Die Wut auf Kubas Regime wächst

Von Sandro Benini, Lima. Aktualisiert am 27.02.2010

Der Tod des kubanischen Dissidenten Zapata hat zu Protesten geführt. Raúl Castro schiebt die Schuld auf die USA – und lässt weiter Oppositionelle verhaften.

Der Druck auf Kubas Regime wächst: Fidel (links) und sein Bruder Raúl Castro.

Der Druck auf Kubas Regime wächst: Fidel (links) und sein Bruder Raúl Castro.
Bild: Keystone

Vor der Beerdigung des kubanische Dissidenten Orlando Zapata ist es auf Kuba zu massiven Repressionen gekommen. Am Dienstag war der Maurer nach einem 85-tägigen Hungerstreik gestorben, mit dem er gegen die schlechten Haftbedingungen und die Gewalttätigkeit seiner Wärter protestieren wollte.

Vorgestern fand im ostkubanischen Banes die Beerdigung statt. Das kommunistische Regime bot Hunderte Sicherheitskräfte auf, um Ausschreitungen zu verhindern. Neben Familienangehörigen und Freunden des Verstorbenen nahmen Dissidenten am Trauerakt teil. Dabei war der Ruf «Nieder mit der Diktatur!» zu hören. «Mein Sohn, sie haben dich ermordet, weil du dich nicht ergeben hast. Du bist aufrecht gestorben», sagte Zapatas Mutter.

Hungerstreike

Im Vorfeld der Beerdigung hatte die Regierung rund 30 Dissidenten kurzzeitig festgenommen und über andere eine Ausgangssperre verhängt. Am Freitag haben fünf Dissidenten ebenfalls einen Hungerstreik begonnen. Laut einem europäischen Diplomaten könnte der Hungertod des 42-Jährigen die zerstrittene Opposition einen. Abzuwarten bleibt, wie lange dieser Effekt anhält.

Massive Kritik an der Regierung von Raúl Castro kam aus dem Ausland. Der spanische Ministerpräsident José Luis Zapatero forderte die sofortige Freilassung sämtlicher politischer Gefangener. Amnesty International prangerte die «Grausamkeit» des kommunistischen Regimes an, während kubanische Exilgruppen in den USA verlangten, Barack Obama solle seine Verständigungsversuche mit Castro abbrechen.

Lula unter Druck

Unter Druck geriet auch Brasiliens Präsident Lula, der wenige Stunden nach Zapatas Tod zu seinem vierten Staatsbesuch auf der Insel eintraf. Zwar drückte Lula sein «tiefes Bedauern» aus; er weigerte sich aber, mit Dissidentengruppen zusammenzutreffen, und besuchte stattdessen an der Seite von Raúl Castro den Hafen Mariel, der gegenwärtig mit einem brasilianischen Kredit von 150 Millionen Dollar renoviert wird.

Auch Raúl Castro bedauerte Zapatas Tod, schob die Schuld jedoch auf die Konfrontationspolitik der USA. Als Zapatas Mutter in Banes davon hörte, sagte sie: «Ich weise jede Beileidsbekundung der kubanischen Regierung zurück, denn das sind Orlandos Mörder.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.02.2010, 08:12 Uhr

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