Der unbequeme Republikaner
Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 04.02.2012 12 Kommentare
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Das Wahlzentrum ist in einem unscheinbaren Bürogebäude in einem Vorort von Reno untergebracht. Ein einziges Poster steht im Treppenhaus; sonst deutet nichts darauf hin, dass von hier aus einer der aufwendigsten und ehrgeizigsten Kämpfe aller republikanischen Vorwahlen geplant und koordiniert wird. Nevada ist für Ron Paul, was South Carolina für Newt Gingrich war. Der Aussenseiter der vier übrig gebliebenen Kandidaten will sich morgen Samstag in eine Spitzenposition schieben, um bis zum Parteitag im August weitermachen und dort ein gewichtiges Wort bei der Wahl-plattform mitreden zu können.
«In Nevada geht es um den Sieg. Wir haben alles vorgekehrt, um zu gewinnen und so viele Freiwillige aufgeboten, wie es braucht», erklärt Wayne Terhune, der regionale Wahlkampfchef in Reno. Im Raum nebenan werden ein Dutzend Helfer gerade mit den Feinheiten des Caucus-Systems vertraut gemacht, das für die Strategie von Paul von entscheidender Bedeutung ist.
Helfer zählen mehr als Geld
Vorwahlen in Caucus-Staaten werden nicht damit entschieden, wie viel Werbegelder ein Kandidat investieren kann. Auch erhält der Gewinner nicht alle Stimmen der Delegierten, wie Mitt Romney in Florida. Vielmehr müssen die Helfer eines Kandidaten die Wähler im Einzelnen gewinnen. Es finden so Dutzende von Minilandsgemeinden statt, an denen taktische Kniffe und persönliche Überzeugungskraft entscheiden. Es zählt weniger das Geld, als vielmehr die Zahl und Qualität der Helfer.
Weil Paul das Geld fehlt, dieses Manko aber mit Supportern wettgemacht werden kann, sind Caucus-Staaten wie Nevada oder auch Maine und Minnesota auf ihn zugeschnitten. In Nevada holte Paul schon 2008 hinter Mitt Romney am zweitmeisten Stimmen und schlug den Favoriten John McCain. Diesmal soll er noch besser organisiert sein. Nevada ist ein unberechenbarer Staat mit einem stark libertären Zug, also nahezu ein Spiegelbild des kompromisslosen Ron Paul und seiner libertären Wertvorstellungen. Zwar kann Paul übers ganze Land hinweg kaum mehr als 15 Prozent der Stimmen machen, sagt Eric Herzik, Politologe an der Universität von Nevada in Reno. «Aber in Nevada wird Paul besonders gut abschneiden. Hier kann er 20 bis 25 Prozent der Stimmen holen.»
Beliebt bei den Jugendlichen
Die Botschaft des texanischen Abgeordneten spricht besonders Jugendliche an. Der 76-Jährige ist für eine Freigabe der Drogen, nicht weil er für den Drogenkonsum wäre, sondern weil er eine Regulierung durch den Staat für verfassungswidrig hält. Das Gleiche gilt für Kriegseinsätze, die er wie im Fall von Irak ablehnt, weil dafür keine Bewilligung des Kongresses vorlag. Daraus folgt eine isolationistische Aussen- und Sicherheitspolitik, die das Partei-Establishment erzittern lässt. Dennoch: Die Botschaft der persönlichen Freiheit und der beschnittenen Regierung kommt gut an in einem Staat, der das Gambling und die Prostitution liberalisiert hat.
Dass Ron Paul weit abseits der Parteilinie steht, ist offensichtlich und macht ihn zu einem unmöglichen Kandidaten. Aber für Wechselwähler ist er attraktiv. So haben die Republikaner mit ihm zum ersten Mal überhaupt eine Art Antikriegsbewegung erhalten. Dies wiederum führte dazu, dass er mit Abstand die meisten der Wahlkampfspenden von Kriegsveteranen und aktiven Soldaten bekommt, die desillusioniert aus dem Irak und aus Afghanistan zurückkehren. Und auch links kommt seine Botschaft an. «Wir haben viele Demokraten auf unsere Seite ziehen können, die von Präsident Obama enttäuscht sind», sagt Wahlkampfchef Terhune.
Zudem greift Paul nach einem Teil der Stimmen der Mormonen und der Latinos, die in Nevada grossen Einfluss ausüben. Gerade bei den Mormonen könnte seine Botschaft der strikten Finanzvernunft gut ankommen: Exzessive Schulden sind aus ihrer Sicht amoralisch. Deshalb hoffen einige darauf, dass Paul in einer künftigen Regierung Romney eine Ministerstelle erhält.
Durchhalten bis zum August
Es wäre indessen eine gewaltige Überraschung, könnte Paul am Samstag Romney schlagen. Aber ein zweiter starker Platz, so der Politologe Herzik, verliehe ihm genügend Schub, um bis zum Schluss durchzuhalten. «Paul hat keine Absicht, sich vorzeitig abzumelden», bestätigt Terhune. «Er wird bis zum Parteitag im August durchziehen und bis dann so viele Delegierte gewinnen wie möglich».
Das Kalkül dahinter ist einfach: Gelingt es, die Mehrheit der Delegierten von nur 5 der 50 Bundesstaaten zu holen, hat Paul das Anrecht auf einen Sitz am Tisch der Parteiführung, die im August die Wahlplattform für die Präsidentenwahlen festlegt. Zu diesen fünf kritischen Staaten gehört Nevada. Im für ihn besten Fall könnte Paul damit der Partei seine Antikriegsbotschaft, die Forderung nach Abschaffung der Notenbank und andere libertäre Anliegen aufzwingen, die kaum zur internen Einigung beitragen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.02.2012, 12:26 Uhr
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12 Kommentare
Es gibt nur einer der USA wieder zu Respekt verhelfen kann das ist Ron Paul. Obama der Friedensnobelpreisträger (für was eigentlich?) Hat seine Versprechungen nie eingehalten. Siehe Guantanamo, Afganistan, Billionen Dollar in Zombie Banken. US Bürger verschwinden ohne Anklage in US Gefägnissen. Iran Krieg steht kurz bevor. Drogen? Dann die jungen US lieber im Krieg verheizen. -> = establishment Antworten
Danke Herr Niederberger, endlich einmal ein TA Artikel der nicht eine Hasstirade gegen Ron Paul ist. Paul wurde vor 4 Jahren in Nevada zweiter, dieses Jahr wird er nochmals stärker sein. Pauls Unterstützer sind enthusiastisch, jung, informiert und gebildet. Sie werden bei Sturm und Regen, Hitze oder Kälte in die Cacuslokale strömen, die besten Reden hatlen und die Leute überzeugen. Ron Paul 2012 Antworten
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