Der kubanische Retter für die Republikaner

Für die Republikaner hält Marco Rubio die Gegenrede auf Obamas Ansprache zur Lage der Nation. Erst vor zwei Jahren schaffte der 41-Jährige den Sprung in den Senat. Er gilt in der Partei als Mann der Zukunft.

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In einer Partei, die gegen ihren Ruf als weisser Altherrenclub ankämpft, wird ein Politiker wie Marco Rubio schnell zum Hoffnungsträger. Rubio ist 41 Jahre alt, seine Eltern stammen aus Kuba, er spricht fliessend Spanisch - und gilt vielen als Mann der Zukunft bei den US-Republikanern.

Erst vor gut zwei Jahren schaffte Rubio den Sprung von den politischen Niederungen im Bundesstaat Florida auf die grosse Bühne des Senats in Washington. Nun darf er am Dienstag im Namen seiner Partei die Gegenrede auf Präsident Barack Obamas Ansprache zur Lage der Nation halten.

«Der republikanische Heiland»

Das US-Magazin «Time» hob Rubio mit der Schlagzeile «Der republikanische Heiland» auf seinen aktuellen Titel. Der gläubige Katholik antwortete prompt auf dem Online-Kurznachrichtendienst Twitter: Es gebe nur einen Heiland, und das sei Jesus Christus. Doch der telegene Rechtsanwalt und Vater von vier kleinen Kindern könnte die Antwort der Republikaner auf den demographischen Wandel in den Vereinigten Staaten sein, der die Partei derzeit zu marginalisieren droht.

Die traditionelle Basis der Republikaner, weisse Männer, verliert in den USA zunehmend an Gewicht. Die bisherigen Minderheiten in der Bevölkerung werden laut dem Statistikamt in drei Jahrzehnten zusammen die Mehrheit stellen. Das spielt nach derzeitigem Stand den Demokraten in die Hände: Bei seiner Wiederwahl im November votierten beispielsweise neun von zehn Afroamerikanern für Obama. Unter Wählern lateinamerikanischer Abstammung holte der Präsident 71 Prozent.

Eine rosige Zukunft für die Kinder

Gerade bei der Wählergruppe der Latinos, die sich dem Pew-Institut zufolge bis zum Jahr 2030 auf 40 Millionen fast verdoppeln dürfte, könnte Rubio die Republikaner konkurrenzfähig machen. Seine Eltern wanderten 1956 aus Kuba in die USA aus, drei Jahre bevor Fidel Castro die Macht auf der Karibikinsel übernahm. Vater Mario arbeitete als Kellner, Mutter Oria als Kassiererin und Zimmermädchen. Erst 1975, vier Jahre nach der Geburt von Sohn Marco, erhielten sie die US-Staatsbürgerschaft.

«Sie sind nach Amerika ausgewandert mit kaum mehr als der Hoffnung auf ein besseres Leben», sagte Rubio auf dem letzten Parteitag der Republikaner. In seiner Geschichte können sich die vielen Einwanderer aus Lateinamerika wiederfinden, die heute die Niedriglohnjobs in den Restaurants und Hotels der USA machen und von einer rosigeren Zukunft für ihre Kinder träumen.

Ein Aussenseiter bei der Senatswahl

Rubio schaffte es auf die Universität und machte 1996 einen Doktor in Jura. Der Einstieg in die Politik gelang ihm als Stadtrat von West-Miami, ehe er im Januar 2000 mit 28 Jahren in das Repräsentantenhaus von Florida einzog und dort 2007 erster hispanischstämmiger Parlamentspräsident wurde.

Drei Jahre später trat Rubio als Aussenseiter bei der Senatswahl an. Mit der Unterstützung der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung setzte er sich am Ende durch. Und Rubios Aufstieg setzte sich anschliessend in Washington fort: Im vergangenen Sommer wurde er vorübergehend sogar als möglicher Vize des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney gehandelt.

Rückbau des Staates

Wenn Obama am Dienstag zur Lage der Nation spricht, dürfte er an die Rede bei seiner Vereidigung Mitte Januar anknüpfen. Dort hatte sich der Präsident einer Reihe von Reizthemen für die Konservativen gewidmet, vom Klimawandel über schärfere Waffengesetze bis zu den Rechten von Homosexuellen. Obama warb auch für eine aktive Rolle des Staates in der Wirtschaft und eine stärkere Belastung der Reichen im Kampf gegen die Staatschulden.

Rubio sieht dagegen den Ausweg aus der Krise in einem radikalen Rückbau des Staates. Der Senator stimmte sogar gegen den Kompromiss, mit dem Demokraten und Republikaner im Kongress Anfang des Jahres die sogenannte Fiskalklippe abwendeten. Bei einem Thema unterscheidet er sich aber von den Hardlinern der Tea Party: Rubio fordert, den elf Millionen illegalen Einwanderern die Chance auf eine Staatsbürgerschaft zu geben. (wid/AFP)

(Erstellt: 12.02.2013, 21:11 Uhr)

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