Psychologen stellen sich gegen Trump

Bösartiger Narzissmus wird dem US-Präsidenten von Psychologen nachgesagt. Tausende Fachleute stehen hinter einem Manifest.

Der Kult um den «starken Mann»: Trump spricht vor Republikanern in Philadelphia am 26. Januar 2017.

Der Kult um den «starken Mann»: Trump spricht vor Republikanern in Philadelphia am 26. Januar 2017. Bild: Matt Rourke/Keystone

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Donald Trumps Bezug zur Realität könnte schwerwiegendere Auswirkungen haben. Viele Experten, die ihre Einschätzung zu Trumps psychischer Tauglichkeit bisher verschwiegen hatten, haben dieses Schweigen nun gebrochen, wie der «Independent» schreibt. Öffentlich wird nun dem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten eine Persönlichkeitsstörung nachgesagt. Bei dieser Störung handle es sich um bösartigen Narzissmus – laut der Definition von Campbells' Psychiatric Dictionary versteht man darunter eine Mischung aus Narzissmus, antisozialer Persönlichkeitsstörung, Aggression und Sadismus.

Die Diagnose des böswilligen Narzissmus stammt von John D. Gartner, einem praktizierenden Psychotherapeuten. «Donald Trump hat eine gefährliche psychische Krankheit und ist charakterlich ausserstande, Präsident zu sein.» Der bösartige Narzissmus unterscheide sich vom Narzissmus und sei zudem unheilbar, so Gartner gegenüber «US News».

Tausende Psychologen haben sich nach Trumps Wahl der Gruppe «Citizen Therapists Against Trumpism» angeschlossen. Die Gruppe veröffentlichte ein Manifest, in dem sie vor Trumps Psychose warnt: «Sündenbockpolitik und das Verbannen von Gruppen, die als Gefahr angesehen werden, inklusive Immigranten und religiöse Minderheiten; das Degradieren, Verhöhnen und Erniedrigen von Konkurrenz und Kritiker; Fördern des Kults um den ‹starken Mann›, der an die Angst und die Wut appelliert; das Versprechen, unsere Probleme zu lösen, falls wir uns auf ihn verlassen; das Neuerfinden der Geschichte und geringes Interesse an der Wahrheit (und) für rationale Überzeugung keine Notwendigkeit sehen.»

Er biegt sich die Realität zurecht

Die Experten sind sich bei der Diagnose Narzissmus einig. Es gehe ihnen aber weniger um die Diagnose selbst, sondern um deren Auswirkungen auf Trumps Handlungen. Und diese seien schwerwiegend: «Seine Fähigkeit, die Realität wahrzunehmen, ist durch den Narzissmus beeinträchtigt. Deshalb kann man keine Logik anwenden, wenn man ihn überzeugen will», erklärt Dr. Julie Futrell der «New York Daily News». «Drei Millionen Frauen am Protestieren? Berührt ihn nicht. Berater, die aufzeigen, dass eine Strategie nicht funktionierte? Wird ihn nicht kümmern.» Für einen so extremen Narzissten sei der Drang, sein Selbstbild so hoch wie möglich zu halten, so stark, «dass er sich die Realität so zurechtbiegt, bis sie seiner Fantasie von Macht, Reichtum, Schönheit usw. entspricht», meint Futrell weiter.

Bereits im Dezember haben sich drei namhafte Psychiatrieprofessoren mit einem Brief an den damals noch amtierenden US-Präsidenten Barack Obama gewendet: «Die zahlreichen Meldungen von Anzeichen einer psychischen Instabilität lassen uns an seiner Tauglichkeit für die immense Verantwortung, die seine Arbeit mit sich bringt, zweifeln. Die Symptome umfassen unter anderem übertriebene Selbsteinschätzung, Impulsivität, Hypersensibilität bei Kränkung oder Kritik sowie eine offensichtliche Unfähigkeit, zwischen Fantasie und Realität zu unterscheiden.» Sie baten Obama daher eindringlich, Trump «einer umfassenden medizinischen und neuropsychiatrischen Begutachtung zu unterziehen».

Es gibt auch Gegenstimmen

Doch nicht alle Fachleute schliessen sich an. So kritisiert Professor Daniel Smith von der Universität von Glasgow seine Kolleginnen und Kollegen scharf: «Es ist weder ethisch korrekt noch gute Praxis, solche Dinge zu kommentieren, wenn man diese Person nie untersucht hat. Es ist auch wichtig, sich daran zu erinnern, dass es einen Unterschied zwischen Persönlichkeitsstörung und psychischer Krankheit gibt.»

Dass sich Psychologen und Psychiater öffentlich äussern, ist nicht selbstverständlich. Ihnen ist seit 1964 seitens des Berufsverbands American Psychiatric Association durch die sogenannte «Goldwater Rule» untersagt, insbesondere bei öffentlichen Personen Ferndiagnosen zu erstellen. Diese Regelung war eine Reaktion auf eine Magazinausgabe, in welcher der damalige republikanische Präsidentschaftskandidat Barry Goldwater von über 1000 Psychiatern als psychologisch untauglich fürs Präsidentenamt erklärt wurde. (sep)

Erstellt: 31.01.2017, 12:20 Uhr

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