Ausland

Die hässliche Antwort auf Obama

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 21.09.2009 31 Kommentare

Die Wut auf den amerikanischen Präsidenten und seine Reformen ist nicht rassistisch bedingt. Sie beruht auf dem Hass auf die Macht der Regierung, der Wirtschaft und der Medien. Ein Mann kann das Gefühl perfekt umsetzen: Glenn Beck.

Voller Emotionen: Glenn Beck in seiner täglichen Sendung.

Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk nennt sein jüngstes Buch «Du musst dein Leben ändern». Er trifft damit den Nerv des aktuellen Lebensgefühls in Mitteleuropa. Der amerikanische Radio- und TV-Kommentator Glenn Beck setzt auf ein anderes Thema. Er tritt täglich von seine wachsende Schar von Fans und vermittelt ihnen Variationen des immer gleichen Themas: «Irgendetwas stimmt nicht mehr in unserem Land». Beck trifft damit voll das politische Bewusstsein von den Staaten in der Mitte Amerikas, von Joe Sixpack, dem ländlichen Durchschnittsamerikaner. Das macht ihn zum derzeit gefährlichsten Populisten der USA.

Radio- und TV-Kommentatoren spielen speziell bei der amerikanischen Rechten schon lange eine herausragende Rolle. Der etwas in die Jahre gekommene Rush Limbaugh wird derzeit gar als der inoffizielle Führer der etwas desorientierten Republikaner bezeichnet. Auch Figuren wie Bill O'Reilly und Sean Hannity haben in der konservativen Szene Kultstatus. Ihre Tiraden gegen zu hohe Steuern, zu liberale Medien und französische Sozialisten haben ein treues Stammpublikum.

Er hat mehr als die anderen

Beck hat all das – und noch ein bisschen mehr: Er ist erstens jünger, nämlich 45, und er ist zweitens ein brillianter Redner. «Vergessen Sie für einen Moment, was der Radio- und Fox-TV-Schwätzer Glenn Beck inhaltlich sagt und wundern Sie sich einen Moment, wie lange er es sagen kann – und wie präzis und witzig er sein kann», schreibt gar die «New York Times» unverhohlen bewundernd.

Beck selbst bezeichnet sich als harmlosen Unterhalter und «Rodeo Clown». Bei seinen Kritikern hingegen wächst die Angst, dass er sich zu einem wahren politischen Monster entwickeln könnte. Obwohl bei Fox News, dem Sender der Konservativen, vorläufig noch im Vorprogramm auftreten muss hat er bereits so viele Zuschauer wie der Star des Senders, Bill O'Reilly. Und seine Beliebtheit wächst, nicht nur weil er jünger ist, sondern auch weil er talentierter ist. Beck ist kein «Shouter», einer die die immer gleichen Hasstiraden herausbrüllt. Er bricht manchmal in Tränen aus und versteht es perfekt, mit dem derzeit mächtigsten Gefühl der Menschen zu spielen: der Angst.

Verschwörung der Regierung

Beck ist zudem kein Vertreter des Establishment. Seine Mutter hat Selbstmord begangen, er selbst war drogen- und alkoholsüchtig und hat eine hässliche Scheidung hinter sich. Seine Wut richtet sich nicht nur gegen Washington, sondern genauso gegen Wallstreet. Unsere Regierung und die gigantischen Konzerne haben sich zusammengetan und gegen euch verschworen, hämmert er seinen Zuschauern und Zuhörern immer wieder ein. Beck schreckt auch nicht davor zurück, die enge personelle Verknüpfung zwischen der Investmentbank Goldman Sachs und der Regierung auf einem Chart dazustellen oder auf der amerikanischen Flagge die Sterne durch Logos von Firmen wie General Motors und Citigroup zu ersetzen.

Nach dem klaren Wahlsieg von Barack Obama glaubten viele an das Ende von Rush Limbaugh & Co. Angesichts des desolaten Zustandes der Republikaner nach George W. Bush und Dick Cheney glaubten viele sogar ans Ende des Konservatismus. Die heftigen Protesten der letzten Wochen und der kometenhafte Aufstieg von Glenn Beck zeigen, wie unsinnig diese Hoffnung war. Die Proteste gegen Regierung und ihren schwarzen Präsidenten sind nicht ein Ausdruck des Rassismus, wie der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter glaubt. Sie machen deutlich, was für ein Potenzial die Mischung von Hass und Angst im amerikanischen Populismus noch aufweist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.09.2009, 15:03 Uhr

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31 Kommentare

Daniel Koch

21.09.2009, 16:14 Uhr
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@Till Michaels: Als aufgeklärter Europäer, der die Geschichte und Politik der letzten 100 Jahre verfolgt hat schockiert mich "Fox News" ZUTIEFST. Dies ist populistische News-Berichterstattung auf allerunterstem Niveau. Wie können sie diesen Mr Beck "bewundern"? Fox News ist vergleichbarar mit zensurierter Propaganda-News-Journalismus in China oder Nordkoerea. Fox News is a big shame for the USA! Antworten


Thomi Horath

21.09.2009, 15:20 Uhr
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Eines der Hauptprobleme in den USA ist in meinen Augen, dass die Regierung der Bevölkerung keinen klaren Wein einschenkt. ... und dass es die Bevölkerung langsam merkt. Antworten




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