Donald Trumps glühendste Fans kehren ihm den Rücken

Donald Trump erhält für die Raketen auf Syrien weltweit Applaus. Doch ausgerechnet seinen grössten Unterstützern gefällt das ganz und gar nicht.

Hitlergruss zu Trumps Sieg: Die alternative Rechte an einer Konferenz in Washington. (19. November 2016) Bild: Screenshot «The Atlantic»

Hitlergruss zu Trumps Sieg: Die alternative Rechte an einer Konferenz in Washington. (19. November 2016) Bild: Screenshot «The Atlantic»

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Donald Trump erhält für seine Attacke auf Syrien weitherum positive Schlagzeilen. Sogar Trumps Feinde auf konservativer Seite wie der ehemalige Präsidentschaftskandidat Marco Rubio oder John McCain haben im Moment nur Lob für ihn übrig. Aber ausgerechnet seine sonst glühendsten Unterstützer können das Lob der meisten Kommentatoren nicht teilen. Die Alt-Right befindet sich im Moment im Jammertal. In den sozialen Medien brodelt es, in den einschlägigen Trump-Foren herrscht Krisenstimmung und Streit.

Weite Teile der US-amerikanischen alternativen Rechten sind empört über Trumps Order, Tomahawk-Missiles in Richtung Syrien abzufeuern. Sie sehen sich durch diese Handlung betrogen – denn damit ruderte Donald Trump bei einem Wahlversprechen entscheidend zurück: kein weiterer Krieg. Kein weltweites Eingreifen. Und schon gar nicht im Mittleren Osten.

Viele Trump-Wähler sahen im Establishment – und insbesondere in Hillary Clinton – die personifizierte Kriegstreiberei. Sie erkannten darin eine vermeintliche liberale und globalistische Agenda. Unter Trump hätte alles anders werden sollen. Sie haben von Trump eine starke Fokussierung auf innenpolitische Interessen erwartet: America first. In der Aussenpolitik hätte man sich, so wie von Trump während des Wahlkampfs versprochen, zurücknehmen sollen. Mit dem Angriff auf Syrien sehen sie diese Vision nun in Scherben.

«Heil Trump! Heil unserem Volk! Sieg Heil!»

Ein grosser Teil der Alt-Right-Wortführer hat sich mittlerweile entschieden gegen Trump gewandt. Zum Beispiel Richard Spencer, politischer Aktivist und Gründer des rechtsextremen Thinktanks National Policy Institute, der den Begriff Alt-Right entscheidend mitgeprägt hat. Einer internationalen Öffentlichkeit wurde er bekannt, als er auf einer Feier zu Trumps Wahlsieg seine Rede mit «Heil Trump! Heil unserem Volk! Sieg Heil!» in die Menge rief.

Die verstörende Rede des bekannten Nationalisten Richard Spencer: «Sieg Heil! Heil Trump!» (Video: Tamedia/AFP)

Spencer sagte, er verurteile den Schlag gegen Syrien und rufe zur Solidarität mit Bashar al-Assad auf. Zudem schrieb er, die nächsten Tage würden «uns viel über ‹Konservative› beibringen». Über Bill Mitchell, einen Rechtsaussen-Radiomoderator, einen der wenigen Alt-Righter, die Trump immer noch die Treue halten, schrieb er, das sei «jenseits von Parodie».

Die rechtskonservative Autorin und Kolumnistin Ann Coulter kritisiert Trumps Entscheid vehement und insinuiert, Wähler, die sich weiterhin für Krieg im Nahen Osten aussprechen würden, hätten nicht Trump, sondern Hillary Clinton gewählt.

Trump habe sich im Wahlkampf ausdrücklich gegen Krieg im Nahen Osten ausgesprochen. Obama hat, geht es nach Trump, den IS sogar zu verantworten. Dass ein Bild der Opfer der Saringas-Attacke gereicht habe, um Trump umzustimmen, findet Coulter lachhaft.

Ähnlich sieht es der nationalistische Autor und Essayist Stefan Molyneux, der sagt, «traurige Bilder» seien kein Argument.

Der Alt-Right-Blogger Joseph Paul Watson, der immer wieder durch das voreilige Melden von Falschinformationen auffällt und als glühender Trump-Supporter auftritt, sagte gar, er sei «nicht mehr auf dem Trump-Zug». Er sieht sogar eine «komplette Spaltung» der Trump-Wählerbasis. Er zieht, wie Ann Coulter, die Parallele zu Hillary Clinton und schreibt, «Hey, Donald Trump, Amerikaner haben nicht für dich gestimmt, damit du Hillarys desaströse Aussenpolitik intensivierst.»

Er konstatiert, Trump sei jetzt wohl doch nicht, wie von Demokraten vermutet, eine Puppe Putins, sondern des Deep States und von Neokonservativen:

Auch die bei Republikanern beliebte News-Site «Daily Caller» ist kritisch: «Machen Bilder von toten Unschuldigen alle logischen Punkte irrelevant?», fragt der «Daily Caller» rhetorisch und bezieht sich damit auf non-interventionistische Wahlkampfaussagen Trumps. «Tod ist Tod», egal ob er durch «Giftgas oder Kugeln» verursacht worden sei. Trump solle «bitte» zu seinem «common sense approach» zurückkehren.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.04.2017, 17:25 Uhr

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