«Der zweitmächtigste Mann» sucht eine neue Herausforderung
Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 20.04.2010
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Rahm Emanuel, der umtriebige Stabschef Barack Obamas und gemäss der «New York Times» der «zweitmächtigste Mann im Land», hat neue Pläne. Er will Bürgermeister von Chicago werden. «Ich hoffe, dass der jetzige Bürgermeister Richard Daley sich wiederwählen lassen will. Ich würde ihn dabei unterstützen. Falls Daley dies aber nicht mehr will, so würde ich gerne eines Tages kandidieren», sagte Emanuel in einem Interview in der Talkshow «Charlie Rose».
Seit Monaten macht in den amerikanischen Medien das Gerücht die Runde, dass Emanuel nach neuen Herausforderungen suche. Gerade zu einer Zeit, als Obamas Gesundheitsreform auf der Kippe stand und die Zeitungen von einem verlorenen Jahr zu sprechen begannen, verdichteten sich die Gerüchte nach einer politischen Neuorientierung des Stabschefs. War es doch Emanuel, der Obama noch als einen der produktivsten Präsidenten seit Franklin D. Roosevelt gelobt hatte.
Im März berichtete das «New York Times Magazine», dass Emanuel den Wunsch nach dem Bürgermeisteramt seinen Freunden und Daley selbst bereits offen kommuniziert hatte. Auch auf Anfrage der «Washington Post» stritt Emanuel die Gerüchte nicht direkt ab. Stattdessen sagte er einfach, dass er als Stabschef weiterdienen wolle, «solange der Präsident dies will».
Eine Blitzkarriere
Zwar liebe er seinen jetzigen Job, doch bevorzuge er politische Wahlen und den Kontakt mit den Wählern, erklärte er Charlie Rose weiter. Es sei schon zu seiner Zeit als Abgeordneter sein Wunsch gewesen, einst Bürgermeister von Chicago zu werden. Emanuel selbst ist aus Chicago. Er vertrat als Abgeordneter einen Kongressbezirk der Grossstadt.
1989 stand Emanuel als Wahlhelfer an Richard Daleys Seite. Später fungierte der Sohn jüdischer Eltern als Berater der Clinton-Administration. Bevor er 2003 zum US-Abgeordneten gewählt wurde, verdiente er sich zuvor noch als Investmentbanker ein kleines Vermögen. Im Januar 2009 folgte er schliesslich dem Ruf Obamas. Seine aufbrausende und einmischende Art mit einer ungefilterten Sprache hat ihn den Übernahmen «Rahmbo» eingebracht.
Noch steht ihm Daley vor der Sonne
Ursprünglich aspirierte Rahm Emanuel für noch höhere Ziele. Er wollte Sprecher des Kongresses werden. Dieses Ziel hat er mittlerweile aufgegeben. «Das ist vorbei», lässt er sich zitieren. Das Bürgermeisteramt scheint für Emanuel die nächstbeste Lösung.
Noch muss sich Emanuel gedulden. Richard M. Daley ist seit 21 Jahren im Amt. Bereits dessen Vater war zwischen 1955 und 1976 Bürgermeister Chicagos. Der 68-jährige Daley möchte 2011 aller Voraussicht nach wieder kandidieren. So sagt es zumindest sein Bruder William Daley der «New York Times».
Barack Obama wird demnach noch etwas weiter auf seinen Stabschef zählen können. Und in Emanuel könnte nach der erfolgreichen Gesundheitsreform die Hoffnung zurückgekehrt sein, mit Obama doch noch einem Präsidenten von der Grösse Franklin D. Roosevelts gedient zu haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.04.2010, 11:29 Uhr
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