Ausland

«Es ist Zeit für den Rückzug aus Afghanistan»

Aktualisiert am 01.09.2009

Barack Obama droht den Rückhalt für seine Afghanistan-Strategie zu verlieren. Als erste grosse Zeitung thematisiert die «Washington Post» einen Rückzug.

Der Kampf in Afghanistan fordert immer mehr Opfer: US-Marines kommen mit dem Auftrag am Hindukusch nicht voran.

Der Kampf in Afghanistan fordert immer mehr Opfer: US-Marines kommen mit dem Auftrag am Hindukusch nicht voran.
Bild: Keystone

«Ich spuckte Blut, weil ein Kollege auf eine Mine stand und beide Beine verlor. Dann sah ich einen Mitsoldaten, wie er von einer Kugel im Kopf getroffen wurde. Beide starben diesen Morgen.» So beginnt «Washington Post»-Autor George Will seinen Kommentar mit einem Zitat eines E-Mails von einem US-Soldaten in Afghanistan. Er beschreibt den «aussichtslosen Kampf» der US-Armee in Afghanistan und zitiert dabei Militärhistoriker und frühere Kriege.

Die US-Truppen seien um 21'000 auf 68'000 Mann aufgestockt worden. Die Koalitionstruppen verfügten über 110'000 Mann, und trotzdem könne das Ziel nicht erreicht werden. Nämlich, das Land von den Taliban zu befreien, die befreiten Gebiete zu halten und dann mit dem Aufbau zu beginnen. Diese Strategie sei gescheitert.

Nur noch Offshore-Einsätze

Will schlägt vor, die US-Truppenstärke substanziell zu verringern und die Afghanistan-Politik zu revidieren. Die US-Armee sollte nur noch tun, was sie von ausserhalb Afghanistans tun kann, ohne Verluste zu riskieren: Geheimdienstaktionen, Einsatz von Drohnen, Luftschläge mit Raketen und Kampfjets und der Einsatz von kleinen Spezialeinheiten an der Grenze zu Pakistan. «Manchmal sei es wichtig zu wissen, wann es Zeit ist zu stoppen», nahm Will auf vergleichbare Kämpfe in der Kriegsgeschichte Bezug.

Der August war mit 49 Opfern der bislang tödlichste Monat für die US-Streitkräfte seit dem Einmarsch in Afghanistan Ende 2001. Angriffe der Taliban haben zuletzt stark zugenommen. In Grossbritannien muss sich die Regierung fast täglich für den fortgeführten Einsatz am Hindukusch rechtfertigen.

Erstes Todesopfer im September

Auch heute gab es wieder Opfer. Einen Tag nach einer Bombenexplosion ist ein US-Soldat seinen Verletzungen erlegen. Der Soldat war am Montag bei einer Detonation im Süden des Landes schwer verletzt worden. Es war der erste Todesfall der US-Streitkräfte im September. (cpm)

Erstellt: 01.09.2009, 15:56 Uhr


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