Der gefährlichste Mexikaner

Oscar García Montoya hat 300 Personen ermordet. Der frühere Polizist ist der Chef einer Drogenbande. Nun haben ihn seine ehemaligen Kollegen geschnappt.

Er hat über 600 Menschenleben auf dem Gewissen: Oscar García Montoya wird von zwei Polizisten den Medien vorgeführt.

Er hat über 600 Menschenleben auf dem Gewissen: Oscar García Montoya wird von zwei Polizisten den Medien vorgeführt. Bild: Keystone

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Und wieder ist der mexikanischen Polizei ein Schlag gegen die Drogenmafia gelungen, den sie gegenüber der Öffentlichkeit als «folgenreich», ja «entscheidend» feiert. Vergangene Woche hat eine Spezialeinheit in Mexico City den 36-jährigen Oscar García Montoya verhaftet, Chef einer Bande mit dem skurrilen Namen «Die Hand mit Augen». García Montoya wütete selbst für mexikanische Verhältnisse mit unfassbarer Brutalität. Als ehemaliger Gefreiter der Marine und Absolvent einer militärischen Sonderausbildung sei er Härte gewohnt, sagte er nach seiner Verhaftung.

Oft enthauptete und zerstückelte er seine Opfer eigenhändig, um deren Körperteile in der Hauptstadt oder dem umliegenden Bundesstaat Estado de México zu verteilen. Es waren zumeist kleine Drogenkuriere, die sich geweigert hatten, für ihn zu arbeiten. Oder die ein paar Gramm Kokain abgezweigt hatten. Daher der Name der Gruppe: Die Dealer sollten in der ständigen Furcht leben, überwacht und bei der geringsten Verfehlung gnadenlos bestraft zu werden. Fast immer liess «Die Hand mit Augen» eine Botschaft zurück, wobei sie den Ermordeten selber sprechen liess. Auf einem Zettel, der neben dem abgeschlagenen Kopf eines Opfers lag, hiess es: «Mein Name ist Iván Cruz, und ich bin geköpft worden, weil ich Geschäftsleute erpresst habe.» Niemand, der nicht selber zur Bande gehörte, durfte kriminellen Aktivitäten nachgehen. Für García Montoya war dies «göttliche Gerechtigkeit».

Kämpfe um die Nachfolge

In jüngster Zeit haben die mexikanischen Ordnungskräfte viele Mafiabosse verhaftet oder erschossen, und doch tobt der Drogenkrieg weiter. Denn fast jedes Mal, wenn die Polizei einen Capo erwischt, brechen unter dessen Getreuen Nachfolgekämpfe aus. Die Unterbosse gründen ihre eigenen Organisationen, die sich gegenseitig bekriegen und neue Territorien erobern müssen.

Genau so war es auch bei García Montoya. Nachdem er aus der Armee desertiert war und eine Zeit lang als Gemeindepolizist gearbeitet hatte, begann er seine kriminelle Karriere beim Kartell der Gebrüder Beltran Leyva. Als dessen Anführer nach und nach ausgeschaltet wurden, schuf er Ende 2010 «Die Hand mit Augen». Bei seiner ersten Vernehmung gab García Montoya zu, 300 Morde selber begangen und 300 weitere in Auftrag gegeben zu haben. Ausserdem habe er geplant, in den nächsten Tagen sechs seiner Untergebenen umzubringen, weil er vermute, sie seien ihm untreu geworden. Er hätte die Opfer zerstückelt und die Tat gefilmt. «Wir haben eines der gefährlichsten Subjekte des Landes verhaftet. García Montoya zeigt nicht die geringste Reue», sagte der Generalstaatsanwalt des Estado de México.

Zum Verhängnis wurde dem Drogenboss, dass er vor dem Einschlafen sein Handy nicht ausgeschaltet hatte. Der Polizei gelang es, das Gerät zu orten. Auf den Erfolg der Ordnungskräfte fällt allerdings ein Schatten, wie er bezeichnend ist für die Zustände in Mexiko: Beim nächtlichen Sturm auf die Wohnung des Gesuchten drangen die Uniformierten zunächst irrtümlicherweise in die Heime von drei unschuldigen Familien ein. Dabei zerschlugen sie Mobiliar und stahlen Wertgegenstände.

Einer der Betroffenen ist der bekannte Dichter Efraín Bartolomé. Anderntags stellte er eine Schilderung des polizeilichen Übergriffes sowie Fotos seiner zerstörten Einrichtung ins Internet. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 15.08.2011, 06:24 Uhr)

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