeit ohnehin belasteten Beziehungen zu China. Der Dalai Lama zeigte sich nach der einstündigen Unterredung «sehr glücklich» und Obamas Sprecher Robert Gibbs lobte den Ansatz des Friedensnobelpreisträgers, gewaltfrei und im Dialog mit der chinesischen Regierung eine Lösung für sein Volk zu finden.

Obama ermutigt Dalai Lama

Der Dalai Lama sagte, in dem Meinungsaustausch sei es um die Förderung der Menschenrechte, religiöse Harmonie und Belange des tibetischen Volkes gegangen. Obama sei sehr unterstützend gewesen. Obama sagte, er unterstütze den Einsatz des Friedensnobelpreisträgers für die Bewahrung der tibetischen Kultur und die Menschenrechte seines Volkes. Er ermutigte auch die Initiativen des Dalai Lamas für einen Dialog mit der chinesischen Regierung.

Das Treffen im Weissen Haus wurde protokollarisch auf einer symbolischen Ebene gehalten, um weiterer chinesischer Verärgerung vorzubeugen. Kameras waren nicht zugelassen, um einen unauffälligen Charakter der Begegnung zu unterstreichen. Peking betrachtet den Dalai Lama als einen Separatisten, weil er für die Unabhängigkeit Tibets eintrete. Der Dalai Lama weist diese Darstellung zurück.

Ohne Kameras und nur im «Kartenzimmer»

Obama empfing das geistliche Oberhaupt der Tibeter im sogenannten Kartenraum, in den gewöhnlich private Gäste des US-Präsidenten gebeten werden. Staatsempfänge finden dagegen im Oval Office statt.

Andererseits wollte sich Obama aber auch nicht noch einmal dem Vorwurf aussetzen, vor der Kritik aus Peking einzuknicken. Genau dies wurde ihm im vergangenen Oktober zur Last gelegt, denn damals wurde der in Washington weilende Dalai Lama nicht empfangen. Die Tibeter zeigten sich auch mit einem privaten Treffen zufrieden. Schon dies gebe ihnen das Gefühl, nicht gänzlich von der Welt vergessen zu werden, sagte Lodi Gyari, ein Gesandter des Dalai Lamas.

Auch die Treffen des buddhistischen Geistlichen mit früheren US-Präsidenten fanden in der Regel ohne Pressebegleitung statt. Obamas Vorgänger George W. Bush zeigte sich allerdings 2007 mit dem Dalai Lama bei einem öffentlichen Termin, als dem Tibeter eine hohe Auszeichnung des US-Kongresses verliehen wurde. Dies löste scharfe Proteste in China aus. (pfs/ddp)

Erstellt: 18.02.2010, 22:56 Uhr

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5 Kommentare

Peter NIederer

18.02.2010, 21:21 Uhr
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Hoffentlich getrauen sich nun auch endlich unsere Schweizer Bundesräte, den Dalai Lama zu empfangen. Meist humpeln sie ja in so Angelegenheiten mit zeitlicher Verzögerung brav den westlichen Mächten hinterher. Mut ist gerfragt, Mut die Wirtschaftsmacht China an die Einhaltung der Menschenrechten zu mahnen. So besteht Hoffnung, dass eines Tages Tibet wieder frei wird. Antworten


Urs J. Lienert

19.02.2010, 01:13 Uhr
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Obama, mit viel Vorschusslorbeeren ins Weisse Haus gewählt, erweist sich immer mehr als machthungriger Präsident, der seine Wahlkampfideale preisgibt, auf den alten Pfad der US Weltmachtpolitik einschwenkt und dem bad and ugly US Military Imperialism der letzten 60 Jahre nachlebt. Wen wundert's, dass er jetzt auch noch den ewig ginsenden Sektenführer ausnutzt, um China eins auszuwischen. Antworten



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