Ausland

Der Mörder, der für manche ein Held ist

Von Roxana Hegeman, DDP. Aktualisiert am 02.04.2010

Scott Roeder erschoss am 31. Mai 2009 den Abtreibungsarzt George Tiller. Jetzt hat er das Urteil bekommen. Strafverschärfend wirkte sich der Tatort aus.

Der Verurteilte bei der Verkündung des Strafmasses: Scott Roeder.

Der Verurteilte bei der Verkündung des Strafmasses: Scott Roeder.
Bild: Keystone

Roeder hatte den prominenten und umstrittenen Abtreibungsarzt am 31. Mai vergangenen Jahres im Vorraum einer Kirche in Wichita erschossen. Er wurde bereits im Januar des Mordes für schuldig befunden worden, Richter Warren Wilbert verkündete nun das Strafmass. Lebenslang gibt es für den 52-Jährigen. Frühestens nach 50 Jahren könnte der Täter auf Bewährung freikommen, so der Richter. Er verhängte damit die höchstmögliche Strafe. Als strafverschärfend wertete der Richter, dass Roeder dem Arzt nachgestellt habe und er ihn in einer Kirche tötete, einem «Ort des Friedens und der Ruhe».

Der verurteilte Scott Roeder hatte den Mord gestanden und erklärt, er habe sich dazu gezwungen gesehen, um ungeborene Kinder zu schützen.

«Einen grossen Sieg erzielt»

Nach der Tat ist es für Schwangere schwieriger geworden, in Kansas abzutreiben. Tillers Klinik ist geschlossen - sie war die letzte in Kansas, die Schwangerschaftsabbrüche nach der 21. Woche durchführte. Zudem bemühen sich konservative Abgeordnete, das Abtreibungsgesetz des Staates zu verschärfen.

«Die nationale Bewegung gegen Abtreibung hat hier einen grossen Sieg erzielt», sagte Warren Hern, ein langjähriger Freund des Getöteten, der selbst in Colorado Schwangerschafts-Spätabbrüche durchführt. «Sie haben genau das erreicht, was sie wollten.» Der Anwalt von Tillers Familie, Lee Thompson, bezeichnete die Tat als einen Fall von Inlandsterrorismus.

Wer opfert wessen Leben?

Schwangere müssen für Spätabbrüche von Kansas nach Albuquerque in New Mexico und Boulder (Colorado) ausweichen. Im ganzen Staat gibt es nur noch drei Krankenhäuser, wo Frauen bis zur 21. Woche abtreiben können. Früher seien viele Schwangere für Abtreibungen nach Kansas gekommen, sagt Kari Ann Rinker vom nationalen Frauenverband NOW. «Jetzt kommen sie nicht mehr hierher, weil Dr. Tiller getötet wurde.»

Für radikale Abtreibungsgegner ist der Mörder Tillers ein Held. Roeder habe sein Leben geopfert, um ungeborene Kinder zu retten, sagte der Geistliche Don Spitz, der auf seiner Website Gewalt gegen Abtreibungsärzte befürwortet. Für gemässigtere Abtreibungsgegner hat Roeder ihrem Anliegen einen Bärendienst erwiesen. «Das war ein Rückschlag für die Bewegung für das Leben», sagt Troy Newman von der Organisation Operation Rescue.

Mehrfach angegriffen

Tiller war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen und Protestaktionen gewesen. 1993 schoss ihm ein Angreifer in beide Arme, 1985 explodierte ein Sprengsatz in seinem Krankenhaus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.04.2010, 12:17 Uhr

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