Ausland

Die Vereinigten Pleitestaaten

Aktualisiert am 01.02.2011 41 Kommentare

In den USA stecken die meisten Bundesstaaten tief im Schuldenschlamassel, einige stehen sogar vor dem Bankrott.

1/5 Der US-Bundesstaat Nevada – hier die Casinostadt Las Vegas – rechnet für 2012 mit einem Haushaltsloch von 1,5 Milliarden Dollar. Entscheidend ist aber, dass Nevada 45,2 Prozent seines Budgets nicht finanzieren kann.
Bild: AFP

   

1'500'000'000'000 Dollar: So gross ist das Haushaltsdefizit der USA nach Angaben des US-Rechnungshofes im laufenden Etatjahr. Die stolze amerikanische Nation wird also mehr Schulden machen als jemals zuvor in ihrer Geschichte. Doch damit nicht genug: Die Schuldenkrise hat längst auch die Bundesstaaten erfasst. Gemäss einem Bericht von «Spiegel Online» prognostiziert das unabhängige Center on Budget and Policy Priorities (CBPP) Haushaltslücken von insgesamt fast 125 Milliarden Dollar. Manchen US-Bundesstaaten droht sogar der Bankrott. Und das wäre ein historisches Novum.

Den unrühmlichen Spitzenplatz der Pleitekandidaten nimmt Kalifornien ein. Der Staat, der bis vor ein paar Wochen von Hollywoodheld Arnold Schwarzenegger regiert wurde, hat ein Haushaltsdefizit von 25,4 Milliarden Dollar. Hinter Kalifornien folgen Illinois (15 Milliarden Dollar) und Texas (13,4 Milliarden Dollar). Das dramatische Ausmass der Schuldenkrise zeigt eine andere Zahl: der prozentuale Anteil der Schulden am laufenden Haushalt. In dieser Rangliste steht Nevada an der Spitze: Nevada kann 45,2 Prozent seines Budgets nicht finanzieren. Auf den nächsten Plätzen folgen Illinois (44,9 Prozent) und Texas (31,5 Prozent). Und der notorische Pleitestaat Kalifornien kann 29,3 Prozent seines Haushalts nicht aufbringen.

Republikaner bringen Bankrott-Option ins Spiel

Was können die hochverschuldeten Staaten tun, um aus der Misere zu kommen? Eine Antwort lautet: harte Sparprogramme und drastische Steuererhöhungen. Eine andere Antwort ist: Bankrott erklären. Der US-Kongress möchte in den nächsten Wochen mit Anhörungen klären, ob und wie Bundesstaaten Insolvenz anmelden können. Gemäss der amerikanischen Verfassung können zwar Städte und Landkreise den Bankrott erklären, aber nicht Bundesstaaten - zumindest bis jetzt ist das so. Die Bankrott-Option haben führende republikanische Parlamentarier in der letzten Woche in die Diskussion eingebracht.

Ein Insolvenzverfahren würde es der öffentlichen Hand erlauben, ihre Finanzen zu ordnen und zum Beispiel Verträge mit Gewerkschaften der Angestellten im öffentlichen Dienst neu zu verhandeln anstatt staatliche Hilfsgelder anzunehmen. Analysten und die Bundesstaaten selbst sind dagegen skeptisch. Sie haben Sorge, dass die Bankrott-Option Investoren davon abhalten könnte, Staatsanleihen zu kaufen. Dadurch würden nach Ansicht der Kritiker Zinsen steigen und damit Kredite teurer werden.

Rettungspaket oder Rettungsschirm nicht realistisch

Neue Bankrottgesetze zugunsten von Bundesstaaten werden diskutiert, weil aus Washington keine substanziellen Rettungsaktionen zu erwarten sind. Eric Cantor, Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, schloss die Idee eines Rettungspakets für die Staaten - analog zu dem für die Wall Street - kategorisch aus. Unrealistisch ist auch ein Rettungsschirm wie in Europa, der potenzielle Pleitestaaten unterstützt. Auch die US-Notenbank (Fed) möchte sich nicht in die Schulden der Staaten einmischen.

Rasches Handeln tut aber not, weil die Haushaltslöcher der Bundesstaaten noch grösser zu werden drohen. Die Gelder, mit denen Washington die Staaten durch die Rezession half, werden spätestens ab dem Haushaltsjahr 2012 nicht mehr fliessen. Hinzu kommt, dass die republikanische Mehrheit im US-Repräsentantenhaus viele staatliche Programme kürzt, von denen die Bundesstaaten bisher profitierten. Schliesslich gibt es obligatorische Kostensteigerungen, etwa im Gesundheitswesen, oder strukturelle Probleme, zum Beispiel bankrotte Gemeinden. Die Steuereinnahmen werden dank des Aufschwungs zwar wieder steigen, aber sie tun dies mit Verzögerung. Viele Beobachter und Experten sind sich einig: Die Finanzlage der US-Bundesstaaten ist dramatisch. (vin)

Erstellt: 01.02.2011, 11:14 Uhr

41

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

41 Kommentare

Geri Mouse

01.02.2011, 11:36 Uhr
Melden

Der zweite schwarze Freitag ist vorprogrammiert und eigentlich kann es sich nur noch um Monate handeln. Wenn der Staat trotz Geld-Drucker-Presse plötzlich seine Schulden nicht mehr bezahlen kann, dann sind die Weichen schon gestellt. Ich rate jedem der Hypotheken hat diese so schnell und so viel er kann zu bezahlen. Sonst sitzt er auf der Strasse, jetzt läuft die Uhr ab, definitiv. Antworten


Roman Stutz

01.02.2011, 11:40 Uhr
Melden

Und wie sieht es mit dem Verschuldungsgrad unserer Kantone aus? Genf soll an die 10 Mrd CHF Schulden vor sich herschieben.. Antworten




Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Jobs

Jobs, in die man sofort wechseln will!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.