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Die wilden Wochen des Newt Gingrich

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 01.02.2012 6 Kommentare

Der republikanische Vorwahlkampf bleibt bis auf weiteres spannend. Vor allem, wenn Newt Gingrich seinen Napoleon-Komplex ausleben darf.

«Wir werden überall hingehen und kämpfen»: Newt Gingrich in Orlando nach verlorener Schlacht in Florida. (31. Januar 2012)

«Wir werden überall hingehen und kämpfen»: Newt Gingrich in Orlando nach verlorener Schlacht in Florida. (31. Januar 2012)
Bild: AFP

Alle 50 Delegiertenstimmen an den Sieger: Romney gewinnt in Florida. (Video: Reuters)

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US-Vorwahlen: Die Republikaner im Rennen

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Wirklich gefährlich kann Mitt Romney wohl niemand mehr werden. Rick Santorum ist aus dem Rennen ausgestiegen und Newt Gingrich und Ron Paul sind weit abgeschlagen.

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Die Restauration des Kronprinzen ist gelungen, der Zündler in Schach gehalten worden. So und nicht anders bewertet das republikanische Establishment den glänzenden Sieg Mitt Romneys bei der parteiinternen Vorwahl im bevölkerungsreichen Florida.

Hatte Newt Gingrich, dieser Meister des politischen Jiu-Jitsu, mit seinem Erfolg vor zehn Tagen im Südstaat South Carolina die Bonzen der Partei in Furcht und Schrecken versetzt, so ist die Welt der republikanischen Altvorderen heute wieder in Ordnung: Nach einem beiderseits brutal geführten Wahlkampf, bei dem Romney dank seiner pekuniären Überlegenheit Floridas republikanische Wählerschaft flächendeckend mit Anti-Gingrich-Spots bombardierte, wähnt sich der Ex-Gouverneur aus Massachusetts seiner Krönung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten auf dem Parteitag in Tampa im August sicherlich ein gutes Stück näher.

Wer hat Angst vor Newt?

Seinen Sieg verdankte er vor allem Floridas zahlreichen Senioren und ausserdem all jenen, deren Sensibilitäten sich nicht mit Gingrichs Bombast und seiner exzentrischen Ader vertrugen. Zumal die Bonzen der Partei nach dem Donnerschlag in South Carolina nach allen Regeln der Kunst über Newton Leroy Gingrich herfielen. Mit gutem Grund: Die Vorstellung, Gingrichs Name werde bei den Präsidentschafts- und Kongresswahlen im November zuoberst die Wahlscheine zieren, liess das republikanische Establishment erzittern.

Oder wie es der Oldtimer Bob Dole, der als republikanischer Präsidentschaftskandidat 1996 gegen Bill Clinton unterlegen war, vornehm ausdrückte: «Wenn Gingrich der Kandidat ist, wird das negative Auswirkungen auf republikanische Kandidaten für Kreis-, Staats- und Bundesämter haben.»

Dreckiger Wahlkampf

Mag sein, aber was Newt angeht, so ist – die gestrige Pleite in Florida hin oder her! – noch lange nicht aller Tage Abend. Bis zum Präsidentschaftskongress im August möchte der Unverwüstliche weiterkämpfen, «wilde» Wochen versprach er bereits und verwies darauf, dass er bekanntlich schon mehrmals totgesagt worden sei. Die Frage ist indes, welchen Schaden der ungestüme Mann anzurichten bereit ist. Schon sind Mitt Romneys Beliebtheitswerte dank der Jauchekübel, die Newt in Florida berserkerhaft über seinem Widersacher ausgoss, bei parteilosen Wählern gesunken, schon harrt Barack Obamas Weisses Haus hoffnungsvoll der nächsten republikanischen Schlammschlacht, bei der Newt den Konkurrenten mal wieder mit George Soros und Goldman Sachs in einen Topf werfen und ihm überdies allerlei Charakterdefizite anhängen wird.

Held der Tea Party

Romneys übles Keilen gegen Newt wird andererseits jenes Segment der Partei fremdeln lassen, welches das Establishment als Sammlung politischer Weicheier begreift und Romney als einen Mutanten, dessen konservative Überzeugungen weder authentisch noch radikal genug sind. Natürlich entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass sich ausgerechnet Newt Gingrich, ein Washingtoner Insider par excellence, zum Helden zorniger Tea-Party-Republikaner stilisiert hat, über den die Tea-Party-Pasionaria Sarah Palin allen Ernstes sagt, er sei von den Bonzen «gekreuzigt» worden.

Hinter derartigem Unsinn aber verbergen sich wirkliche Gefahren für die Partei Ronald Reagans: Geht sie mit Gingrich zu roh um, stiesse sie womöglich jenen Teil ihrer Basis vor den Kopf, der mit Romney partout nichts anzufangen weiss, ihn jedoch im Herbst als das kleinere Übel wählen würde. War es historisch stets die Demokratische Partei, die unter Flügelkämpfen litt, so könnte den Republikanern im Gefolge einer hässlichen Schlacht um die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten nun Ähnliches drohen – zumal nicht ausgeschlossen werden kann, dass der texanische Kongressabgeordnete und Libertarier Ron Paul, der in Florida eine Schlappe hinnehmen musste, im Herbst als Kandidat der Libertarier-Partei auftritt und dadurch die republikanischen Chancen schmälert.

Napoleon und Churchill

Ob die republikanische Koalition von Reichen und den zornigen, der Wallstreet nicht sonderlich geneigten Bataillonen der Tea Party sowie evangelikalen Wählern und Libertariern Bestand hat, dürfte sich spätestens dann zeigen, wenn Gingrich tatsächlich zu einem «wilden» Wahlkampf übergeht und seinen Napoleon-Komplex voll auslebt. Schliesslich begreift sich der Verlierer von Florida als eine Art amerikanischer Winston Churchill, dem die Historie aufgetragen hat, die bedrängte Nation zu erlösen. Kein Wunder also, dass Newts geistige Verfassung seinem Sprecher R. C. Hammond zufolge «fokussiert und angenehm» ist.

Ob es dabei bleiben wird, darf gleichwohl bezweifelt werden: Da bis Ende Februar keine Kandidatendebatten anstehen, bei denen sich Gingrich als verbaler Brandstifter hervortun könnte, und die kommenden Parteiversammlungen in Nevada und Maine und anderswo nicht gerade fruchtbares Terrain für ihn sind, muss sich der Möchtegern-Kolonisierer des Mondes etwas einfallen lassen, um den davonziehenden Mitt Romney aufzuhalten. Auf ihn setzen möchte nach der gestrigen Niederlage in Florida kaum jemand, Newt aber setzt gern und ungebeugt auf sich selber. Weshalb er stets für eine Überraschung gut ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2012, 06:59 Uhr

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6 Kommentare

Urs Kammer

01.02.2012, 11:49 Uhr
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Es ist erschreckend, auf welch tiefem Niveau und von Schmutz und Dollarmillionen dominiert dieser Wahlkampf mit einer Flut von Lügen, Halbwahrheiten und Verzerrungen geführt wird. Es zeigt, wie tief dieses Land auch politisch gefallen und auch hier auf Drittwelt-Level angekomen ist. Offensichtlich sind aber auch die Ansprüche vieler US-Wähler dermassen tief, dass solches gehört werden will. Antworten


Silvie Blake

01.02.2012, 09:38 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Da bleibt überhaupt nichts spannend. Der Sieg Gingrich's in South Carolina war speziellen Umständen geschuldet. Der Kerl hat soviel Dreck am Stecken, damit verschreckt man sogar noch die durchschnittlichen amerikanischen Wähler. Obama kann seine Wiederwahl schon feiern, denn Romney wird sich als gescheiterter Herausforderer Obama's begnügen müssen. Antworten




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