Ausland

Die Geheimnisse von Obamas Vater

Aktualisiert am 04.11.2009

Mark Ndesandjo, ein Halbbruder von US-Präsident Barack Obama, hat einen Roman veröffentlicht – mit teilweise unschönen Episoden aus der Familiengeschichte.

Ungleiche Brüder: Mark Ndesandjo und Barack Obama.

Ungleiche Brüder: Mark Ndesandjo und Barack Obama.
Bild: Keystone

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat sieben Halbgeschwister. Eines von ihnen, Mark Ndesandjo, ist diese Woche als Buchautor an die Öffentlichkeit getreten. In Shenzhen im Süden Chinas, wo er seit sieben Jahren lebt, präsentierte Obamas Halbbruder einen Roman mit autobiografischen Elementen.

Dabei gab er erstmals ein Interview, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Im Buch «Von Nairobi nach Shenzen» erzählt Mark Ndesandjo von einem Mann mit kenianischem Vater und amerikanischer Mutter. Der Protagonist des Romans verlässt nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die USA, um in der pulsierenden Metropole Shenzen ein neues Leben zu beginnen.

Trinker und Schläger

Das Buch wäre nicht unbedingt erwähnenswert, wenn der Autor nicht der Halbbruder des US-Präsidenten wäre. Dazu kommt, dass er auch Episoden aus der Familiengeschichte in seinen Roman einstreut. Mark Ndesandjo thematisiert den gemeinsamen Vater. Dagegen hatte Barack Obama in seiner Autobiografie den Vater weitgehend ignoriert. Dies erscheint durchaus nachvollziehbar, wenn die Erzählungen von Mark Ndesandjo stimmen. «Mein Vater schlug meine Mutter, und mein Vater schlug mich», berichtet der Buchautor, dessen Mutter, eine weisse Amerikanerin, die dritte Frau des Kenianers Barack Hussein Obama Senior (1936-1982) war. Obamas Mutter, Stanley Ann Dunham (1942–1995), war auch eine weisse Amerikanerin. Die Familienverhältnisse der Obamas sind kompliziert.

Die Tatsache, die gerne verschwiegen wird, ist, dass der Vater ein starker Trinker war und seine Familien vernachlässigte. Dies wird in der Erzählung «Von Nairobi nach Shenzen» deutlich. «Ich habe lange nach guten Erinnerungen an meinen Vater gesucht, es kam mir aber nichts in den Sinn», heisst es im Roman von Mark Ndesandjo, der als Marketingberater arbeitet, aber auch als Maler und Komponist tätig ist.

«Ich liebe ihn sehr»

Laut Mark Ndesandjo fürchtet das Weisse Haus die Veröffentlichung seines Romans. Gemäss der Nachrichtenagentur AP wollte ein Sprecher des Weissen Hauses weder zum Buch noch zu den Aussagen des Halbbruders des Präsidenten Stellung nehmen. Das Verhältnis zwischen Barack Obama und Mark Ndesandjo werde nicht öffentlich kommentiert. Mark Ndesandjo selber sagt wenig über seine Beziehung zu seinem berühmten Halbbruder, der genau vor einem Jahr zum mächtigsten Mann gewählt worden war.

Mark Ndesandjo besuchte als Familiengast die Inauguration des US-Präsidenten im letzten Januar. Im vergangenen Jahr hatte er Obama anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung in Austin (Texas) gesehen. «Wir haben geplaudert und Scherze gemacht. Ich habe ihm ein kleines Geschenk überreicht. Ich war einfach glücklich und stolz auf ihn. Ich liebe ihn sehr», erinnert sich Mark Ndesandjo, der sein Alter nicht preisgeben will. Er sagt lediglich, dass er jünger sei als Barack Obama, der 48 Jahre alt ist. Obama zu treffen, sei eine grossartige Erfahrung gewesen.

Weitere Obama-Bücher

Mark Ndesandjo will seinen Halbbruder demnächst in Peking treffen. Obama wird vom 15. bis 18. November China besuchen. Es ist seine erste Reise ins Reich der Mitte. «Ich will ihm meine Frau vorstellen», sagt Mark Ndesandjo, «sie ist der grösste Fan von Obama.»

Mark Ndesandjo ist nicht der einzige Obama-Verwandte, der ein Buch veröffentlicht. Ein anderer Halbbruder des US-Präsidenten, der 27-jährige George Obama, der in Kenya lebt, wird im nächsten Januar seine Memoiren präsentieren. Buchprojekte haben auch andere, zum Beispiel Maya Soetoro-Ng, eine Halbschwester von Obama. Auch Craig Robinson, der Bruder von Michelle Obama, plant ein Buch.

(vin)

Erstellt: 04.11.2009, 15:48 Uhr


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