Ausland

Startseite · Abo · Immobilien · Job · Auto · Kleinanzeigen

Haiti-Spenden doppelt so hoch wie erwartet

Die Uno hat in New York deutlich mehr Geld für Haiti gesammelt als erhofft: Das vom Erdbeben zerstörte Land kann mit über 9,8 Milliarden Dollar Hilfsgeldern rechnen.

Haiti braucht Hilfe: Physiotherapie eines Erbebenopfers im Albert-Einstein-Spital nördlich von Port-au-Prince.

Haiti braucht Hilfe: Physiotherapie eines Erbebenopfers im Albert-Einstein-Spital nördlich von Port-au-Prince.
Bild: Keystone

59 Staaten und Institutionen versprachen an der Geberkonferenz Unterstützung. Allein für die nächsten zwei Jahre sagten sie Hilfen in der Höhe von 5,3 Milliarden Dollar zu, wie Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon zum Abschluss der Konferenz mitteilte.

Fast drei Viertel des Geldes kamen von drei grossen Spendern: die Interamerikanische Entwicklungsbank, Venezuela und die USA. US- Aussenministerin Hillary Clinton sagte dem Land 1,15 Milliarden Dollar aus Washington zu. Das Geld solle in Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Energieversorgung und Verwaltung des Landes investiert werden.

Für eine grosse Überraschung sorgte Venezuela, das Haiti fast doppelt so viel versprach: Fast 2,12 Milliarden Dollar will Caracas spenden, wenn auch knapp die Hälfte davon über zehn Jahre verteilt.

1,67 Milliarden Dollar von der EU

Übertroffen wurde Venezuela von der Interamerikanischen Entwicklungsbank: Die IDB will mit 2,2 Milliarden Dollar etwas mehr als Venezuela zahlen, vier Fünftel davon aber auch über die Dekade verteilt. Die Europäische Union versprach umgerechnet 1,67 Milliarden Dollar.

Der haitianische Ministerpräsident Jean-Max Bellerive stellte an der Konferenz den fast 140 teilnehmenden Staaten einen «Aktionsplan für nationalen Wiederaufbau und Entwicklung» vor. Der Wiederaufbau staatlicher Institutionen und Strukturen hätten Priorität, hiess es.

Schweiz gibt 36 Millionen

Für die Schweiz nahm Martin Dahinden, Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), an der Versammlung teil. Die Schweiz unterstützt den Wiederaufbau in dem krisengeschüttelten Land bis 2012 mit 36 Millionen Franken, wie der Bundesrat letzte Woche bekanntgab.

Sie engagiert sich insbesondere für den Wiederaufbau von Schulen und Spitäler sowie die Sanierung von Trink- und Abwasseranlagen ausserhalb von Port-au-Prince. Neben den 36 Millionen Franken kommen weitere 55 Millionen Franken aus der Schweiz, die von der Glückskette gesammelt wurden.

Das Beben in Haiti hatte mehr als 220'000 Menschen das Leben gekostet. Etwa 1,3 Millionen Menschen wurden, kurz vor der Regenzeit und der Hurrikansaison, obdachlos.

Aufbau eines neuen Haiti

Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon rief die Staaten auf, ein «neues Haiti» zu schaffen. «Es geht hier nicht einfach um Wiederaufbau, lassen Sie uns Haiti besser aufbauen», sagte er zur Eröffnung der Konferenz. «Wir müssen ein besseres Haiti schaffen, in dem nicht die meisten Menschen in Armut leben und keine Chance auf Bildung haben.»

Haiti brauche in den nächsten zehn Jahren 11,5 Milliarden Dollar. «Wir haben einen konkreten Plan für den Wiederaufbau und dieser Plan trägt eine haitianische Handschrift. Wir zählen auf Ihre Grosszügigkeit, diesen Plan umzusetzen.»

«Sie brauchen Hilfe und wir brauchen Haiti», sagte US- Aussenministerin Clinton. «Menschenschmuggel, ausufernder Drogenhandel, Tuberkulose, Aids - das betrifft zuerst die Menschen in Haiti, aber schnell uns alle.» Sie forderte, vor allem Frauen in den Wiederaufbau einzubeziehen.

Proteste von Aids-Aktivisten

Begleitet wurde der Beginn der Konferenz mit Protesten von Aids- Aktivisten. Die etwa 50 Demonstranten schwenkten haitianische Flaggen und forderten einen eigenen Aktionsplan für die HIV-infizierten unter den Erdbebenopfern. Haiti hatte noch vor einigen Jahren die höchste Aids-Rate ausserhalb Afrikas. Regierung und Vereinte Nationen haben es aber geschafft, die Quote drastisch zu senken. (bru/sda/)

Erstellt: 01.04.2010, 08:45 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

4 Kommentare

hans maag

01.04.2010, 14:11 Uhr
Melden

Als erstes wird wohl der Präsidentenpalast wieder aufgebaut, noch grösser, noch prächtiger. Antworten


Heinz Butz

01.04.2010, 12:13 Uhr
Melden

Das Prokopfeinkommen in Haiti beträgt 600 $ pro Jahr. Mit den 10 Milliarden könnten die Haitianer fast 2 Jahre leben. Gebt jedem Haitianer 500 $ auf die Hand und die Wirtschaft beginnt auch dort zu florieren. Das nennt man Selbstbestimmung und Selbstverantwortung ohne das Abschöpfen durch "Hilfsorganisationen". Antworten


Alfred Erismann

01.04.2010, 09:42 Uhr
Melden

Wunderbar, dass die Staaten und Organisationen 5.3 Mia Dollar spenden. Und, wie heute im "Bund" zu lesen stand, 400 Manager einer Grossbank zusammen ungefähr die Hälfte dieses Betrages als Boni beziehen. Irgendwie beginnt's in mir zu kochen... Antworten


Res Zaugg

01.04.2010, 07:46 Uhr
Melden

9,8 Milliarden Dollar werden via Hilfsorganisationen und unkontrollierbaren NGOs über Haiti ausgeschüttet. Es ist zu hoffen, dass bei dieser Menge Geld auch tatsächlich etwas bei den Bedürftigen ankommt. Einmal mehr muss darauf hingewiesen werden, dass viele Afrikanische Länder sich in einer Dauerkatastrophe befinden, doch hier schaut die Welt weg. Die UNO ist halt in den USA. Antworten



Ausland

Populär auf Facebook – Privatsphäre

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Immobilienberater m/w Kohlberg & Partner GmbH, Kanton Zürich

Leiter Supply Chain Humanis AG, Kanton St. Gallen

Brand Portfolio Manager (100%) X-TRA Production AG, Zürich