Ausland

Die Republikaner – eine Partei dreht durch

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 30.07.2009

Alte weisse Männer machen eine sinnlose Obstruktionspolitik. Die stolze Grand Old Party der USA verkommt zu einer Sekte und verliert die Jungen.

«Republican Response» – die Antwort der Republikaner auf die Gesundheitsreform. Der Elefant ist das Symboltier der Partei.

«Republican Response» – die Antwort der Republikaner auf die Gesundheitsreform. Der Elefant ist das Symboltier der Partei.
Bild: Matson/St.Louis Post

Ein Gesundheitswesen, das alle versichert, ist für einen modernen Staat eine Selbstverständlichkeit – sollte man meinen. Für die amerikanischen Republikaner ist das bereits «sozialistisch», oder zumindest «französisch». Die Partei, die Individualität und Freiheit auf ihre Fahnen geschrieben hat, ist überzeugt, dass alle, die keine Krankenkasse haben, zu faul zum arbeiten sind. In der grossen Diskussion um die Gesundheitsreform machen es sich die Republikaner sehr leicht: Sie sagen zu allem Nein und verzichten darauf, selbst Vorschläge zu präsentieren.

Seit den verlorenen Wahlen sind die Republikaner aus dem Tritt geraten. Die Koalition aus Konservativen, Neoliberalen und christlichen Fundamentalisten ist am Zerbrechen, die Hardliner setzen sich durch. Diese sind überzeugt, dass die Grand Old Party (GOP) nur deswegen unterlegen ist, weil sie ihren eigenen Idealen untreu geworden ist. Sie setzen deshalb auf noch mehr Markt, verlangen noch tiefere Steuern und erklären den Klimawandel für inexistent. Stars der Partei sind deshalb Leute wie Rush Limbaugh, ein unglaublich demagogischer Radiomoderator, oder Sarah Palin, die gescheiterte Vize-Präsidentin. Sie ist soeben als Gouverneurin von Alaska zurückgetreten – gerüchteweise, um ihre Präsidentschaftskandidatur für 2012 vorzubereiten.

«So populär wie das Zölibat»

Die neue Partei der Hardliner kommt schlecht an. Bloss noch 27 Prozent der Amerikaner würden heute die GOP wählen. Vor allem bei den immer wichtiger werdenden Hispanics stossen die Republikaner auf immer weniger Sympathien. Selbst im konservativen Süden ist ihr Stern am Sinken, und völlig unten durch ist die GOP bei den Jungen: «Bei den 18– bis 30-Jährigen sind die Ideen der Republikaner etwa so populär wie das Zölibat», spottet der «Economist».

Für David Brooks, konservativer Kolumnist in der «New York Times», ist das kein Zufall. «Die Republikaner sind derzeit so besessen von Individualismus und Freiheit, dass sie nicht mehr als Partei der Gemeinschaft und der bürgerlichen Ordnung wahrgenommen werden», schreibt er. «Deshalb verlieren sie den Draht zu den Jungen, die sehr gemeinschaftsorientiert sind.»

Sozialismus und liberaler Faschismus

Die Amtszeit des Duo Bush/Cheney hat die Glaubwürdigkeit der Republikaner zerstört. Deshalb haben sie sich total auf das Feld der Ideologie verlegt. Ihr Widerstand gegen die Ernennung von Sonja Sotomayor als oberste Bundesrichterin war lächerlich. Weil es gegen die tüchtige Juristin keine sachlichen Einwände gab, wollten sie ihr einen Strick drehen aus einer flapsigen Bemerkung, wonach eine Latina manchmal vernünftiger urteile als ein weisser Richter.

Für die Republikaner dieser Tage ist ein Gesundheitswesen für alle Sozialismus, die Rettung der Autoindustrie liberaler Faschismus, der Kampf gegen die Klimaerwärmung beides. Wenn Präsident Obama mit dem Iran verhandelt, verrät er die Interessen der USA. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.07.2009, 11:18 Uhr


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