Ausland

Die braune Wolke ist verschwunden

Aktualisiert am 19.07.2010 22 Kommentare

Der Konzern BP hat den Ölaustritt im Golf von Mexiko nach eigenen Angaben zum ersten Mal seit Beginn der Katastrophe stoppen können. Doch jetzt beginnt das bange Warten.

1/45 Wie alles begann: Eine Chronologie der Katastrophe
Am 20. April 2010 kommt es im Golf von Mexiko auf der Ölplattform Deepwater Horizon zu einer Explosion und Feuer.

   

Livestream vom Bohrloch

Fall Lockerbie

BP steht in den USA weiterer politischer Ärger ins Haus. Am 29. Juli muss sich BP im Senat Vorwürfen stellen, der Konzern habe auf die Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi aus schottischer Haft Einfluss genommen.

BP hatte zuvor eingeräumt, bei der britischen Regierung vorstellig geworden zu sein. Man sei besorgt gewesen, dass Verzögerungen bei der Freilassung Al-Megrahis ein Bohrvorhaben vor der libyschen Küste beeinträchtigen könnten. BP erklärte jedoch, in der Sache selbst nicht Einfluss genommen zu haben.

Tiefseebohrung begonnen

Brasiliens staatlicher Ölkonzern Petrobras hat am Donnerstag vor der Atlantikküste des südamerikanischen Landes mit der Ausbeutung von Ölvorkommen in grosser Meerestiefe begonnen. Aus einem knapp 5000 Meter tief liegenden Ölfeld vor der Küste des Bundesstaates Espírito Santo sollen zunächst 13'000 Barrel pro Tag gefördert werden, wie Petrobras mitteilte. Bis Ende 2010 würden mehrere Bohrlöcher mit einer Plattform verbunden und die Förderung dann bei bis zu 100'000 Barrel am Tag liegen.

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Am Golf von Mexiko beobachtet man gebannt die Bilder der Tiefseekameras: Nachdem es BP (BPAM 4.886 -1.67%) am Donnerstag erstmals seit Beginn der Ölpest vor knapp drei Monaten gelungen ist, das defekte Bohrloch wieder zu schliessen, wird sich nun in den nächsten 48 Stunden zeigen, ob die Auffangeinrichtung dauerhaft dem Druck des Öls standhält. Seit Beginn der Katastrophe sind Schätzungen zufolge schon bis zu 700 Millionen Liter Öl ins Meer geflossen.

Die vorläufige Erfolgsmeldung von BP kam exakt 85 Tage, 16 Stunden und 25 Minuten nach der ersten Explosion auf der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April, mit der die Katastrophe begann und bei der elf Arbeiter getötet wurden. Dabei hatte es am Donnerstag zunächst wieder einmal nicht gut ausgesehen. Der Beginn der Arbeiten musste verschoben, weil eine der von dem Bohrloch zur Meeresoberfläche aufsteigenden Leitungen defekt war. Danach konnten aber an der neuen Auffangvorrichtung alle drei Ventile geschlossen.

Keine dauerhafte Lösung

Tests sollten nun zeigen, ob die Vorrichtung dem Druck standhält. In den kommenden bis zu 48 Stunden wird gemessen, ob die neue Abdichtung dem Druck des hervorsprudelnden Öls standhält. Hoher Druck wäre dabei ein gutes Zeichen, weil er darauf hindeuten würde, dass sich das Öl tatsächlich in dem Trichter sammelt. Niedrigere Messwerte würden bedeuten, dass es ein Leck irgendwo weiter unten im Bohrkanal gibt.

Eine dauerhafte Lösung ist der Trichter aber nicht: Um den Austritt des Öls endgültig zu stoppen, treibt der Konzern derzeit zwei Entlastungsbohrungen voran. Bis diese erfolgreich sind, können aber noch Wochen vergehen.

Von Zeit zu Zeit wieder geöffnet

Zur grossen Erleichterung von Millionen Menschen am Golf von Mexiko verschwand am Donnerstag aber erstmals die braune Wolke, die auf den Live-Videos vom defekten Bohrloch seit Beginn des Unglücks ständig zu sehen war. BP mahnte aber, noch nicht allzu optimistisch zu sein. Denn selbst wenn die Anlage zwei Tage lang hält, werden die Ventile von Zeit zu Zeit wieder geöffnet werden.

Ingenieure nehmen dann seismische Messungen vor, um sicher zu gehen, dass Öl und Gas nicht aus der Quelle in das Gestein entweichen, erklärte der Beauftragte von US-Präsident Barack Obama, Thad Allen. Obama sprach von einem positiven Signal, mahnte aber: Wir sind noch in der Testphase.» (bru/afp/dapd/sda)

Erstellt: 15.07.2010, 22:14 Uhr

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22 Kommentare

Bondra Peter

16.07.2010, 10:39 Uhr
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@Peter Keller: Und ganz ohne Ingenieure würden wir auch ohne Oel auskommen müssen. Und die Bankster würden IHRE Geschäfte mit dem Rechenschieber tätigen; selbstverständlich lokal und nicht global. Antworten


Roland Moser

15.07.2010, 17:42 Uhr
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Wenn ich den Artikel richtig verstehe, soll das Bohrloch jetzt provisorisch verschlossen werden? Wenn es klappt ist ja gut, wenn nicht könnte doch auch das austretende Öl abgesaugt werden? Antworten




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