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Der tiefe Fall eines CIA-Bosses

Der ehemalige US-General David Petraeus wird womöglich wegen Geheimnisbruchs angeklagt. Neue Enthüllungen setzen ihn noch mehr unter Druck.

Eine aussereheliche Affäre, die dem ehemaligen General zum Verhängnis werden könnte: David Petraeus und seine Biografin Paula Broadwell. (Archivbild)

Eine aussereheliche Affäre, die dem ehemaligen General zum Verhängnis werden könnte: David Petraeus und seine Biografin Paula Broadwell. (Archivbild) Bild: AFP

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Er war ein Superstar in der Welt des Militärs und der Geheimdienste. Als David Petraeus wegen einer Affäre im November 2012 vom Posten des CIA-Direktors zurücktrat, weinten ihm seine zahlreichen Verehrer heftige Tränen nach. Der Ex-General, befand damals der republikanische Senator John McCain, zähle zu «Amerikas grössten militärischen Helden». Auch der Präsident zollte dem ehemaligen Oberbefehlshaber im Irak und in Afghanistan Tribut: Die USA seien «sicherer wegen der von Mr. Petraeus geleisteten Arbeit», so Barack Obama.

Jetzt aber droht dem einstigen Idol eine Anklageerhebung wegen der Weitergabe geheimer Dokumente an seine Biografin Paula Broadwell, mit der Petraeus 2011 und 2012 eine aussereheliche Affäre hatte. Die «New York Times» enthüllte am vergangenen Freitag, Ermittler beim FBI verfügten über genügend Beweise und hätten dem Justizministerium deshalb eine Anklageerhebung gegen Petraeus empfohlen. Am Sonntag sagte Justizminister Holder in einem TV-Interview, eine Entscheidung «in einer Angelegenheit dieser Grössenordnung» werde «auf höchster Ebene» gefällt werden – also vom Präsidenten.

Belastendes Material aus CIA-Beständen

Das FBI drängt dem Vernehmen nach auch deshalb auf eine Anklage gegen den einstigen Vier-Sterne-General, weil der Geheimnisbruch umfassend gewesen sei und andere Geheimnisträger wegen wesentlich geringerer Vergehen bestraft worden seien. Petraeus hatte nach seinem Rücktritt vom Amt des CIA-Direktors im November 2012 behauptet, niemals vertrauliche Dokumente an Broadwell weitergegeben zu haben. Bei der Durchsuchung von Broadwells Computern im Anschluss an das Bekanntwerden der Affäre fand das FBI jedoch belastendes Material aus CIA-Beständen.

Anscheinend kommunizierten Petraeus und Broadwell per E-Mail mit Hilfe von Pseudonymen aus dem Film «Break Point» («Gefährliche Brandung»): Laut Insidern gab sich der CIA-Boss als «Agent Johnny Utah» aus und Broadwell als dessen Freundin «Tyler». Die Affäre zwischen Petraeus und Broadwell war aufgeflogen, nachdem sich Jill Kelley, eine Bekannte von Petraeus, beim FBI über anonyme Drohmails beklagt hatte. Eine nachfolgende Untersuchung ergab, dass die Mails von Broadwell stammten, die Kelley offenbar als Rivalin betrachtete.

Möglicher Präsidentschaftskandidat

Petraeus galt in Washington als extrem gut vernetzt und wurde sogar als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt, nachdem er 2007 im Irak Erfolge gegen sunnitische Aufständische und al-Qaida verzeichnen konnte. Besonders bei neokonservativen Befürwortern des Irakkriegs war der General wohlgelitten. Nach dem Ende seiner Tätigkeit in Kabul berief ihn Präsident Obama an die Spitze der CIA.

Kaum war am Wochenende bekannt geworden, dass das FBI eine Anklageerhebung gegen Petraeus befürwortet, sprangen dem Ex-General alte Freunde bei. In einer gemeinsamen Erklärung kritisierten Senator McCain und sein Kollege Lindsey Graham die Ermittlungen gegen Petraeus: In der derzeitigen Situation könnten sich «weder der Kongress noch das amerikanische Volk leisten», eine Stimme wie Petraeus zum Verstummen zu bringen. Die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein sprach sich ebenfalls gegen eine Anklageerhebung aus: «Meiner Ansicht nach hat dieser Mann genug gelitten», sagte Feinstein.

Das FBI hingegen befürchtet, eine Niederschlagung des Falls könnte negative Auswirkungen auf andere Verfahren wegen Geheimnisbruchs haben. Unter anderem ermittelt die Behörde derzeit gegen den pensionierten Marineinfanteristen-General James «Hoss» Cartwright. Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des US-Generalstabs steht im Verdacht, Geheiminformationen über den im Iran eingesetzten Stuxnet-Virus weitergegeben zu haben. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 12.01.2015, 21:35 Uhr)

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