Ausland

Der Wahlkampf in Kolumbien verläuft nicht nach Uribes Vorstellung

Aktualisiert am 26.05.2010

Dürfte er ein drittes Mal antreten, würde Álvaro Uribe am kommenden Sonntag erneut gewählt. Jetzt stellt sich ihm und seinem Regierungslager ein unbequemer Exzentriker entgegen.

Aussichtsreicherster Kandidat der Opposition: Der Grüne Antanus Mockus.

Aussichtsreicherster Kandidat der Opposition: Der Grüne Antanus Mockus.

Unter leichter Verbiegung der Verfassung hatte Uribe, der sich als asketischer Kämpfer gegen linke Rebellen und skrupellose Drogenkartelle präsentiert, versucht, sich eine weitere Kandidatur genehmigen zu lassen. Das Verfassungsgericht verbot dies im März.

Uribe musste einen «Ersatzspieler» als Kandidaten für das Präsidentenamt aufstellen - den bisherigen Verteidigungsminister Juan Manuel Santos. Der ist nun drauf und dran, den Traum von der dritten Amtszeit der «Uribisten» in den Albtraum der Abwahl in die Opposition zu verwandeln.

Der aus einer wohlhabenden und mächtigen Familie stammende Santos soll einfach die Politik Uribes - den Frontalangriff des Staates gegen linke Rebellen und den unternehmerfreundlichen Wirtschaftskurs - fortsetzen. Allerdings mangelt es ihm an Charisma, und so dümpelt er seit Monaten in der Wählergunst bei etwa 35 Prozent.

Der unabhängige Kandidat Antanas Mockus aber zog mit Santos gleich und würde den Umfragen zufolge inzwischen genauso viele Stimmen erzielen. In einem solchen Fall müsste eine Stichwahl stattfinden, die Mockus durchaus gewinnen könnte.

Exzentrischer «Grüner»

Der 58-jährige Philosoph, Mathematiker und Professor, den vor zwei Monaten noch niemand auf dem Zettel hatte, ist ideologisch nur schwer einzuordnen. Ausländische Medien bezeichnen ihn bisweilen als «Grünen», weil er als Kandidat der «Grünen Partei Kolumbiens» registriert ist.

Die aber bildete sich erst im Oktober vergangenen Jahres, wäre ohne Mockus weitgehend bedeutungslos und ist in erster Linie eine Bewegung der politischen Mitte, die sich für Bildung sowie Rechtsstaatlichkeit und Demokratie einsetzt. Der Umweltschutz kommt in ihrem Programm auch vor, aber das ist inzwischen bei jeder Partei so.

Mockus, Nachkomme litauischer Einwanderer, ist vor allem als Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá landesweit und auch darüber hinaus bekannt geworden. Das lag nicht nur an seiner relativ erfolgreichen Politik, sondern auch an seinen exzentrischen Auftritten.

So radelte er zum Bürgermeisteramt, tauchte vor erstaunten Mitarbeitern im Superman-Kostüm auf und heiratete in einem Zirkus, auf einem Elefanten reitend. Vor demonstrierenden Studenten liess er sogar mal die Hosen herunter und zeigte ihnen sein blankes Hinterteil.

Uribe verliert Kontrolle über Justiz

Geschadet hat ihm das offenbar nicht, ganz im Gegenteil: Am stärksten ist sein Rückhalt bei jungen Wählern aus gebildeten Kreisen mit Zugang zum Internet. Das Web ist eines der wichtigsten Wahlkampfmittel von Mockus. Der Kandidat gilt als äusserst integer, ehrlich und gesetzestreu. Vor allem letzteres hebt ihn in den Augen vieler Kolumbianer vom Amtsinhaber ab.

Unter Uribe hat das Land haarsträubende Skandale erlebt: die systematische Ermordung junger Männer aus armen Verhältnissen, die als angeblich im Kampf getötete Rebellen präsentiert wurden, die weitreichende Bespitzelung von Richtern, Oppositionellen, Journalisten und Menschenrechtlern durch den Geheimdienst oder der Verkauf von Geheimdiensterkenntnissen an rechte Paramilitärs und Drogenhändler.

Am gefährlichsten aber könnten für Uribe die Ermittlungen der Justiz über die Komplizenschaft vieler Politiker seines Lagers mit den Todesschwadronen der rechten Paramilitärs werden. Sollte Uribe mit Santos in der Opposition landen, würde er auch seinen Einfluss auf den Lauf dieser Ermittlungen verlieren. Und er könnte selber ins Fadenkreuz der Justiz geraten. (mt/sda)

Erstellt: 26.05.2010, 07:28 Uhr


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