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Die pure Geilheit – wie Sexskandale Karrieren zerstören

In den USA haben schon Dutzende Sexskandale den politischen Alltag erschüttert. In den meisten Fällen stolperten die Amtsträger über ihre eigene Dummheit.

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Erster Sexskandal der modernen Zeit, 1974: Der Abgeordnete im Repräsentantenhaus Wilbur Mills und seine Stripperin Fanne Foxe.
Bild: Keystone

   

Bei einem Sexskandal spielt die Parteizugehörigkeit der involvierten Personen keine Rolle. Die Öffentlichkeit lechzt geradezu nach jedem noch so kleinen Detail. Jüngstes Beispiel: Der Gouverneur von South Carolina und Hoffnungsträger der Republikaner war plötzlich spurlos verschwunden. Das Geheimnis seiner Abwesenheit lüftete sich bald: Mark Sanford gestand Ende Juni bei einer emotionsgeladenen Pressekonferenz eine monatelange aussereheliche Affäre mit einer Argentinierin, die er jeweils in Buenos Aires besuchte.

«Es ist nur Geilheit», kommentiert Sally Quinn, eine erfahrene Journalistin und Kolumnistin in Washington, das Interesse an diesem und ähnlichen Skandalen. «Sex verkauft sich gut und jeder interessiert sich dafür», sagt Quinn gegenüber CNN. Ein Sexskandal habe eben alle Ingredienzen für eine gute Geschichte: Sex, Macht, Geld und den Fall von ganz oben nach ganz unten.

Kennedy wurde geschont

Die Fehltritte der Amtsträger reichen bis zur Geburtsstunde der Politik zurück. Dass sich aber die Medien und damit die breite Öffentlichkeit so sehr für das private Sexleben von Politikern interessieren, ist ein relativ neues Phänomen. «In der Vergangenheit wurden solche Dinge nicht aufgedeckt. Präsident John F. Kennedy konnte tun und lassen was er wollte», sagt Paul Slansky, Autor des Buches «The Little Quiz Book of Big Political Sex Scandals».

Wie er der Newsseite von CNN erklärt, bemerkte die Presse erst bei der Watergate-Affäre um Präsident Richard Nixon, dass das Ausleuchten des Privatlebens von Politikern hohe Auflagen garantiert. Als Nixon dann 1974 zurückgetreten sei, habe sofort eine gähnende Leere in den Boulevardblättern geherrscht, so Slansky.

Stripperin sprang ins Wasser

Doch die Ruhe hielt nicht lange an. Nur zwei Monate später sollte das nach Klatsch gierende Volk bereits wieder Nahrung erhalten: Der demokratische Parlamentarier Wilbur Daigh Mills trat auf die Bühne.

Am 7. Oktober 1974 wurde Mills in einen Vorfall mit einer argentinischen Stripperin namens Fanne Foxe verstrickt. Sein Auto wurde spät in der Nacht durch die Polizei angehalten. Als die Beamten das Auto erreichten, stürmte seine Begleiterin aus dem Auto und sprang in den nahe gelegenen Tidal Basin beim berühmten weissen Marmor-Obelisken von Washington. Ungeachtet des Skandals wurde Wilbur Mills im November 1974 in den Kongress wiedergewählt.

Doch der Demokrat lernte aus dem ersten Skandal scheinbar nichts: Im Dezember 1974 tauchte Mills zum Entsetzen aller auf der Bühne eines Bostoner Stripclubs auf, wo seine Fanne Foxe tanzte. Kurz nach diesem zweiten peinlichen Auftritt wurde Mills durch die öffentliche Meinung gezwungen, von seinem Vorsitz im Steuerbewilligungsausschuss zurückzutreten.

«Mills sah nicht gut aus und im Land kannte ihn kaum einer, doch diese Geschichte war einfach zu verrückt und sensationell. Ich denke, es war der erste Sexskandal der modernen Zeit», sagt Slansky.

Einen Skandal überleben

In den Jahrzehnten danach stolperten Dutzende Politiker über Sexskandale. Für manche lief es glimpflich ab: Bill Clinton überlebte seine Affäre mit Monica Lewinsky. Nur knapp entging er einem Amtsenthebungsverfahren. Für andere bedeutete es den Todesstoss für ihre Karriere: Der Republikaner Mark Foley aus Florida erholte sich nie mehr. Auch der Gouverneur von New York, Eliot Spitzer, ist tief gefallen. Er ist allerdings dabei sich wieder aufzurappeln: Als Kritiker der Lohn-Exzesse bei den Banken versucht er sich gegenwärtig erneut zu profilieren.

Manchmal servieren Politiker den Skandal sogar auf dem Silbertablett. 1988 war Gary Hart einer der vielversprechendsten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Nach Anschuldigungen aus der Presse, er habe eine aussereheliche Affäre, forderte er die Medien auf, ihm zu folgen. «Die Journalisten werden sehr gelangweilt sein», sagte er da noch selbstsicher.

Kurz danach wurde er vor einem Boot fotografiert, wie er eine 29-jährige Frau Donna Rice auf seinem Schoss sitzen hat. Der Name des Schiffs: «Monkey Business» (deutsch: Unfug, krumme Tour). Eine Woche später gab er das Rennen ums Weisse Haus auf.

Jeder Fall hat seine eigene Dynamik. Doch die Kolumnistin Quinn sagt gegenüber CNN, es gebe einen Schlüssel um den Skandal zu überleben. «Man braucht eine sehr dicke Haut und muss den Leuten sagen: ‹Tut mir leid, ich gehe nicht›.» Der einzige Weg, um die Gunst der Öffentlichkeit wieder zu gewinnen, heisse: Nichts mehr sagen und sich sehr hart um den Job zu kümmern, den man zu erledigen hat. (bru)

Erstellt: 23.07.2009, 16:01 Uhr

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10 Kommentare

André Schaffner

10.09.2009, 11:49 Uhr
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Ich denke auch in der Schweiz könnte manche Dame aus dem horizontalen Gewerbe pikante Geschichten unserer Politiker erzählen. Antworten


Paul Thürig

24.07.2009, 11:15 Uhr
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Sogenannte Amtsträger sind offenbar nicht intelligenter als das gewöhnliche "Fussvolk"... Antworten


Paula Gerber

24.07.2009, 10:00 Uhr
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Es sind halt Amerikaner, dass sagt doch schon alles – oder! Antworten


Lars Mazzucchelli

24.07.2009, 08:40 Uhr
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Wer weiss schon, wie sich die Ehefrauen der Politiker die vielen einsamen Abende, an denen ihre Männer Politik machen, versüssen? Menschen sind - trotz aller ethischer Bemühungen - unter dem Strich Evolutionsmaschinen, die relativ einfach funktionieren, nach den beiden Gesetzen: 1. Überleben, 2. Vermehren. Antworten


Ulrich Raumer

24.07.2009, 07:15 Uhr
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Politik in Amerika ist halt ein Drecksgeschäft. Einerseits ist es big business und andererseits gibt es Wählergruppen die man als Politiker nicht verärgern sollte. Deswegen die Bigotterie. Und es wird gelogen, das sich die Balken biegen. Zitat; "We have the best politicians money can buy". Wer als Saubermann dastehen will, darf das 11. Gebot nicht übersehen. "Du sollt Dich nicht erwischen lassen" Antworten


Serge Jacometti

23.07.2009, 19:02 Uhr
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Kann mir mal jemand erklären was denn genau so skandalös ist? Es geschieht offenbar dauernd und sovie ich weiss gibts kein Gesetz, das Fremdgehen untersagt. Antworten


René Bodenmann

23.07.2009, 16:26 Uhr
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Es sind die mit Moralin verseuchten Politiker, die dieses Klima der Intoleranz geschaffen haben. Um Stimmen zu gewinnen springen sie auf den Zug der krankhaften Evangelisten, anstatt sie zu bremsen. Kennedy stand über diesen lächerlichen Dingen, darum entstand auch kein so ungesundes Klima, wie in der Gott sei Dank vergangenen, verlogenen Bush Ära. Meistens trifft es sowieso die richtigen Heuchler Antworten


Thys Flueler

23.07.2009, 16:01 Uhr
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Sexskandale sind Ausdruck der Doppelmoral. Solange die Patriarchen herrschen wird es sie immer geben. Antworten


Sandra Junker

23.07.2009, 14:55 Uhr
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Die Parteizugehörigkeit spielt keine Rolle bei den Skandalen... es sind jedoch die Republikaner mit ihren konservativen Werten, die ihr politisches Engagement mit solchen Eskapaden zutiefst in Frage stellen - neustes Beispiel mit Sarah Palin mit Ihren erzkonservativen Werten und einer modernen Single-mom Tochter, dass dann irgendwie überhaupt nicht ins Gesamtbild passt. Antworten


Peter Bargetzi

23.07.2009, 13:57 Uhr
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Ein Land, in dem ein Ehemann die Brüste seiner Ehefrau nicht küssen darf (Florida), Sex zwischen Unverheirateten (Virginia – nomen est omen) und Entlassen von Darmwinden sowie der Verzehr von Hüttenkäse donnerstags ab 18 Uhr (Florida) verboten ist, braucht sich über solche „Entgleisungen“ nicht zu wundern. Antworten



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