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Homo-Ehe in den USA salonfähig

Der Zorn der Gegner von Schwulen- und Lesbenehen lässt nach. Nach Vermont und Iowa wollen weitere US-Bundesstaaten Homosexuellen den Bund fürs Leben ermöglichen.

Mitten im amerikanischen Herzland, in Iowa, haben vergangene Woche die ersten Frauen- und Männerpaare den Bund der Ehe geschlossen. Proteste gab es praktisch keine. Im Bundesstaat New Hampshire hat der Senat am Mittwoch einer Vorlage zur gleichgeschlechtlichen Ehe zugestimmt. Damit geht das Gesetz nun zum demokratischen Gouverneur John Lynch, der sich allerdings noch nicht festgelegt hat, ob er es wirklich unterschreibt oder ein Veto ausspricht. Und auch in Maine passierte am Freitag eine entsprechende Vorlage mit klarer Mehrheit durch die erste Parlamentskammer.

Dass die Ehe für Homosexuelle ausgerechnet dieses Jahr zu einem derart prominenten politischen Thema in den USA wird, hat hohen Symbolwert. Am 28. Juni 1969, vor fast genau 40 Jahren, begann die moderne Schwulenbewegung in New York. Damals wehrten sich die Gäste der Bar Stonewall Inn in Greenwich Village gegen eine der allgegenwärtigen Polizeirazzien. Die Bar, die damals von der Mafia betrieben wurde, war ein bekannter Treffpunkt für eher feminine Schwule, die oft auch Frauenkleider trugen. Standardprozedere bei den Razzien war, dass alle Männer in Frauenkleidern sich ausweisen mussten und dann verhaftet wurden. Viele hatten Angst, dass ihr Foto in der Zeitung erscheinen könnte.

Schwule prügeln sich mit Polizei

In jener Nacht jedoch versammelten sich während des Polizeieinsatzes weitere Schwule und Sympathisanten aus dem Quartier vor der Bar, und es entwickelte sich eine heftige Prügelei mit der Polizei. In den Tagen danach fanden Demonstrationen statt; erstmals waren Homosexuelle bereit, öffentlich für ihre Rechte einzutreten. Die Ehe von Schwulen und Lesben allerdings war damals kein Thema, zu utopisch war wohl die Vorstellung, um sie ernsthaft zu debattieren. 40 Jahre später ist die Utopie in einigen europäischen Ländern und vier amerikanischen Bundesstaaten Realität – und steht derzeit im Zentrum einer heftigen politischen Auseinandersetzung in den USA.

Während in Kalifornien das Oberste Gericht noch immer darüber berät, ob die Volksabstimmung vom November gültig ist, welche knapp ein verfassungsrechtliches Verbot der Homo-Ehe beschlossen hat, preschten vor drei Wochen Iowa und Vermont vor und legalisierten sie auf ihrem Gebiet. Beides sind Premieren: Vermont ist der erste Bundesstaat, in dem nicht ein Gericht, sondern das Parlament das neue Recht durchgesetzt hat (und dabei gar das Veto des republikanischen Gouverneurs überstimmte), und Iowa der erste Bundesstaat im konservativen Herzland der Vereinigten Staaten.

Republikaner beschweren sich

Der Streit um die Homo-Ehe wogt in den USA seit Jahren heftig, die religiöse Rechte stemmt sich mit einer Mehrheit der Republikanischen Partei mit aller Macht gegen den gesellschaftlichen Trend, schwulen und lesbischen Paaren immer mehr Rechte zuzugestehen. Umso erstaunlicher, dass einflussreiche Exponenten der Konservativen auf die Entscheide in Iowa und Vermont kaum reagiert haben. Reverend Rick Warren, der Pastor einer populären evangelikalen Grosskirche, sagte auf CNN, er sei kein Anti-Homo-Ehe-Aktivist. Und Glenn Beck, der neue Star des Republikaner-freundlichen TV-Senders Fox, rief gar dazu auf, «zu feiern, was in Vermont passiert ist», weil nicht ein Gericht, sondern das Volk entschieden habe.

Einige Statistiker glauben, die Haltung gegenüber der gleichgeschlechtlichen Ehe sei eine Generationenfrage, und erwarten, dass es in den USA bereits 2010 landesweit eine knappe Mehrheit dafür geben könnte. Lesben und Schwule fühlen sich von den neusten Entwicklungen beflügelt und erhöhen den Druck. In praktisch allen nordöstlichen Bundesstaaten sind entsprechende Vorlagen im Parlament.

Auch New York, neben Kalifornien wohl der Staat mit den meisten Schwulen und Lesben, will vorwärts machen. Gouverneur David Paterson und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg haben das Parlament aufgefordert, ein formuliertes Gesetz fertig zu debattieren und gutzuheissen. Das Repräsentantenhaus hat es mit deutlicher Mehrheit verabschiedet, im Senat allerdings könnte es knapp werden. Zwar haben die Demokraten eine hauchdünne Mehrheit, aber zwei Senatoren haben sich gegen das Gesetz ausgesprochen, weshalb es die Zustimmung von ein paar Republikanern bräuchte. Paterson, der das Anliegen mit dem Befreiungskampf der Schwarzen um gleiche Rechte vergleicht, will nun persönlich bei einzelnen Senatoren für die Vorlage lobbyieren.

Obama will nationale Anerkennung

All diese bundesstaatlichen Gesetze haben nur begrenzte rechtliche Wirkung, solange gleichgeschlechtliche Ehen auf nationaler Ebene nicht anerkannt werden. Dies verhindert derzeit ein Gesetz, das in den 90er-Jahren von der republikanischen Parlamentsmehrheit beschlossen und von Präsident Bill Clinton unterzeichnet worden ist. Barack Obama, der sich im Wahlkampf für gleiche Rechte von homosexuellen Paaren, aber gegen die Ehe ausgesprochen hat, will dieses Gesetz abschaffen und damit den Weg für eine nationale Anerkennung frei machen. Noch allerdings ist unklar, wann er dazu kommen wird, sich neben den vielen anderen Problemen auch dieses Themas anzunehmen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2009, 23:12 Uhr

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3 Kommentare

Rüdiger Kraus

05.05.2009, 15:45 Uhr
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Elton John hat selber gesagt,er verstehe die Schwulen nicht,welche unbedingt eine Partnerschaft Ehe nennen wollen.Es reicht das die wichtigen Rechte,welche man in der Ehe geniesst,auf die Schwule Partnerschaft übertragen wird. Es bestehen ja Unterschiede in den Paaren,zB.die Fortpflanzung. Das hat nichts mit Angst zu tun,aber eher mit Stolz,wenn sich Heteros gegen den Term Schwulen-Ehe wehren. Antworten


Michael Sold

04.05.2009, 13:00 Uhr
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Es ist schön, dass der legale Weg für partnerschaftliche Beziehungen auch in der Homosexualität geöffnet wird. Aber wie schon geschrieben ändert das nichts an der Tatsache von Millionen oder Milliarden von Menschen die durch religiöse Angstmacher und Radikale dieses Recht boykottieren und mit allen fast terrorartigen Mitteln kaputt machen. Wer ist nun vor wem gleich? oder gleicher? Antworten


Jens Gloor

04.05.2009, 09:52 Uhr
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Leider gibt es in weiten Teilen der USA einen sozialen Bildungsnotstand, weshalb viele Amerikaner das Recht auf eine 'persönliche' Sexualität gar nicht begreifen können: Somit ändert sich nichts an den Anfeindungen aus dieser, grossen Schicht der Bevölkerung, auch wenn das Land versucht, sich nun einen modernen Anstrich zu geben. Was, wenn der Wohlstand in den USA untergeht...? Antworten



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