Ex-General gibt schwulen Soldaten die Schuld an Srebrenica

Aktualisiert am 19.03.2010

Das Massaker im Jahr 1995 sei nicht verhindert worden, weil Homosexuelle die Blauhelm-Truppen geschwächt hätten, behauptet ein pensionierter amerikanischer Nato-General. Er erntet grosse Empörung.

Sagte zu Homosexualität in der Armee vor dem Kongress aus: John Sheehan, hier auf einem Archivbild von 1996.

Sagte zu Homosexualität in der Armee vor dem Kongress aus: John Sheehan, hier auf einem Archivbild von 1996. (Bild: Reuters)

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Mit Äusserungen über homosexuelle niederländische Soldaten hat ein früherer amerikanischer Nato-General einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Vor dem Verteidigungsausschuss des Senats erklärte der pensionierte General John Sheehan am Donnerstag, dass schwule Soldaten das niederländische Heer so geschwächt hätten, dass sie das Massaker von Srebrenica an bosnischen Muslimen im Jahr 1995 nicht verhindern hätten können.

Der niederländische Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop erklärte, die Aussagen Sheehans seien «schädlich» und eines Soldaten unwürdig. «Mehr Worte will ich darüber nicht verschwenden», erklärte er. General Henk van den Breemen, der die niederländischen Blauhelme bei Srebrenica befehligte, nannte Sheehans Äusserungen «kompletten Unsinn».

Gegen offene Homosexualität in der Armee

Sheehan war zu einer Anhörung des Ausschusses geladen, in der es um die Frage ging, ob sich Soldaten in den US-Streitkräften zu ihrer Homosexualität bekennen dürften. Sheehan wandte sich gegen solche Überlegungen und verwies auf das Massaker. Die niederländische Heeresführung um General van den Breemen habe selbst erklärt, dass Homosexuelle ein Teil des Problems gewesen seien. Der Ausschussvorsitzende Carl Levin bezeichnete Sheehans Äusserungen als «komplett am Thema vorbei».

In der bosnischen Enklave Srebrenica waren im Juli 1985 beim schlimmsten Massaker in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg rund 8000 muslimische Männer und Jungen getötet worden. Niederländische Blauhelmsoldaten hatten Srebrenica bewacht, sich jedoch nach Angriffsdrohungen der übermächtigen bosnisch-serbische Streitkräfte zurückgezogen. (oku/ddp)

Erstellt: 19.03.2010, 16:42 Uhr

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