Ausland

Der Drogendealer, der Präsident von Surinam wurde

Von Sandro Benini, Mexico City . Aktualisiert am 17.08.2010 1 Kommentar

Désiré Delano Bouterse sollte im Gefängnis sitzen. Stattdessen hat er sein Amt als Präsident angetreten. Bei Auslandsreisen droht ihm die Verhaftung.

Ungewöhnliche Laufbahn: Désiré Delano Bouterse bei seiner Vereidigung.

Ungewöhnliche Laufbahn: Désiré Delano Bouterse bei seiner Vereidigung.
Bild: Keystone

Es war eine Feier in völliger internationaler Isolation. Als vergangene Woche Désiré Delano Bouterse sein Amt als Staatsoberhaupt von Surinam antrat, war kein einziger ausländischer Kollege anwesend. Der neue Präsident des südamerikanischen Landes, das bis 1975 eine niederländische Kolonie war, ist nämlich ein ehemaliger Drogendealer und vielleicht sogar ein Mörder. 1999 wurde er in Amsterdam wegen Kokainschmuggels angeklagt und in Abwesenheit zu elf Jahren Gefängnis verurteilt.

In seinem eigenen Land läuft gegenwärtig ein Prozess gegen den neuen Präsidenten, weil Bouterse 1982 mutmasslicherweise an der Hinrichtung von 15 Oppositionellen beteiligt war. Sollte er verurteilt werden, könnte er sich selber begnadigen.

Der 64-jährige «Dési» Bouterse ist ein irrlichternder Wiedergänger aus einer Zeit, die Lateinamerika eigentlich überwunden hat – die Zeit der Militärdiktaturen und Bananenrepubliken, der Folterexzesse und Todesschwadronen.

Eine prägende Figur geblieben

Nachdem er sich 1980 an die Macht geputscht hatte, errichtete er eine linke Militärdiktatur. Neben den Morden, für die er gegenwärtig vor Gericht steht, kam es während seiner Herrschaft zu einem Massaker an einer Dorfbevölkerung sowie zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen gegen eine Guerillatruppe.

1987 musste der Diktator unter internationalem Druck zurücktreten. Doch bereits drei Jahre später ereignete sich der sogenannte Telefon-Putsch: Bouterse rief den amtierenden Präsidenten an, um diesen von seiner sofortigen Absetzung zu unterrichten. Auch wenn er sich damals nur kurz an der Macht hielt, ist Bouterse in Surinam eine prägende Figur geblieben.

Heute gibt sich «Dési» als überzeugter Demokrat. Nachdem er 2000 und 2005 vergeblich für das höchste Amt kandidiert hatte, ging seine Partei bei den Wahlen vom vergangenen Mai als die stärkste politische Kraft hervor. Um sich vom Parlament zum Staatschef küren zu lassen, musste Bouterse allerdings einen Teil der Opposition auf seine Seite ziehen.

Junge wählten ihn

Besondere Unterstützung erhielt er von jungen Wählern, die zur Zeit der Militärdiktatur noch gar nicht geboren waren. Ihnen präsentierte sich Bouterse als jung geblieben und unkonventionell, indem er bei Auftritten häufig im Che-Guevara-Leibchen und zur Musik von Bob Marley erschien.

Das eine halbe Million Einwohner zählende Surinam ist ethnisch zerklüftet. Die grösste Bevölkerungsgruppe besteht aus Nachkommen afrikanischer Sklaven, daneben gibt es Indischstämmige sowie Minderheiten aus Chinesen, Arabern, Europäern und Eingeborenen. Vertraten politische Parteien bisher vor allem die Anliegen einzelner Bevölkerungsgruppen, ist es Bouterse gelungen, eine multiethnische Bewegung zu schaffen. Er versprach, die Sozialleistungen zu erhöhen, den Wohnungsbau zu fördern und die exorbitante Arbeitslosigkeit zu senken – inoffiziellen Zahlen zufolge ist in Surinam rund die Hälfte der erwerbsfähigen Bevölkerung stellenlos. Ausserdem will der neue Präsident internationale Konzerne höher besteuern. Das südamerikanische Land besitzt einen beträchtlichen Reichtum an Bauxit, Gold und Erdöl.

Präsident mit Haftbefehl

Für die Regierung der einstigen Kolonialmacht Niederlande ist Bouterse zwar willkommen – allerdings nur, um seine Strafe abzusitzen. Da er von Interpol zur Verhaftung ausgeschrieben ist, muss er trotz seiner Immunität damit rechnen, bei Auslandsreisen festgenommen zu werden.

Immerhin hatte ein einziger Präsident angekündigt, den Feiern zu Bouterses Amtsantritt beizuwohnen: der Venezolaner Hugo Chávez. Im letzten Moment sagte er jedoch ab. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2010, 23:15 Uhr

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1 Kommentar

Bruno Hochuli

18.08.2010, 14:01 Uhr
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Da glaubt wohl jemand an Märchen, dieser Herr werden sie nie verhafteten, weil zu viele im selben Boot stecken, oder irre ich mich. Antworten



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