Detroit-Attentäter mit hängenden Schultern

Aktualisiert am 09.01.2010

Zwei Wochen nach dem knapp vereitelten Terroranschlag ist der 23-jährige Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab erstmals vor einem Gericht in Detroit erschienen.

1/17 Will sich selber verteidigen: Polizeifoto von Umar Farouk Abdulmutallab.
Bild: Reuters

   

Der Richter in Detroit verlas am Freitag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen die Anklage gegen den Nigerianer, der am Weihnachtstag in einem US-Flugzeug einen Sprengsatz zur Explosion bringen wollte. Umar Farouk Abdulmutallab schwieg und bekannte sich damit für nicht schuldig, wie der zuständige Richter befand. Eine Grand Jury (Anklagekammer) hatte den 23-Jährigen zuvor in sechs Punkten angeklagt, darunter wegen versuchten Einsatzes einer Massenvernichtungswaffe und versuchten.

Der gesamte Gerichtstermin dauerte weniger als fünf Minuten. Zeugen berichteten anschliessend, Abdulmutallab habe die Anklage mit hängenden Schultern vernommen. Auf die Frage des Richters, ob er unter Medikamenten stehe, habe er geantwortet, dass er Schmerzmittel nehme, der Anklage aber folgen könne.

Vor dem Gerichtsgebäude hatte sich in klirrender Kälte eine Gruppe von Muslimen mit Spruchbändern und US-Flaggen versammelt, um sich ausdrücklich von Terroraktionen zu distanzieren.

Aussicht auf lebenslange Haft

Abdulmutallab droht im Fall eines Schuldspruchs lebenslange Haft. Bis zur Prozesseröffnung könnte es aber noch Monate dauern. In den meisten grösseren Justizfällen folgt auf die Anklageverlesung noch eine Reihe von gerichtlichen Anhörungen, bevor schliesslich das Hauptverfahren beginnt.

Dieses dürfte nach Experteneinschätzung relativ kurz werden, weil die Beweislage klar sei: Abdulmutallab sei schliesslich auf frischer Tat ertappt worden.

Der Angeklagte hatte am ersten Weihnachtstag versucht, in einer aus Amsterdam kommenden Delta/Northwest-Maschine kurz vor der Landung in Detroit einen Sprengsatz zu zünden und dabei selber Verbrennungen erlitten. Den Sprengstoff hatte er in seiner Unterwäsche an Bord geschmuggelt. Er war von Mitreisenden überwältigt worden.

Obama übernimmt die Verantwortung

Am Donnerstag (Ortszeit) hatte US-Präsident Barack Obama die Verantwortung für die geheimdienstlichen Pannen im Vorfeld des Attentatsversuchs übernommen.

Er machte zugleich klar, dass voraussichtlich keine Köpfe rollen werden. Nach ersten Untersuchungsergebnissen seien die Fehler und Versäumnisse nicht die Schuld einzelner Personen oder Einrichtungen, sondern ein Versagen des gesamten Sicherheitssystems. «Und wenn das System versagt, liegt das in meiner Verantwortung», sagte Obama.

Zugleich kündigte er Schritte an, die eine Wiederholung derartig gefährlicher Pannen verhindern sollen. Dabei will der Präsident eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Ausland insbesondere bei der Verbesserung der Kontrollmassnahmen an den Flughäfen, so beim Screening, dem Durchleuchten an den Sicherheitssperren.

Die Ministerin für Innere Sicherheit, Janet Napolitano, will noch in diesem Monat in Spanien mit ihren europäischen Amtskollegen darüber sprechen. Das Treffen soll vom 20. bis 22. Januar in Toledo stattfinden.

Keine Einschränkung von Freiheit und Demokratie

Obama betonte, dass seine geplanten Massnahmen nicht auf Kosten von Freiheit und Demokratie gehen würden. «Wir werden unsere Verteidigung verstärken, aber wir werden uns nicht einer Belagerungsmentalität unterwerfen, die eine offene Gesellschaft und Freiheiten und Werte opfert, die wir als Amerikaner hochhalten.»

Der US-Präsident äusserte sich zu einem ersten Untersuchungsbericht der Regierung über die Pannen, der zeitgleich am Donnerstag in Washington veröffentlicht wurde.

Darin wird im wesentlichen herausgestellt, dass genügend Hinweise auf die Planung eines Anschlags durch die Terrororganisation Al- Kaida im Jemen und über die islamistische Radikalisierung von Abdulmutallab vorlagen, um den Anschlagsversuch von vornherein zu verhindern. Die einzelnen Informationen seien aber nicht ausreichend analysiert und zusammengefügt worden.

(vin/sda)

Erstellt: 09.01.2010, 06:11 Uhr

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