Ausland

«Ein Rückschlag für Abtreibungsgegner»

Aktualisiert am 01.04.2010

Im US-Staat Kansas sind Schwangerschaftsabbrüche nach der Mordtat an einem Abtreibungsarzt schwieriger geworden. Trotzdem schöpfen die Befürworter neue Hoffnung.

Ein kontroverses Thema: Befürworter und Gegner der Abtreibung während einer Mahnwache in Kansas City.

Ein kontroverses Thema: Befürworter und Gegner der Abtreibung während einer Mahnwache in Kansas City.
Bild: Keystone

Zehn Monate nach der Ermordung des amerikanischen Abtreibungsarztes George Tiller droht dem Täter die Verurteilung zu lebenslanger Haft. Ein Gericht wollte am Donnerstag das Strafmass gegen den 52 Jahre alten Scott Roeder verkünden. Er hatte den prominenten und umstrittenen Abtreibungsarzt am 31. Mai vergangenen Jahres auf dem Weg zur Kirche in Wichita erschossen und war im Januar des Mordes für schuldig befunden worden.

Nach der Tat ist es für Schwangere schwieriger geworden, im US-Staat Kansas abzutreiben. Tillers Klinik ist geschlossen - sie war die letzte in Kansas, die Schwangerschaftsabbrüche nach der 21. Woche durchführte. Zudem bemühen sich konservative Abgeordnete, das Abtreibungsgesetz des Staates zu verschärfen.

«Die nationale Anti-Abtreibungsbewegung hat hier einen grossen Sieg erzielt», sagte Warren Hern, ein langjähriger Freund des Getöteten, der selbst in Colorado Schwangerschafts-Spätabbrüche durchführt. «Sie haben genau das erreicht, was sie wollten.»

«Jetzt kommen sie nicht mehr hierher»

Schwangere müssen für Spätabbrüche von Kansas nach Albuquerque in New Mexico und Boulder (Colorado) ausweichen. Im ganzen Staat gibt es nur noch drei Krankenhäuser, wo Frauen bis zur 21. Woche abtreiben können. Früher seien viele Schwangere für Abtreibungen nach Kansas gekommen, sagt Kari Ann Rinker vom nationalen Frauenverband NOW. «Jetzt kommen sie nicht mehr hierher, weil Dr. Tiller getötet wurde.»

Die republikanische Mehrheit im Parlament von Kansas will die zudem die geltende Regelung verschärfen, wonach Abtreibungen nach der 21. Woche erlaubt sind, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist oder das Kind schwerstbehindert zur Welt kommen würde. Nun wurde ein Gesetzentwurf verabschiedet, der die Ärzte dazu verpflichtet, den Behörden die genau Diagnose zu übermitteln und eine mögliche Strafverfolgung der Mediziner erleichtern soll.

Bewunderung für Tiller

Die Republikaner verfügen aber nicht über die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit, um das Gesetz gegen ein Veto des demokratischen Gouverneurs Mark Parkinson in Kraft treten zu lassen. Nach Darstellung des Nationalen Abtreibungsverbands hat der Mord an Tiller zudem dazu geführt, dass in den USA insgesamt mehr Ärzte Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Tiller sei so bewundert worden, dass sein Tod Medizinstudenten und Ärzte in diesem Sinn beeinflusst habe, sagte die Präsidentin des Verbands, Vicki Saporta.

Für radikale Abtreibungsgegner ist der Mörder Tillers ein Held. Roeder habe sein Leben geopfert, um ungeborene Kinder zu retten, sagte der Geistliche Don Spitz, der auf seiner Website Gewalt gegen Abtreibungsärzte befürwortet. Für gemässigtere Abtreibungsgegner hat Roeder ihrem Anliegen einen Bärendienst erwiesen. «Das war ein Rückschlag für die Bewegung für das Leben», sagt Troy Newman von der Organisation Operation Rescue.

Mehrfach Opfer von Angriffen

Tiller war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen und Protestaktionen gewesen. 1993 schoss ihm ein Angreifer in beide Arme, 1985 explodierte ein Sprengsatz in seinem Krankenhaus. (jak/Roxana Hegeman /ddp)

Erstellt: 01.04.2010, 23:08 Uhr


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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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